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Französische Alpen

Dienstag, 28. April 2026

Nachdem die Fahrt in den Französischen Jura im letzten Jahr so toll war, möchte ich es diesmal ein kleines Stückchen weiter südlich versuchen. Die Französischen Alpen sind für mich der Bereich südlich des Genfer Sees, östlich der Rhône und dann an der italienischen Grenze runter bis zum Mittelmeer. Wobei ich die direkte Küste nicht unbedingt mit dazu zähle, so dass mich dort auch nicht so richtig viel hinzieht. 

Wo genau sich dieser Urlaub von ungefähr zwei Wochen abspielen wird, steht für mich noch nicht fest. Ich würde gerne mal einen unverhüllten Blick auf den Mont Blanc werfen, nachdem dieser Berg im letzten Jahr bei jedem Versuch in Dunst und Wolken gehüllt war. 

Außerdem reizt mich der "Vercors" Gebirgszug direkt südwestlich von Grenoble. Dort scheint es ähnlich spektakulär zuzugehen wie im Jura, mit anscheinend noch weniger Bevölkerungs- und Touristendichte. 

Als erstes Ziel hatte ich mir aber den Lac d'Annecy ausgesucht. Mit Tina waren wir vor vielen Jahren dort, und es war einfach umwerfend schön. Das würde ich mir gerne nochmal wieder anschauen. 

Heute Morgen muss ich dann nur noch die letzten Sachen in Nolwenn packen. Wir frühstücken nochmal in Ruhe zusammen. Tina hat wieder viele Arzttermine und kann wieder nicht mitfahren. 

Gegen 10 Uhr komme ich los. Zuerst muss ich zur Tankstelle. Ich packe aber nur so viele Kilometer in den Tank, dass ich es bis Luxemburg schaffe. 

An der dortigen Tankstelle in Wasserbillig kann ich aber nicht volltanken. Die Tanksumme ist auf 125 Euro begrenzt. Früher war es unmöglich auf diesen Betrag zu kommen. Aber bei den aktuellen Spritpreisen sollte man überlegen den Rahmen zu erweitern. Und zwar auch dann, wenn der Sprit in Luxemburg immer noch rund 30 bis 40 Cent pro Liter günstiger ist als bei uns in Deutschland. 

Ich fahre also mit fast vollem Tank wieder los und auf der anderen Seite Luxemburgs in Berchem halte ich nochmal an der dortigen Tanke und kann nun endlich volltanken. 

So gerüstet geht es kurz darauf weiter nach Frankreich. Bis Nancy ist die Autobahn ja kostenfrei. Danach geht es auf der Nationalstraße N57 weiter. Diese Strecke ist überwiegend wie eine Autobahn ausgebaut und man kommt super voran. 

Ich fahre noch bis ca. 18 Uhr und suche dann nach einem Stellplatz für die Nacht. Nur 4 Kilometer weiter gibt es einen offiziellen Stellplatz in dem kleinen Ort Saulx. Am Abend kommt ein Mitarbeiter der Gemeinde und kassiert die Gebühr direkt bei jedem Mobil ab, allerdings nur per Kartenzahlung. Eigentlich sehr praktisch das Verfahren. 

1. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
481 Saulx
SP Municipal
7 €

Mittwoch, 29. April 2026

Im Ort gibt es eine richtig gute Bäckerei, wo ich mir ein Baguette hole und auch mal wieder ein leckeres Erdbeertörtchen bekomme. Alles in toller handwerklicher Qualität und nicht aus dem Automaten einer Großbäckerei. 

Als Tagesziel gebe ich einen Campingplatz am Lac d'Annecy ins Navi ein. Ich habe die Vermutung, dass es sich um den Campingplatz handeln könnte, wo Tina und ich schon im Jahr 2010 waren und wo es uns extrem gut gefallen hatte. 

Genauso ist es dann auch. 2010 waren wir auf der letzten Reise mit unserem Wohnwagen bevor wir 2011 dann Emil als unser erstes Wohnmobil bekamen. 

Damals waren wir mitten im Juli, also in der absoluten Hochsaison unterwegs und bekamen auch ohne Reservierung locker einen freien Platz ziemlich weit vorne mit Seeblick. 

Diesmal bin ich in der Nebensaison und der Platz, obwohl mittlerweile vergrößert, ist so voll, dass ich nur noch so gerade eben einen Platz ganz hinten in einer Ecke und ohne Seeblick bekomme. 

Früher war einfach alles besser. Ich bin übrigens auch von früher. :-))

Der See ist immer noch wunderbar und ich werde mit Sonne und blauem Himmel begrüßt. 

Später unternehme ich noch eine Fahrradfahrt ins Nahe Annecy. Der Radweg wurde streckenweise extrem verbreitert. Trotzdem reicht der Platz kaum aus. Auch an diesem 29. April sind so extrem viele Leute unterwegs, dass einem auf dem Radweg Angst und Bange werden kann. 

Richtig eng und gefährlich wird es in Annecy selber. Radfahrer, E-Biker, Rennräder, Kinder mit Fahrrädern, extra breite Lastenräder, die unsäglichen getunten Fat-Bikes (bei denen es sich eigentlich um Motorräder mit Elektromotor handelt), Hunde mit und ohne Leine, E-Scooter (natürlich auch überwiegend getunt), Jogger, Fußgänger in großen und kleinen Gruppen... und alles kreuz und quer durcheinander! Rote Ampeln sind nur unverbindliche Vorschläge und Überholen auch bei Gegenverkehr und in unübersichtlichen Kurven, wo ist das Problem!?

Na gut, ich musste es mir einfach nochmal anschauen. Und vermutlich werde ich morgen auch nochmal eine kleine Tour mit dem Fahrrad unternehmen. Aber immer schön vorsichtig! 

2. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
289 Sevrier / Lac d'Annecy (1)
CP Les Rives du Lac
25,90 €

Donnerstag, 30. April 2026

In der Rezeption hatte ich gestern für heute Morgen ein Baguette vorbestellt. Das kann aber erst ab 8.30 Uhr abgeholt werden. Also kann ich mir ganz viel Zeit lassen. 

Aber auch beim Frühstück lasse ich mir viel Zeit. Denn am frühen Morgen war der Himmel noch mit einer Art Hochnebel zugezogen. Aber keine Sorge. Der Dunst bricht schnell auf als die Sonne erst mal etwas an Höhe gewonnen hat. Und danach gibt es strahlend blauen Himmel. 

Ich bin unschlüssig, ob ich heute eine erste kleine Wanderung unternehmen oder doch lieber nochmal die schöne Radrunde um den See drehen soll. 

Schließlich entscheide ich mich für die Radrunde. Zuletzt war ich vor 14 Jahren auf dieser Strecke unterwegs. Damals hatte ich notiert, dass die Runde 38 km lang ist. Da war ich aber auch noch mit reiner Muskelkraft und nicht mit E-Unterstützung unterwegs. Das sollte also eine recht entspannte Runde werden. 

Und so ist es auch. Ich fahre gegen den Uhrzeigersinn. Der Radweg am Westufer wird auf einer ehemaligen Bahntrasse geführt und ist gut ausgebaut. Heute Vormittag hält es sich mit den Massen an Radfahrern auch noch in Grenzen und ich kann die Fahrt so richtig genießen. 

Es gibt den einen oder anderen alten Bahnhof an der Strecke, der heute anders genutzt wird. Sehr gerne nämlich als Café oder Bistro zur Versorgung der vielen Radfahrer. 

An einer Stelle führt der Radweg sogar durch den alten Tunnel der Bahnstrecke. Dieser ist aber mittlerweile gut beleuchtet. Anders wäre auch gar nicht möglich, da die meisten Räder heutzutage offenbar gar keine Beleuchtung mehr haben. 

Am Ostufer hatte es durch die hohen Berge ziemlich lange gedauert, bis die Strecke dann auch etwas Sonne abbekommen hat. Daher ist es auf dieser Seite noch spürbar kühler als ich dort in nördliche Richtung schwenke. 

​Der Radweg läuft jetzt durchgehend zwischen dem Ufer und der Straße. Er ist mit einer soliden Absperrung vor dem Verkehr auf der Straße geschützt. 

Vor 14 Jahren gab es dort, wo jetzt der Radweg läuft noch einige kleinere Parkplätze direkt am Ufer. Damals hatten wir uns mit Emil auf so einen Parkplatz gestellt und dort den Tag mit Sonnen und Schwimmen verbracht. Und sogar übernachtet hatten wir auf diesem Platz. Allerdings relativ schlecht geschlafen, weil es doch unerwartet laut war. 

​Am nördlichen Ende des Sees komme ich schließlich wieder nach Annecy. In der Altstadt schiebe ich das Fahrrad, da es sich wirklich nicht anbietet, dort zu fahren. Man käme auch gar nicht besonders weit, denn es sind viele, viele Menschen unterwegs. 

​Ich radle dann noch zu einem Supermarkt, wo ich noch ein paar Kleinigkeiten für das heutige (und morgige) Essen einkaufe. 

Zurück am Campingplatz setze ich mich noch etwas in die Sonne und beginne irgendwann mit dem Kochen. Auch heute koche ich wieder für zwei Tage, so dass sich der Aufwand morgen in Grenzen halten wird. 

Morgen geht es dann wieder weiter. Ziel wird Aix les Baines sein, wo ich auf dem Stellplatz von Camping-Car Park einen Platz für zwei Nächte vorreserviert habe. 

3. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
0 Sevrier / Lac d'Annecy (2)
CP Les Rives du Lac
25,90 €

Freitag, 01. Mai 2026 (Maifeiertag)

Als erstes geht es heute auf das Plateau de Semnoz. Nolwenn muss sich hierfür auf rund 1.700 m Höher hinauf schrauben. Hört sich eigentlich gar nicht so hoch an, aber der Lac d'Annecy, wo die Fahrt losgeht, liegt rund 1.200 m tiefer. So gesehen ist das heute eine richtig ordentliche Passfahrt. 

Unterwegs und oben ist die Sicht runter auf den See aber leider recht dunstig. Kein Nebel und keine Wolken, aber doch irgendwie nicht so klar, wie man sich das wünscht. Der Blick von unten zu den Gipfeln wirkte dagegen gar nicht dunstig sondern sah nach klarem blauem Himmel aus. 

Im Grunde hat sich die Fahrt, die ich vor allem wegen der Aussicht unternommen habe, nicht gelohnt. Und obendrein zeigt das Navi dann auf dem Pass an, dass die Strecke auf der anderen Seite runter über 3,5t verboten ist. 

So fahre ich also die gleiche Strecke, die ich hochgefahren bin, auch wieder runter. 

In Annecy ist mittlerweile deutlich mehr Betrieb. Aber ich streife den Ort eigentlich nur und bin trotz immer wieder stockenden Verkehrs schnell durch. 

Ich will immer noch nicht über das breite Haupttal mit Nationalstraße und Autobahn fahren und wähle eine andere Route durch die Berge. Diesmal versuche ich es am deutlich niedrigeren Col de Leschaux. Mit seinen knapp 900 Metern ist er leicht zu fahren und stellt kein Problem dar. 

Auf den Stellplatz kann ich sowieso erst frühestens um 12 Uhr auffahren. Also genieße ich die Fahrt durch die schöne Berglandschaft. 

Außer mir sind nur noch wenige Fahrzeuge unterwegs. Die größte Gruppe stellen ganz sicher die vielen Rennradler, die den Feiertag und das schöne Wetter für eine längere Ausfahrt über die Pässe nutzen. 

Das Navi führt mich sicher zu dem Stellplatz, auch wenn ich einmal eigentlich gegen eine Einbahnstraße fahren soll. Aber da hat sich wohl die Regelung geändert und im Navi mit seinen mittlerweile 3 Jahren ist das noch nicht gespeichert. 

​Zum Glück habe ich für die nächsten beiden Tage hier reserviert. Mit der App von Camping-Car Park geht das recht einfach. Schon am Nachmittag sind alle Plätze belegt oder reserviert und es werden keine freien Plätze mehr angezeigt. 

Bei dem Gelände handelt es sich mal wieder um einen ehemaligen Campingplatz, der offenbar sehr vernachlässigt wurde. Nach Stilllegung der Sanitäreinrichtungen und Installation der automatischen Zugangseinrichtungen von Camping-Car Park stellt der Platz jedoch einen schönen Womo-Stellplatz dar. Immerhin ist die Anlage der einzelnen Parzellen schon fertig und muss nur noch ein wenig gepflegt werden. 

Ich mache einen kurzen Spaziergang zum nahen Ufer des Lac du Bourget. Die Strandpromenade heißt hier Esplanade und ist knüppelvoll mit Menschen. Es gibt eine Kirmes und jede Menge Buden an denen man alles Mögliche zu Essen kaufen kann. 

Mit ist hier zu viel Rummel und ich gehe zum Stellplatz zurück. Dort mache ich das Fahrrad startklar und fahre ins Zentrum von Aix-les-Bains. Doch die Innenstadt finde ich enttäuschend. Es gibt einige größere Einkaufsstraßen mit überbreiten Gehwegen, aber eine Fußgängerzone gibt es nicht. Dazu sind die Gebäude alt und unansehnlich. Das ist eine Stadt, die mir gar nicht gefällt. 

Morgen bleibe ich ja hier und fahre nicht weiter. Ich denke, dass ich außer einem Besuch auf dem Wochenmarkt nicht allzu viel unternehmen werde. 

4. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
189 Aix les Bains (1)
SP CCP
18,20 €

Samstag, 02. Mai 2026

Wie geplant schaue ich mir heute den Wochenmarkt an. Es gibt eine Markthalle mit festen Marktständen und etlichen mobilen Ständen rund um die Halle. 

Es ist unglaublich voll, und an den beliebtesten Ständen stehen die Menschen in langen Warteschlangen. Ich mache ein paar Fotos und muss immer eine Zeitlang warten, bis mal nicht so viele Menschen im Bild sind. 

Im fünften Foto ist der leider geschlossene Stand zum Verkauf von Schnecken zu sehen. Schade, das hätte mich dann doch mal interessiert, wie die Tiere hier vermarktet werden. 

Insgesamt ist mir der Rummel hier aber zu heftig. So etwas ist nicht mein Fall, so dass ich nicht besonders lange bleibe. 

Später drehe ich dann noch eine weitere Runde mit dem Fahrrad. Aix les Bains verfügt über ein Casino und dort in der Nähe gibt es sogar ein Stückchen Fußgängerzone. Insgesamt bleibe ich aber dabei, dass ich diese Stadt eher hässlich finde. 

5. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
0 Aix les Bains (2)
SP CCP
18,20 €

Sonntag, 03. Mai 2026

Was für ein Tag heute! Zuerst ging es wie immer ganz normal los mit einem gemütlichen Frühstück. Dazu hatte ich wieder in einer nahegelegenen Bäckerei ein leckeres handwerkliches Baguette "Tradition" geholt. 

Gestern hatte ich mir eine Tankstelle herausgesucht, die nur rund 2 km vom Stellplatz entfernt war und wo der Diesel um einiges günstiger angeboten wurde als an den meisten anderen Tankstellen. 

Doch als ich dort ankomme, sind die meisten Zapfstellen außer Betrieb gesetzt. Offenbar fehlt einfach der Sprit! Ist das jetzt schon der große Versorgungsengpass in Sachen Kraftstoffe? Aber Prinzip Hoffnung: Vermutlich nur ein Engpass durch den Feiertag, durch den ein Tag für Nachlieferungen fehlte. 

Im Laufe des Tages komme ich aber noch an vielen Tankstellen vorbei, in denen gerade kein Sprit verkauft wird. Überall sind die Zapfstellen außer Betrieb und die elektronischen Preisanzeigen sind auf 9,999 Euro gestellt. 

Im Laufe des Tages finde ich aber auch noch eine Tankstelle zum günstigen Preis, wo ich tanken kann. Eigentlich wäre das noch gar nicht nötig, aber ich fühle mich gerade besser, wenn der Tank voll ist. 

Zunächst fahre ich nach Grenoble, wobei das Navi die neuesten geänderten Verkehrsführungen noch nicht gespeichert hat. Ich muss auf einer Schnellstraße bis zur nächsten Ausfahrt und von dort nochmal zurückfahren. 

In Grenoble gibt es eine Umweltzone, die ich durchqueren muss. Mit der gelben Stufe 2 darf ich aber durchfahren. Und diese Plakette haben wir ja von Anfang an. Nach Rouen das zweite Mal, dass wir sie tatsächlich brauchen. 

Auf der anderen Seite geht es dann in den Vercors, also zu dem Gebirgszug, den ich mir schon die ganze Zeit als Ziel ausgemalt hatte. Auf dem dortigen Hochplateau fanden Teile der olympischen Winterspiele statt, so dass die Auffahrtsstraße von Grenoble aus auch nach heutigen Maßstäben immer noch richtig gut ausgebaut ist. Unter anderem geht es durch eine Schlucht mit senkrechten Felswänden. 

Auf dem Hochplateau wird es dann deutlich kälter. Immerhin rund 800 m Höhenunterschied zu Grenoble machen sich bemerkbar. Aber ich will noch weiter hinauf. Bis auf 1.200 m komme ich. 

An dem Großparkplatz eines Wintersportortes mit allerlei Liften ist die Straße zu Ende. Mein ursprünglicher Plan war, von hier aus eine Wanderung zu einem besonderen Aussichtspunkt zu unternehmen. 

Aber ich muss einsehen, dass das heute nicht mehr gehen wird. Zum einen dauert diese Wanderung einfach viel zu lange. Und zum anderen bin ich irgendwie zu früh im Jahr hier oben. Von Frühling gibt es hier oben noch keine Spur. Und dann fängt es auch noch an zu tröpfeln. 

​Vermutlich werde ich meine ganze Urlaubsplanung nochmal komplett überdenken müssen. Jedenfalls möchte ich hier oben nicht übernachten und mache mich auf der anderen Seite des Hochtales wieder auf den Weg nach unten. 

Die Straße ist mit einer Höhenbegrenzung von 3,50 m versehen. Da Nolwenn knapp 3,20 m hoch ist, sehe ich da kein Problem. Sollte es sich um eine Bogenbrücke handeln, warte ich einfach, bis kein Gegenverkehr ist und nehme dann die Brückenmitte. So dachte ich mir das zumindest. Hahaha!

Ich komme zu einer Höhenkontrolle. Eine Stange ist in 3,50 m Höhe quer über die Fahrbahn gebaut worden. Ohne Sorge und tatsächlich problemlos fahre ich unten durch. 

Doch direkt nach der ersten Kurve wird es ernst. Hier geht es gar nicht um irgendwelche niedrigen Brücken, sondern es sind überhängende Felsen über der Fahrbahn. Und für mich sehen die nicht so aus, als wären die tatsächlich über die gesamte Fahrbahnbreite auf 3,50 m. Dazu wird die Fahrbahn ziemlich schmal, oft nur einspurig. 

Aber es gibt keine Möglichkeit mehr zu wenden. Ich muss jetzt hier durch. Vorsichtig, ganz vorsichtig fahre ich immer weiter. Die Passage ist immerhin rund 8 km lang. 

Ich schalte sogar das Radio aus, um nicht abgelenkt zu werden und konzentriere mich voll und ganz auf das Fahren. Von der atemberaubenden Landschaft bekomme ich absolut nichts mit. Ich bin nur auf die Fahrbahn und die Felsen fixiert. 

Zum Glück läuft die Dashcam und erst am Abend komme ich dazu, mir die Fahrt nochmal auf dem Bildschirm anzuschauen. Ein paar Standfotos kann ich hier zeigen. Vielleicht schneide ich die Sequenzen der Dashcam auch noch zu einem Video zusammen, dass ich dann noch hochladen werde. 

Wieder auf 200 m Höhe angekommen, mache ich mir Gedanken zu dem heutigen Übernachtungsplatz. Ich schaue mir mehrere an, die mir aber nicht gefallen. 

Schließlich lande ich in dem Ort Montvendre etwas östlich von Valence. Damit habe ich zwar mein eigentliches Zielgebiet die Französichen Alpen verlassen und bin nun eher in der Provence. Aber darauf läuft es möglicherweise sowieso hinaus, wenn in den nächsten Tagen wie angekündigt der große Regen kommt und sich in den Bergen entlädt. 

Der Ort hat gleich zwei Stellplätze, die fast nebeneinander liegen. Der eine ist gut zu sehen und alles drängelt sich dort. Einen Platz bekomme ich dort nicht. 

Aber die Einfahrt auf der anderen Straßenseite wird von den allermeisten übersehen, da der Stellplatz hinter allerlei Grünzeug liegt und nicht zu erkennen ist. Dort bekomme ich dann einen richtig schönen Platz, wo ich für heute die Fahrerei beende. 

Der Ort hat einen kleinen mittelalterlichen Kern mit ehemaligem Schloss, Stadtmauer, Stadttorturm und alten Häusern. Allerdings gibt es keinerlei Touristen-Schnick-Schnack hier. Alle Gebäude erfüllen heute noch Funktionen und sind nicht für die Touristen aufgehübscht. Ich nenne so etwas: Authentisch! Einfach schön. 

Es ist heute auch noch mehr passiert. Aber ich habe gerade keine Lust mehr, alles aufzuschreiben. Nur eines noch. In einem Kreisverkehr kurz vor dem heutigen Stellplatz steht die Rakete von Tim und Struppi. Ich bin begeistert. 

6. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
222 Montvendre
SP Municipal
0 €

Montag, 04. Mai 2026 (Star Wars Day)

Hatte ich erwähnt, dass es hier neben dem Stellplatz einen kleinen Teich gibt? Jedenfalls gab es gestern Abend dann noch ein ordentliches Froschkonzert. Ich war aber mal wieder müde genug, um das einfach auszublenden. 

Heute Morgen tröpfelt Regen auf das Wohnmobildach. Da drehe ich mich einfach nochmal um und schlafe noch etwas länger. 

Irgendwann muss ich aber doch aufstehen und gehe zur örtlichen Bäckerei. Doch die hat geschlossen. Zum Glück habe ich ja auch noch ein Restbaguette von gestern. Im Backofen aufgefrischt schmeckt es sogar ziemlich gut. Ich glaube, das geht aber nur mit wirklich handwerklichen Backwaren. 

Gestern habe ich dann noch eine überraschende Entdeckung gemacht und in diesem Zusammenhang auch das Mysterium mit den Tankstellen geklärt. 

Also zum einen gibt es in dieser Woche schon wieder am Freitag einen Feiertag in Frankreich. Am 8. Mai wird das Kriegsende gefeiert. 

Und der Mineralölkonzern Total, der seinen Sprit eigentlich immer besonders teuer verkauft - jedenfalls deutlich teurer als an den Tankstellen der Supermärkte - dieser Konzern hat seine Spritpreise für die Zeit des Irankrieges selber gedeckelt. 

Diesel soll demnach höchstens 2,25 Euro kosten. Damit läge Total im Bereich der Supermarkttankstellen. Aber aus Anlass der beiden Feiertage am 1. und 8. Mai wird der Diesel bei Total überall für 2,09 Euro verkauft. Und auch die anderen Spritsorten sind besonders "günstig" zu haben. 

2,09 Euro war auch der Preis, den ich überall gesehen hatte, mir aber nicht erklären konnte. Rückblickend merke ich natürlich, dass das immer die Total-Tankstellen waren, die ich normalerweise gar nicht beachten würde. 

Aber durch diesen Rabatt wurde in dieser Woche extrem viel Sprit verkauft, so dass viele Total-Tankstellen tatsächlich ausverkauft sind. Das hat aber nichts mit einem Versorgungsengpass zu tun, da die anderen Tankstellen ja noch reichlich Sprit in den unterirdischen Tanks haben. 

Etwas unschlüssig bin ich, wie ich heute weitermachen soll. Fest steht aber für mich, dass ich die kommenden Regentage lieber in der Provence als in den Bergen verbringen werde. 

Ich könnte also einfach hier stehen bleiben. Aber ich glaube, dass ich dafür keine Geduld haben werde. Daher geht es heute Mittag weiter zum Mont Ventoux, wo es hoffentlich auch etwas mehr zu sehen und zu tun gibt. 

Das Navi will mich zunächst über die Autobahn im Rhônetal schicken. Aber ich suche mir lieber eine andere Route. Es geht durch den Randbereich der provencealischen Hügel. Es gibt hier alles, was das typische Bild der Provence so beinhaltet. Also Lavendelfelder, Hänge mit Weinanbau, alte Dörfer in sandigen Farben, hohe Coniferen u. s. w. - nur eins fehlt: Die Sonne in ihrem blauen Himmel. 

Nein, falsch. Es fehlt noch etwas. Nämlich der Mont Ventoux. Normalerweise ist der "Riese der Provence" aus allen Richtungen schon von weitem zu sehen. Aber heute ist er in tiefen Wolken verschwunden. Hoffentlich werde ich wenigstens den Mont Ventoux auf dieser Reise noch zu sehen bekommen, wenn schon nicht den Mont Blanc

Die ganze Landschaft ist klatschnass und es regnet teilweise wie verrückt. Immerhin werden durch die Fahrt im Regen die vielen toten Insekten von Nolwenns Nase abgespült. 

Ich fahre heute bis Malaucène direkt am Fuße des Berges. Hier im Ort beginnt eine der drei Auffahrten auf den mystischen Berg der Tour de France. 

Der Stellplatz ist mal wieder von Camping-Car Park und verblüffend leer. Mir soll es Recht sein. 

7. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
115 Malaucène (1)
SP CCP
15,50 €

Dienstag, 05. Mai 2026

Am Morgen ist es wie verrückt am regnen, so als könnte es kein Ende haben. Auf dem Stellplatz bilden sich sogar schon erste große Pfützen. Mit bleibt gerade nichts anderes übrig, als dem Regen aus dem Womo heraus zuzuschauen. 

Immerhin hatte ich für den Weg zum Bäcker ein kurze Regenpause erwischt. In dem Ort ist so gut wie nichts los. In der Hauptstraße reiht sich ein Fahrradgeschäft und ein Straßencafé an das nächste. Die schicken Räder auf dem Foto kann man übrigens mieten, wenn man sich mal an dem "Riesen der Provence" versuchen möchte. 

Ich beschließe in Anbetracht des Wetters heute einfach hier auf dem Stellplatz zu bleiben. Warum sollte ich auch bei dem Regen woanders hinfahren? 

Doch dann behauptet die Wetter-App auf dem Handy plötzlich, dass es so ab 11 Uhr für zwei oder drei Stunden trocken und sogar etwas sonnig werden soll. In dem Moment, in dem ich das lese, kann ich das absolut nicht glauben. 

Doch dann nimmt der Regen ab und hört schließlich ganz auf. Sollte die Vorhersage stimmen? Ich will das Zeitfenster nutzen und mache mich zum Wandern bereit. Natürlich nur eine kurze Strecke weil die Regenlücke ziemlich kurz aussieht. 

Aber ich breche auf. Endlich mal wieder eine Wanderung. Bisher bin ich ja noch gar nicht so richtig in meinen Urlaubs-Rhythmus gekommen. Vielleicht ist das heute die Gelegenheit zum Einstieg. 

Ich komme an einer alten Kapelle vorbei, wo mir die einzigen anderen Wanderer begegnen. Ich bitte darum, dass jemand aus der Gruppe mal ein Foto von mir macht. Als Beweis sozusagen, dass ich wirklich unterwegs war. Wie findet ihr meinen neuen Wanderhut, den ich mit Tina letztes Jahr in der Bretagne gekauft hatte? :-)

An der Straße wird angezeigt, dass die Fahrt über den Mont Ventoux aktuell gar nicht möglich ist. Der Pass ist gesperrt. Trotzdem ist die Stelle, die den Beginn der Straße darstellt, für das radelnde Publikum markiert. Unterwegs werden die Radfahrer dann mit jedem Kilometer über die aktuellen Höhendaten und Steigungen informiert. 

Nach dem Abbiegen von der Straße auf die Wanderwege gerate ich mitten in eine große Schaf- und Ziegenherde, die dort auch unterwegs ist. 

Die Schafe machen mit keine Sorgen, aber die Böcke schauen bisweilen merkwürdig zu mir herüber. Am meisten Sorgen machen mir aber die Hütehunde. Es sind zwar auch zwei Schafhirten unterwegs, aber die Hunde agieren mehr oder weniger alleine. 

Ich bin schneller unterwegs als die Herde und lasse die Tiere bald hinter mir. Der Weg bleibt gut ausgebaut und leicht zu gehen. Rückblickend hätte es gerne etwas mehr sein dürfen. Aber ich bin happy, dass ich überhaupt mal wieder losgekommen bin. 

Die Wettervorhersage bewahrheitet sich übrigens nicht. Das kurze Zeitfenster dauert den ganzen Nachmittag. Da wäre mehr möglich gewesen. Aber ich will nicht meckern. Immerhin habe ich nach langer, langer Zeit mal wieder 12k Schritte auf dem Zähler. 

Und auch der Stellplatz sieht bei Sonnenschein gleich viel freundlicher aus. 

Am Abend wird der Himmel in Richtung des Mont Ventoux sehr dunkel durch ein sich dort bildendes Gewitter. Mit einer Webcam in 100 km Entfernung, nämlich am Lac de Sainte-Croix, schaue ich mir das Gewitter mal aus der Entfernung an. Hoffentlich zieht es nicht in meine Richtung. 

8. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
0 Malaucène (2)
SP CCP
15,50 €

Mittwoch, 06. Mai 2026

Als ich heute Morgen zum Bäcker gehe, wird in dem breiten Mittelstreifen zwischen all den Straßencafés und Radsportgeschäften der Wochenmarkt aufgebaut. Es werden zwei Doppelreihen mit Marktständen. 

Nach dem Frühstück mache ich daher noch einen Bummel über den Markt. Natürlich bin ich relativ schnell durch, schneller jedenfalls als Tina hier gewesen wäre. Für sie wären so manche interessante Marktstände mit dabei. 

Ich hole mir nur ein halbes Hähnchen, dass ich heute Mittag oder Abend dann im Backofen aufwärmen werde. 

Ansonsten ist alles schnell gepackt und die Ver-/Entsorgung erledigt. Normalerweise würde die Route durch die jetzt gesperrte Hauptstraße des Ortes führen. 

Aber heute ist auf einer parallelen Route das 3,5t-Durchfahrtverbot zugedeckt und ich kann die Sperrung umfahren. 

Ich nehme nicht die üblichen großen Schnellstraßen, sondern fahre an den Flanken des Mont Ventoux und seiner kleinen Nachbarberge entlang. Es ist eine sehr schöne Strecke mit wenig Verkehr, vielen Kurven und schönen Aussichten. Allerdings ohne Aussichtspunkt, wo man mit einem Wohnmobil auch mal anhalten könnte. 

Obwohl es mich die ganze Zeit juckt, einfach auf der Fahrbahn stehen zu bleiben, um Fotos machen zu können, lass ich es aber doch bleiben. So gibt es also nur ein paar Fotos von diesem Teil der Fahrt. 

Mein Ziel ist Sisteron an der Durance gelegen. Durch diesen Ort sind wir schon oft durchgekommen, haben aber nie einen Parkplatz gefunden und mussten immer durchfahren. Aber das will ich heute ändern. 

Ich habe den Hinweis bekommen, dass man ganz oben an der Zitadelle gut parken könnte. Den meisten Leuten ist der Weg von dort oben runter in die Altstadt zu steil und zu weit, so dass man da oben immer einen Platz bekommen kann. 

Leider war das aber nur die halbe Wahrheit. Es gibt nämlich ein offenbar nagelneues Durchfahrtverbotsschild für Wohnmobile. Das war also nichts. 

Ich drehe nochmal eine Runde und sehe den Hinweis auf den Stellplatz "de la Gare", also am Bahnhof. Der Platz liegt tatsächlich zwischen Bahnlinie und Nationalstraße. Er reizt nun wirklich nicht zum Übernachten. Aber ich will ja nur parken. Und tatsächlich gibt es einen Kurzpark-Tarif ohne Übernachtung. 

Vom Platz aus sind es nur rund 500 m in die Innenstadt und man sieht bereits die Festung auf dem linken Berg. 

Das Besondere an Sisteron ist, dass die Stadt direkt an dem großen Durchbruch der Durance durch einen Felsriegel liegt. Auf einer Seite die Stadt mit Festung. Auf der anderen Seite Felsriegel, die durch die Plattentektonik fast in senkrechte Position gedreht wurden. Dazwischen der schmale Durchbruch des Flusses. 

Ich breche auch direkt zu einem Stadtrundgang auf. Es gibt eine Reihe alter Türme der Stadtbefestigung und eine Art Altstadt mit Fußgängerbereichen und vielen Geschäften. 

Außerdem gibt es ein Gallo-Römisches Museum. Der Eintritt ist sogar kostenlos. Hauptthema sind archäologische Funde von römischen Mausoleen, die hier in Sisteron gemacht wurden. Unter anderem wurde in einer Grabkammer das Skelett einer jungen Frau gefunden. 

Ich würde sagen, wenn man sowieso da ist, sollte man sich das Museum ruhig anschauen. Aber man darf nicht zu viel erwarten. Es ist keine umfassende Darstellung des gallisch-römischen Lebens in dieser Region. 

Nach der Besichtigungsrunde geht es dann nur noch zu meinem heutigen Tagesziel, dem Lac de Serre-Ponçon. An diesem Stausee haben Tina und ich schon viel Zeit verbracht. 

Diesmal versuche ich einen Platz auf einem Campingplatz direkt am See zu bekommen. Aber ich brauche mehrere Anläufe, da die meisten Campingplätze noch gar nicht geöffnet haben. Schließlich finde ich aber einen offenen Campingplatz, wo kaum etwas los ist. 

Ich nehme einen der vielen freien Plätze ganz unten am See in der ersten Reihe. Ist zwar drei Euro teurer, aber wenn man schon mal hier ist...

Leider haben sich im oberen Tal der Durance die Wolken so richtig festgefahren und es regnet ganz ordentlich. In der Camping-Rezeption sitzen zwei Frauen in dicken Wintersachen und schauen mich ganz entgeistert an, als ich mit Shorts und T-Shirt da reinkomme. 

Als ich erkläre, dass ich den ganzen Tag über Sonne und überwiegend blauen Himmel hatte, schauen sie mich zweifelnd an. Naja, vielleicht braucht das bessere Wetter hier in den Bergen - und ich bin hier wieder in den Bergen und nicht mehr in der lieblichen Provence - einfach einen Tag länger, um sich auch durchzusetzen. Mal wieder Prinzip Hoffnung!

9. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
195 Savines le Lac
CP La Grand Large
21,96 €

Donnerstag, 07. Mai 2026

Der erste Blick aus meinen Schlafzimmerfenster im Alkoven elektrisiert mich. Das sieht ja mal nach richtig tollem Wetter aus. 

​Zum Aufstehen ist es mir aber trotzdem noch zu früh. Da gebe ich der Landschaft und dem Wetter noch etwas Gelegenheit, sich weiter zu verbessern. Das Prinzip Hoffnung ist in Erfüllung gegangen und später sieht es so aus, als würde Nolwenn an einem norwegischen Fjord stehen. 

Rund 25 km weiter oberhalb am Flusslauf wechselt die Straße die Seite der Durance. Unter der Brücke gibt es eine Kanu-Slalom-Strecke und auf dem Parkplatz nebenan ein Kajak- und Rafting-Wassersportzentrum. Dort will ich heute hin. Ob es möglich ist, mal wieder mit einem Kajak auf der Durance zu paddeln? 

Ich versuche es im Shop. Dort gibt es sogar eine freundliche Dame, die gut Deutsch spricht. Das macht es einiges einfacher, mein Anliegen zu schildern. 

Immerhin ist unsere Kajak-Zeit jetzt über 30 Jahre her und meine körperlichen Voraussetzungen haben sich ziemlich verändert, um nicht zu sagen verschlechtert. 

Die Dame erklärt, dass sie selber keine Touren anbieten, gibt mir aber die Telefonnummern von zwei Guides, die auch in diesem Wassersportzentrum ihre Dienste anbieten. 

Wie es der Zufall will, treffe ich einen dieser Guides draußen. Er erzählt, dass der den Winter in Kolumbien verbracht hat, um die dortigen Kajakflüsse zu befahren. Gestern ist er wieder nach Frankreich zurück gekommen. 

Also muss er heute erstmal seinen im Winter stillgelegten Laden auf Vordermann bringen. Aber morgen können wir eine Tour machen. 

Ich erkläre ihm, dass ich vor 30 Jahren durchaus respektabel kajaken konnte. Ich habe ja sogar noch einige wenige Ausrüstungsteile, die auf ihn wie aus der Zeit gefallen wirken müssen. Und ich finde auf die schnelle ein paar Fotos aus dieser Zeit. Er erkennt auf einem sogar, dass es sich bei der Stelle um die damals berühmte Walze von Chateauroux handelt. 

Wir machen für morgen einen Termin. Erstmal im stehenden Gewässer ein paar Basics und dann auf einen ganz einfachen Abschnitt des Flusses. 

Und ich bekomme auch die Erlaubnis, direkt auf dem Parkplatz des Zentrums zu übernachten. Das passt mir ziemlich gut. 

Aber was mache ich mit dem restlichen Tag? Am besten wieder eine Runde wandern. Aber wie und wo? Ich überlege und recherchiere ein wenig. Völlig ungewöhnlich hat Komoot keine Wanderung ab meinem aktuellen Standort parat. Das habe ich auch noch nicht erlebt. 

Ich beschließe zum Mont Dauphin zu fahren, wiederum nur ein paar Kilometer weiter. Es gibt einen großen Besucherparkplatz an dieser Welterbestätte, wo auch Wohnmobile stehen und sogar übernachten können. 

Hier werden in Komoot verschiedene Wanderungen vorgeschlagen, die mir aber alle nicht zusagen. Also mache ich mir selber meine Wanderung. 

Zunächst will ich ein wenig in dieser alten Vauban-Festung herumlaufen. Dann auf der südlichen Seite in Tal laufen zu einem kleinen See, an dem morgen die Basic-Übungen mit dem Kajak stattfinden könnten. Jedenfalls waren Tina und ich hier auch schon einmal ganz am Anfang unser Kajak-Karriere und haben genau das an dem See gemacht. Damals waren wir auf dem Campingplatz direkt an dem See. Der hat aktuell aber noch geschlossen. 

Jedenfalls würde ich vom See aus dann zur Nordseite des Mont Dauphin wandern und auf dieser Flanke wieder hinaufgehen. 

Ja, und genau so passiert es. Die Strecke ist diesmal schon etwas länger als noch vor zwei Tagen und hat 200 Höhenmeter zuerst runter und dann wieder rauf zu überwinden. 

Nach zwei Stunden Gehzeit bin ich wieder zurück am Wohnmobil. Das war schon besser als noch vor zwei Tagen, aber trotzdem eindeutig genug. 

Nur noch schnell einkaufen im Supermarkt am Fuße des Berges. Und noch ein Abstecher nach Guillestre, wo mich das Stadtbild bis auf den zentralen Platz nicht überzeugen kann. 

Danach geht es zurück zum Wassersportzentrum und ich suche mir eine Stelle, wo Nolwenn so steht, dass ich keine Unterlegkeile rausholen muss. 

10. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
47 St-Clement sur Durance
P Kajak-Zentrum
0 €

Freitag, 08. Mai 2026 (Feiertag zum Kriegsende in Frankreich)

Was für eine Nacht! Kaum im Bett fing gestern Abend ein Geräusch an, das sich zunächst wie eine quietschende Kinderschaukel anhörte. Immer hin und her. Ohne Unterbrechung. 

Irgendwann dachte ich dann, dass niemand so lange und ausdauernd schaukeln würde. Vielleicht eine Alarmanlage aus dem Wassersportzentrum. Aber nein, die letzten Leute dort waren ganz entspannt. (Sie wollten ja auch nicht auf dem dortigen Parkplatz schlafen.) 

Dann auf einmal entfernt sich das Geräusch und kommt auch aus einer anderen Richtung, dann plötzlich wieder viel näher und lauter. Also genau weiß ich es immer noch nicht, aber ich habe einige Papageien im Verdacht, die dort am Tag umhergeflattert waren. Anscheinend hat einer von ihnen dieses tolle Geräusch gelernt und spielt es abends und in der Nacht permanent ab. 

Zum Glück entfernte sich das Tier dann etwas, und das nur noch leise Geräusch konnte ich einfach überhören und trotzdem schlafen. 

Am Morgen fühle ich mich nicht ganz so ausgeschlafen wie sonst. Und ein Blick zum Himmel zeigt, dass es ziemlich bedeckt ist. Da kommen mir doch Zweifel an meinem Vorhaben mit dem Kajakfahren. 

Aber es ist noch früh. Als dann endlich die Sonne über den Berg kommt, hat sie schon eine gewisse Kraft und kann den Hochnebel ein wenig auflösen. Aber so schön wie gestern wird es den ganzen Tag über nicht. 

​Mein Guide trifft früh mit einem Kollegen an seinem Lager ein und hat viel zu sortieren und zu räumen. Unter anderem holt er auch schon einmal die Sachen für meine heutige Fahrt heraus und legt sie bereit. Da kann ich doch wegen etwas Bewölkung nicht absagen!

Ich beginne jetzt ebenfalls in meinen alten Sachen zu kramen, die ich unter anderem auch für SUP und Windsurfen dabei habe. Am besten passe ich immer noch in meine uralte (fast 40 Jahre alt) Neoprenhose rein. Die war damals extra für das Kajakfahren geschneidert worden und hat deshalb Verstärkungen an den richtigen Stellen. 

Ich sehe zwar aus wie eine Wurstpelle kurz vor dem Platzen, aber es funktioniert. Zum Glück war mir die Hose früher immer ein wenig zu groß. Da habe ich heute, wo sie viel zu eng ist, doch etwas mehr Reserve. 

Als alles gepackt ist, fahren wir zu zweit zu dem kleinen See, an dem ich gestern vorbei gewandert bin. Ich sollte eigentlich das blaue Boot bekommen, aber die Einstiegsluke ist mir im Beinbereich zu eng und ich habe Sorge, dass ich im Falle einer Kenterung die Beine dort nicht schnell genug herausbekomme. 

Das gelbe Boot hat etwas mehr Platz, und so nehme ich also dieses. Als erstes will ich aber, nachdem ich die Ausrüstung angelegt habe, in das kalte Wasser, um mich an die Temperatur zu gewöhnen. Man sagt ja auch, dass der Neopren besser wärmt, wenn er von innen nass ist. 

Das Wasser hat angeblich eine Temperatur von nur 10 Grad und fühlt sich wirklich so richtig kalt an. Aber es hilft ja nichts, ich muss ganz rein und dabei auch kurz untertauchen. 

Danach geht es ins Boot. Ein paar Paddelschläge später merke ich, dass sich das Boot sehr gut beherrschen lässt. Und auch mein Guide bestärkt mich und meint, man würde sehen, dass ich das schon mal gemacht habe. Ich nehme das mal als die Wahrheit, die er nicht jedem Anfänger erzählt und freue mich. 

Dann kommt für mich der schwierigste Teil. Ich will einmal kentern und das Boot verlassen. Natürlich mit Absicherung, falls es nicht klappt. Trotzdem brauche ich ein paar Sekunden, bis ich mich endlich überwinden kann, ins Wasser zu kippen. 

Aber das Verlassen des Bootes klappt richtig gut. Ich freue mich so, dass ich einen Urschrei ausstoßen muss. Jetzt ist der Rest kein Problem mehr. Nach einer Gewöhnungsrunde auf dem See wechseln wir auf den Fluss. 

Ich bin happy. Natürlich bin ich insgesamt nicht mehr so geschmeidig und reaktionsschnell wie vor 30 Jahren, aber wie man paddelt, das habe ich nicht verlernt. Ganz tief aus meinem Unterbewusstsein funktionieren die Gewichtsverlagerung und das Stützen mit dem Paddel auf dem Wasser. Und wenn das funktioniert, ist auch das Steuern des Kajaks kein Problem mehr. 

Und so beginnt eine kurze und kurzweilige Tour auf der Durance, die uns zum Wassersportzentrum zurück führt. Das war jetzt nicht besonders lang, aber es hat viel Spaß gemacht und ich habe genug Eindrücke gesammelt, so dass ich zufrieden und glücklich für heute aufhören kann. 

Am frühen Nachmittag bin ich dann auch schon wieder mit Nolwenn unterwegs. Am Lac de Serre-Ponçon lacht die Sonne und der See bietet ein so schönes Bild, dass ich eine kleine Pause einlege. 

Allzuweit fahre ich heute nicht mehr. Dafür liegt der Stellplatz diesmal aber am AdW und irgendwie mitten in den Bergen. Ich habe heute nichts mehr vor und mir kommt die Ruhe hier entgegen. 

Fun Fakt: Trotz AdW habe ich hier Empfang für das bisher beste 5G Netz in diesem Urlaub. 

11. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
86 Saint-Firmin
SP CCP
14,97 €

Samstag, 09. Mai 2026

Nachdem ich gestern den kleinen Ort durchquert hatte, bin ich noch rund 2,5 km gefahren und dachte daher, dass ich weit außerhalb sein würde. Aber als ich genau nachgeschaut habe, war festzustellen, dass ich irgendwie nur eine große Schleife gefahren war. 

Der Ort mit seiner kleinen Bäckerei liegt nur 800 m entfernt. Der Tag beginnt daher mit einem kleinen Spaziergang. Morgens um Acht ist die Luft noch besonders klar und die Sonne taucht alles in warme Farben. 

Nicht allzu weit entfernt gibt es den Bahnhof Gare de La Mure. Von hier fährt Le petit Train de La Mure zu einem Aussichtspunkt über dem Tal des Flusses Drac

Mir gefällt das Foto, auf dem der knallrote Zug eines der Viadukte der Strecke überfährt. Ich fahre einfach zum Bahnhof und schaue mir die Sache an. 

Leider ist es so, dass man von diesem Anblick nichts hat, wenn man im Zug selber sitzt. Das gleiche Problem wie bei dem Harry-Potter-Zug am Glenfinnan-Viadukt in Schottland. 

Ich würde lieber die Aussicht auf den Zug genießen, als in selbigem zu sitzen. Zumal hier für den kleinen Zug ein riesiger Andrang herrscht. 

Ich parke also am Bahnhof und lade das Fahrrad ab. Es läuft nämlich eine Straße fast parallel zur Bahnstrecke. Nur das die Bahnstrecke die Höhenunterschiede teilweise mit großen Schleifen bewältigt, während die Straße dagegen viel steiler läuft. 

Bei der Planung der Tour hatte ich aber vollkommen übersehen, dass der Aussichtspunkt viel tiefer liegt als der Bahnhof. Das Wort "Aussichtspunkt" hatte mich automatisch dazu verleitet anzunehmen, dass die Strecke bergauf und nicht bergab führen würde. 

Mein Plan war es, so lange auf dieser Strecke bergauf zu fahren, bis der Akku des Fahrrades fast leer ist. Und dann umzudrehen und mit der Restladung bergabwärts mehr oder weniger zum Bahnhof zurück zu rollen. 

Nach den ersten supersteilen Passagen bergab und gefühlt glühenden Bremsen, gebe ich mein Unterfangen auf und drehe um. Das hat leider nicht geklappt. Aber immerhin habe ich mich ein wenig bewegt. Und ich habe eine eine schöne Landschaft genossen. Das ist doch auch etwas. 

Unter anderem blickt man von der Strecke aus auch auf den Vercors. Und da meine weitere Route sowieso zwangsläufig über Grenoble führen muss, komme ich auf die Idee, einfach noch einmal auf den Vercors zu fahren. Aber natürlich nur über die gute und breite Straße, wo ich dann auch wieder hinunter fahren werde. 

Der Stellplatz ist ein großer Schotterplatz etwas außerhalb vom Ort und Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Outdoor Sportarten. Er bietet außer der Parkmöglichkeit nichts, aber ist dafür kostenlos und auch legal zu nutzen. 

12. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
103 Lans-en-Vercors
P Route de l'Aigle
0 €

Sonntag, 10. Mai 2026

Die ganze Nacht hindurch und auch heute Morgen noch ist es am regnen. Auf 1.000 m Höhe ist das jetzt nicht so schön, da es auch noch ziemlich kalt dazu ist. 

Daher nehme ich mir vor, heute wieder in tiefere Gegenden zu wechseln. Damit ist dann auch mein zweiter Versuch im Vercors gescheitert. 

An diesem Wochenende gibt es wieder bei Total den Diesel für 2,09 €. In der Folge sind viele Tankstellen inzwischen ausverkauft. 

• Screenshot meiner Tank-App (schon von gestern Abend)

Am Fuße der Passstraße kurz vor Grenoble gibt es jedoch noch eine Total-Station, an der ich den günstigeren Diesel bekommen kann. Damit werde ich auf der Heimreise zwar nicht ganz bis nach Luxemburg kommen, aber es fehlt nicht viel und ich werde vermutlich nur noch einmal eine kleinere Menge nachtanken müssen. 

Ich fahre heute bis Albertville, bekannt als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1992. Über die ACSI-App finde ich den Campingplatz, der aktuell in der Vorsaison den Rabatt anbietet. Und ein Campingplatz muss es endlich mal wieder sein, damit ich mal wieder so richtig duschen kann und nicht nur ultrakurz im Wohnmobil. 

Albertville selber ist eine relativ junge Stadt am Zusammenfluss zweier größerer Flüsse, der Isère und des Arly, ohne richtige Altstadt. Eine solche liegt dafür auf einem Hügel über der Stadt, quasi direkt neben dem Campingplatz.

Es handelt sich um das alte Dorf Conflans, das ursprünglich mit Albertville nichts am Hut hatte, mittlerweile aber von dem Stadtgebiet "gefressen" wurde. 

Der Regen hat mittlerweile etwas nachgelassen, bzw. sogar aufgehört. Daher mache ich mich auf den Fußweg nach oben in diese Altstadt. Unterwegs reißen die Wolken auf und die Sonne knallt. Ich bin viel zu warm angezogen und auch den Regenschirm hätte ich mir sparen können.

Es ist eine schöne Altstadt, die man sich durchaus mal anschauen kann. 

Von den Aussichtspunkten mit Park kann man weit in beide Flusstäler schauen. Lediglich die schneebedeckten Berge im Hintergrund stecken in den Wolken, so dass irgendwie etwas als "Rahmen" fehlt. 

Auf dem Rückweg biege ich dann auch noch in das neue Stadtzentrum von Albertville in der Unterstadt ab. Es ist wirklich nur ein ganz enger Bereich, der irgendwie fotografierwürdig hervorsticht. 

13. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
135 Albertville
CP Les Adoubes
17,20 €

Montag, 11. Mai 2026

Die ganze Nacht hat es ordentlich geregnet. Der Wiesenboden ist aufgeweicht und ich bin froh, dass ich mich gestern extra so hingestellt habe, dass ich mit Schwung von den Keilen direkt bis auf den Fahrweg rollen kann. 

Das Nachbar-Wohnmobil hatte das jedenfalls nicht berücksichtigt und längere Zeit gebraucht, um die Wiese wieder zu verlassen. Aber sie haben es geschafft und ich brauchte mein Abschleppseil nicht rausholen. 

Montags haben hier alle Bäckereien ihren Ruhetag. Es gibt also Aufbackbrötchen zum Frühstück. 

Online bekomme ich zwei gegensätzliche Auskünfte zum Wetter. Die eine App meint, dass es noch mindestens 24 Stunden weiterregnen wird. Auf der anderen wird für morgen den ganzen Tag wolkenloser Himmel und Sonnenschein angezeigt. Ich beschließe mich optimistisch an die gute Vorhersage von Meteo France zu halten. 

• Meteo France für Dienstag, 12. Mai

Am Freitag hatte ich noch einen kurzen Zwischenstopp im Decathlon von Gap eingelegt und drei T-Shirts in meiner normalen Größe gekauft. Allerdings ohne sie anprobiert zu haben. 

Im Auto stellte ich dann fest, dass sie eindeutig zu klein waren. Daher führt mich heute nach dem Wochenende mein erster Weg in den Decathlon von Albertville. Er ist zwar deutlich kleiner als der in Gap, aber der Umtausch klappt hier auch. Das ist der Vorteil einer Ladenkette. 

Die Auswahl ist hier aber nicht so groß und ich finde nicht alle drei T-Shirt Modelle wieder, sondern nehme nur ein Shirt, jetzt eine Nummer größer mit. 

Dann geht es über Ugine, Flumet und Megève nach St-Gervais-les-Bains, das bereits im Tal von Chamonix unterhalb des Mont Blanc liegt. Die Zahnradbahn Tramway de Mont Blanc ist wie bei unserem letzten Besuch hier aktuell nicht in Betrieb. 

Schon auf der Passstraße hierher bin ich in den Wolken gefahren, wobei es in der Schlucht des Flusses Arly schon beeindruckend aussah. Durch den Regen führt der Fluss sehr viel Wasser, das durch die enge Schlucht und über viele Felsen nach unten rauscht. 

​In St-Gervais gehe ich nochmal schnell für's Essen einkaufen. Vom Parkplatz des Supermarktes blicke ich nach oben auf die Bergflanke, deren oberer Teil in dicken Wolken verschwunden ist. 

Dort oben will ich heute hinauf und übernachten. Die Plaine Joux liegt auf 1.350 m und gegenüber vom Mont Blanc. Im Tal dazwischen liegt Chamonix. Bei schönem Wetter soll man von hier aus direkt auf Westeuropas höchsten Berg schauen können. Und "schönes Wetter"? Da war doch etwas für morgen angesagt! 

Als ich den Berg hinauf fahre befinde ich so ab 1.000 m Höhe in den Wolken. Ist aber nicht so schlimm, wie ich mir den Nebel hier oben vorgestellt hatte. 

Ich belege eine Parklücke auf dem Wohnmobil-Stellplatz hier oben und warte einfach ab, was passiert. Geplant habe ich nichts mehr für heute. Außer etwas Leckeres zu Essen zu machen. Und zu beobachten, wie sich die Wolken entwickeln. 

Im Moment, wo ich dies schreibe, steigen sie auf jeden Fall. Vom Mont Blanc ist noch lange nichts zu sehen, aber ich stehe auch nicht mehr im Nebel. 

Der Mont Blanc ist 4.810 m hoch. Von meinem Standort mit 1.350 m fehlt also noch ein ganzes Stück bis zur Höhe des Gipfels. Mehr als eine Zugspitze hoch ist! 

Warum hatte ich übrigens geschrieben, dass der Mont Blanc der höchste Berg West-Europas ist? In letzter Zeit ist ein Streit entbrannt, wo genau die Grenze zwischen Europa und Asien zu ziehen ist. Das alte Schulwissen vom Ural-Gebirge wird heutzutage in Frage gestellt. 

Auf diese Weise kommt der Elbrus mit seinen 5.642 m im russischen Kaukasus ins Spiel. Der hatte noch nie eine Rolle gespielt, aber man kann sich gut vorstellen, dass das russische Regime es gut ausnutzen möchte, den höchsten Berg Europas zu beheimaten. Also definiert man einfach die Eurasische Grenze neu, und fertig. 

Bei Wikipedia wird das natürlich viel besser erklärt. 

Der Parkplatz hier ist eigentlich nicht umsonst. Aber die Kasse ist geschlossen und ich weiß gerade nicht, ob noch jemand erscheinen wird, um die Parkgebühren zu kassieren. Ich warte einfach ab. 

Erfreulicherweise lockern die Wolken im Laufe des Nachmittags mal mehr, mal weniger auf. Auf jeden Fall steigen sie so weit auf, dass am Stellplatz kein Nebel mehr ist. 

Und immer mehr wird der Blick auf die gegenüberliegende Wand des Mont-Blanc-Massivs frei gegeben. Zwischendurch erhasche ich sogar ein kurzen Blick durch eine Wolkenlücke auf den Gipfel des Berges. Und auch die Aiguille du Midi ist gut zu erkennen. 

Zum Glück habe ich auch mein Fernglas dabei und kann mir die Berge damit noch näher holen. 

Vom Startplatz der Gleitschirmflieger, der an der Talkante zum Tal von Chamonix liegt, hat man einen tollen Blick in das Tal. 

Letztendlich ist das aber alles nichts im Vergleich zu dem Ausblick, den ich mir für morgen erhoffe, wenn der Wetterbericht hält, was er verspricht. 

14. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
75 Plaine-Joux
SP Großparkplatz
0 €

Dienstag, 12. Mai 2026

Um Viertel vor Sieben kommt der erste Linienbus den Berg hochgefahren. Die Busse fahren danach zunächst im Viertelstunden-Takt. Natürlich sind die Busse leer, wenn sie hier oben ankommen. Aber hier ist der Wendeplatz und auf dem Rückweg ins Tal werden sie wohl etliche Fahrgäste zur Arbeit und in die Schulen mitnehmen. 

Der erste der Busse war in der dichten Nebelsuppe kaum zu sehen. Nur dank seiner Beleuchtung konnte man ahnen, dass da nur ein paar Meter weiter ein Bus stand. 

Kurz vor Acht reißt der Nebel dann aber ein erstes Mal ein wenig auf. Etwas Sonne ist zu sehen und kurz auch mal das gegenüber liegende Massiv des Mont Blanc

Bald treffen auch die ersten Gleitschirmflieger ein. Sie haben wohl auch von dem schönen Wetter gehört und wollen die Gelegenheit für einen tollen Flugtag nutzen. 

​Mir wird schon beim Anblick der Startrampe leicht schwindelig. Aber die Flieger springen bzw. gleiten hier ins Nichts. 

​Der Vormittag vergeht damit, dass immer wieder Wolken aus dem Tal heraufziehen. Der Mont Blanc streckt immer wieder den Kopf aus den Wolken und zeigt sich in der Sonne, aber der Hüftbereich bleibt in Wolken. Daher bekomme ich das ganze Massiv nicht in einem wolkenfrei aufs Foto. 

Gegen Mittag reise ich dann aber ab. Jedoch nicht, ohne von Nolwenn und dem Berg noch ein Foto gemacht zu haben. 

Ich habe unterwegs noch ein paar Dinge zu erledigen. Zum einen etwas einkaufen. Dann muss nochmal getankt werden, so dass ich ohne weitere Zwischentankung bis nach Luxemburg komme. Und ich muss neues Wasser auffüllen und dabei entsorgen. Aber alles liegt an der Strecke und kostet keine Umwege. 

Im Prinzip beginne ich heute die Rückfahrt, die noch bis Freitag dauern soll. Für heute habe ich mir zum Ziel gesetzt, nochmal in den Jura zu fahren. 

Ich muss wieder umständlich die Schweiz umfahren, damit ich nicht für diese eine Durchfahrt den Wegzoll einer ganzen Woche bezahlen muss. 

Am Col de la Faucille könnte ich übernachten. Aber hier oben sieht es gerade ziemlich trostlos aus. Und ich wäre wieder auf über 1.300 m Höhe. 

Ein Stückchen weiter gibt es einen weiteren Wintersport-Parkplatz, der gerade ungenutzt daliegt. Er hat ausgewiesene Stellplätze für Wohnmobile. Hier bin ich zwar immer noch auf 1.200 m Höhe, aber das ist doch schon etwas weniger. 

Von diesem Parkplatz startet der Wanderweg zum Gipfel La Dôle mit seiner markanten Radarkugel. Dieser Berg liegt übrigens schon in der Schweiz. Die Grenze liegt praktisch direkt neben der Straße. 

Wenn das Wetter morgen Vormittag so schön bleibt, wie es das gerade heute Nachmittag ist, könnte ich mir vorstellen, noch eine kurze Wanderung zum Gipfelgrat zu unternehmen, um nochmal auf den Genfer See zu blicken. 

15. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
168 Les Rousses
SP Großparkplatz
0 €

Mittwoch, 13. Mai 2026

Als ich wach werde und einen ersten Blick aus dem Fenster werfe, zeigt sich blauer Himmel und die Sonne strahlt die Bergspitzen an. Das sieht nach einem wunderbaren Wandertag aus. 

Aber schon während des Frühstücks werden die Wolken immer mehr. Als ich gegen 9 Uhr aufbreche, haben die Wolken bereits die Mehrheit am Himmel und im Laufe der Wanderung zieht es dann komplett zu. Aber noch bleibt es trocken. 

In der Nacht war die Temperatur auf nur noch 1 Grad gefallen. Die 1.200 m Höhe machen sich da halt bemerkbar. Beim Start der Tour bin ich zunächst zu dünn angezogen, wie ich schnell merke. Ich drehe nochmal um und ziehe mich wärmer an. 

Und auch Nolwenn bekommt nochmal einen anderen Parkplatz, näher am Einstieg der eigentlichen Route. Ansonsten hätte ich zwei Kilometer über die Straße laufen müssen. So geht es direkt vom Parkplatz auf den Wanderweg. 

Wenige Meter nach dem Start verlasse ich Frankreich und befinde mich in der Schweiz. Die Grenze wird durch eine lange Steinmauer gekennzeichnet. Falls es hier mal Hinweisschilder gab, sind die sicherlich schon lange geklaut. 

Der Weg führt steil bergauf. Und zwar immer parallel zu einem Skilift, der heute natürlich außer Betrieb ist. Erst fast ganz oben verlässt der Weg die gerade Linie des Liftes. 

Dafür gibt es hier oben auch noch den einen oder anderen Schneerest neben dem Weg. Aber der Weg selber ist schneefrei. Die Passhöhe des Col de Porte liegt 1.557 m hoch. 

Eigentlich bin ich heute nur hier hinauf, um nochmal vom Jurakamm aus einen Blick zurück zum Genfer See und zu den Alpen zu werfen. Leider gibt es mittlerweile so gut wie gar keine Sonne mehr und der See ist ziemlich farblos. Die Berge sind sogar komplett in den Wolken verschwunden. 

Hier oben pfeift ein ordentlich kalter Wind und ich halte mich nicht lange auf, sondern gehe bald wieder zurück, wobei ich den Weg nehme, den ich auch hinauf gegangen bin. 

Beim Abstieg kommt von links eine Gemse (oder was auch immer für ein gehörntes Tier das war) aus dem Dickicht. Sie stört sich absolut nicht daran, dass ich gerade auf sie zu gehe. Anscheinend hat sie sofort erkannt, dass ich sowieso keine Chance hätte, sie zu ereilen. ☺️

Vielleicht hat sie auch nur gelernt, dass da wo die Menschen rumlaufen, sich die Wölfe nicht hin trauen. 😁

Zurück bei Nolwenn nehme ich erst nochmal eine Kurzdusche und die Wandersachen kommen diesmal direkt in die Schmutzwäsche, da ich sie in diesem Urlaub nicht mehr brauchen werde. 

​Gegen 12 Uhr bin ich soweit, dass ich losfahren kann. Heute soll es noch bis nach Nancy gehen. Wieder nehme ich die mautfreie Variante. Die Route verläuft hauptsächlich über die N57, die auch in dieser Richtung sehr gut zu fahren ist. 

Auf dem bekannten Durchgangs-Campingplatz bekomme ich problemlos einen Platz und lasse den Tag ausklingen. Das für morgen bestellte Baquette kann ich erst ab 9 Uhr abholen. Da habe ich reichlich Zeit, um vor dem Frühstück nochmal richtig Duschen zu gehen. 

16. Nacht

Gefahrene Kilometer Tagesziel
323 Nancy
CP Le Brabois
18,10 €

Donnerstag, 14. Mai 2026

Die Nacht in Nancy war nass und kalt. Irgendwie macht es gerade keinen Sinn, noch einen weiteren Tag dranzuhängen. Schließlich sind wir bisher auch immer locker in einem halben Tag von Nancy bis nach Hause gekommen. 

Was zu tun bleibt, ist aber eine kurze Vorbesichtigung des Campingplatzes in Echternacherbrück, wo wir im August nochmal einige Tage mit Familiencamping, inklusive der Enkel, verbringen wollen. 

​Da heute Nacht die erste Gasflasche leer wurde, kann ich jetzt auch direkt wieder Autogas nachfüllen. Außerdem sollte die Tankstelle, die natürlich in Luxemburg, konkret in Echternach, liegen muss, über Diesel und AdBlue verfügen. Denn alle drei Sorten muss ich jetzt noch auffüllen. 

Nur eine Tankstelle in Echternach erfüllt alle drei Kriterien. Die programmiere ich jetzt im Navi und fahre nach dem Frühstück los. 

Die Füllstandsanzeige der leeren Flasche zeigt tatsächlich brav den roten Bereich an. Und ich bleibe dabei, dass mir diese analoge Anzeige im Gaskasten ausreicht. Da brauche ich keine Abfrage über Handy-App. 

Alle drei Sorten sind in Echternach schnell wieder aufgefüllt. Diesel und Autogas sind "luxemburgisch" günstig. AdBlue erscheint mir dagegen unverschämt teuer zu sein. 

Dann fahre ich schnell rüber auf die andere Seite der Sauer. Die Wartespuren zur Einfahrt in den Campingplatz sind ziemlich voll, aber ich stelle mich zunächst am Rand mit dazu. 

Dann laufe ich schnell auf den Platz und finde den von uns reservierten Platz. Er ist wirklich so schön groß, wie er auf dem Platzplan aussah. Da werden wir wie geplant alles unterbringen. 

Zurück am Womo räume ich die Wartespur. Zum Glück musste niemand wegen meiner Abwesenheit extra warten. 

Die Strecke nach Hause ist gut zu fahren. Durch den heutigen Feiertag sind so gut wie keine Lkw unterwegs und auch auf den Bundesstraßen geht es flüssig voran. Gut zwei Stunden später bin ich dann wieder zu Hause. 

Gefahrene Kilometer Tagesziel
346 nach Hause
2674 Gesamtkilometer