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20150521 122300bDonnerstag, 14.05.2015 (Himmelfahrt) - Nach einem halben Jahr Reisepause geht es heute endlich mal wieder mit Emil auf Tour. Dass es so lange bis zu unserer ersten Tour 2015 dauern würde, hätten wir uns so auch nicht träumen lassen. Doch nun ist es endlich wieder soweit. Wir haben uns entschlossen, dass wir nochmal nach Südtirol fahren. 2011 war dies unser erstes weiteres Reiseziel mit dem damals noch neuen Emil.

Damals waren wir mit 11 Übernachtungen aber nur relativ kurze Zeit unterwegs, so dass wir viele schöne Ecken Südtirols ausgelassen hatten. Das wollen wir nun nachholen.

Wir starten nicht, wie sonst am Vorabend des ersten freien Tages, sondern wirklich erst am Donnerstag - dafür aber schon früh gegen 6:30 Uhr.

Am Anfang ist die Autobahn natürlich noch sehr leer. Doch je später es wird, desto voller wird es.

Als Route haben wir uns die A3 und dann ab Würzburg die A7 vorgenommen. Das ist zwar nicht die kürzeste Verbindung, aber wir umfahren das Chaos auf der A8, die zwischen Karlsruhe und Ulm praktisch nur noch aus Großbaustellen besteht. Im letzten Jahr hatten wir das zweifelhafte Vergnügen dort einige Stunden zu verbringen.

Wir kommen gut durch und nehmen die Brennerautobahn, um nach Südtirol zu fahren. Da wir diesmal keine Vignette für Österreich haben, müssen wir uns im Inntal zunächst die Strecke über Landstraßen nach Innsbruck suchen. Merkwürdigerweise gibt es so gut wie keine Hinweisschilder auf die B171 und den unbedeutenden Ort Innsbruck. Alle Hinweisschilder führen immer nur auf die Autobahn, wo natürlich die ASFINAG schon auf Touristen ohne Vignette lauert.

Wir finden den Weg aber trotzdem. Für die Brennerautobahn selber braucht man keine Vignette, weil die Autobahn als Sondermautstrecke gilt. Doch man muss quer durch Innsbruck, um an die Auffahrt auf die A13 zu gelangen, wo dann tatsächlich keine Vignettenpflicht mehr herrscht. Die Hinweisschilder dagegen weisen zunächst alle auf die „A12/A13 Brenner“, wo die Streifen der ASFINAG schon wie die Haie kreisen.

An der Mautstation zahlen wir dann neun Euro für den Österreichischen Teil der Brennerautobahn. Wegen des Feiertags ist die Autobahn nahezu Lkw-frei, so dass man relativ entspannt fahren kann.

In Italien ist Himmelfahrt zwar kein Feiertag, aber die meisten Lkw stehen trotzdem, weil sie in Österreich sowieso nicht weiterkommen. Dadurch wird die Abfahrt vom Brenner auch recht entspannt, obwohl die Autobahn recht eng und kurvig ist.

Das Außenthermometer klettert von 17 Grad am Brenner auf bis zu 28 Grad in Bozen. Wir fahren noch ein kleines Stück weiter bis zum Kalterer See. Hier hatten wir vor vier Jahren den Urlaub abgebrochen, weil mir ein Schneidezahn abgebrochen war.

Es ist wieder sehr voll an diesem Abend. Der Stellplatz ist überfüllt, der Campingplatz ausgebucht. Wir stellen uns auf einen der Notplätze vor dem Campinggelände, im Prinzip nur ein einfacher Parkplatz. 25 Euro sind ziemlich happig, aber dafür gehen wir noch ausgiebig duschen.

Immerhin, in 10 Stunden reiner Fahrzeit haben wir die 881 km gemeistert. Für unsere Verhältnisse ist das ein sehr guter Schnitt, auch wenn wir nun ganz schön müde sind.

Von Süden ziehen Wolken herein und es sieht sehr nach Gewitter aus. Radio Südtirol bestätigt unsere Erwartung. In der Nacht soll es Gewitter geben und auch morgen soll es weiterregnen. Spätestens für Samstag ist dann aber wieder gutes Wetter angesagt.

201505141. Nacht
Camping Gretl am See
Notstellplätze vor dem Camping
223 m NN
Tageskilometer: 881

 

 

Freitag, 15.05.2015 - Wie angekündigt hat es in der Nacht ordentlich gewittert und am Morgen regnet es immer noch teilweise recht heftig. Viele Reisemobilbesatzungen nehmen das zum Anlass, um abzureisen.

Wir stellen uns daher nun auf einen frei gewordenen Stellplatz des Wohnmobilstellplatzes. Vor vier Jahren kostete die Übernachtung hier 15 Euro, was auch nicht billig aber doch etwas angemessener ist als die Preisvorstellung des Campingplatzbetreibers.

suedtirol gardasee toskana 1 20150610 1955158619Nach dem gestrigen Tag auf der Autobahn gönnen wir uns heute also einen ersten Bummeltag im Mobil. Und wer weiß, möglicherweise reißen die Wolken ja wirklich schon am Nachmittag wieder auf und wir können noch etwas unternehmen.

Mittags machen wir dann einen Spaziergang an die gegenüberliegende Seeseite. Die Wolkendecke ist immer noch geschlossen und die Wolken hängen tief. Und immer noch gibt es kleine Regenschauern, aber der Dauerregen ist immerhin schon vorbei.

Am Nachmittag sieht es im Süden so aus, als würde sich vielleicht doch mal eine Lücke in den Wolken auftun. Als der Stellplatzbetreiber zum Kassieren kommt, buchen wir aber trotzdem nur eine Übernachtung, weil wir dem Wetter immer noch nicht so richtig trauen. Falls uns morgen gutes Wetter zum Bleiben einladen sollte, können wir immer noch verlängern.

201505152. Nacht
Kalterer See
Reisemobil-Stellplatz
223 m NN
Tageskilometer: 0

 

Samstag, 16.05.2015 - Tatsächlich, am Morgen werden wir von Sonnenstrahlen und blauem Himmel geweckt. Wir setzen uns zum Frühstück nach draußen und lassen den Tag gemütlich beginnen.

suedtirol gardasee toskana 8 20150610 1791653573Während Tina den Tag gemütlich fortsetzt, mache ich mich zu einer kleinen Wanderung auf. Es geht zur Lichtenburg, der Burgruine auf dem kleinen Bergrücken auf der anderen Seeseite. Laut Karte beträgt der Höhenunterschied vom Stellplatz zur Burgruine rund 350m. Das verspricht eine gute Aussicht ins Tal. Vor allem wo der Bergrücken doch das Tal des Kalterer Sees vom Tal der Etsch trennt.

Der Anstieg ist teilweise anstrengend aber nicht besonders schwer. Auch die Beschilderung ist immer eindeutig, so dass ich gut voran komme. Trotzdem bin ich letztlich nass geschwitzt als ich oben ankomme.

suedtirol gardasee toskana 13 20150610 1644849983Es gibt keine Aussichtsplattform oder etwas in der Art, sondern wirklich nur die Ruine, wo man eben selber rumklettern und nach seinem bevorzugten Aussichtspunkt suchen muss. Auf jeden Fall kann man von hier oben gleichzeitg zum Kalterer See und auf die Etsch runterschauen.

Nach einer angemessenen Pause breche ich wieder auf und mache mich auf den Rückweg. Nach insgesamt rund zweieinhalb Stunden bin ich wieder auf dem Stellplatz. Und auch wenn das jetzt keine große Wanderung war, hat sich der Ausblick schon gelohnt.

Am Nachmittag drehen wir dann noch mit den Fahrrädern eine Runde um den See. Für Tina ist diese Runde auch schon lang genug. Da wir in letzter Zeit so wenig mit den Rädern gefahren sind, müssen wir uns erst mal wieder an das Sitzen im Sattel gewöhnen.

201505163. Nacht
Kalterer See
Reisemobil-Stellplatz
223 m NN
Tageskilometer: 0

 

Sonntag, 17.05.2015 - Heute wollen wir uns nochmal mit den Rädern auf den Weg machen. Es soll einmal runter ins Etschtal gehen, dann dem Etsch-Radweg entlang bis nach Bozen und schließlich über Eppan und Kaltern zurück zum Kalterer See.

Hört sich einfach an, hat aber so seine Tücken. Tina merkt bereits nach den ersten Kilometern, dass das Sitzen auf ihrem Rad sehr schmerzhaft ist und entschließt sich schweren Herzens zum Umkehr.

Bei mir fühlt sich das Sitzen im Sattel (noch) besser an und ich fahre weiter. Schnell erreiche ich den Etschtal-Radweg und fahre Richtung Bozen. Es sind jede Menge andere Radfahrer unterwegs, die alle den gut ausgebauten Radweg genießen. Ich komme zügig voran, da es auch kaum lohnende Fotostopps gibt.

Interessiert hätte mich das an der Strecke liegende Fahrsicherheitszentrum. Gestern, so erzählte ein Stellplatznachbar, gab es hier wohl Fahrversuche mit Lkw unter simulierten Extrembedingungen, doch heute am Sonntag ist gar nichts los.

Kurz hinter Bozen geht es dann auf die Strecke nach Eppan. Während die Strecke bisher flach war, gilt es nun einen Höhenunterschied von rund 300 m zu überwinden. Die Strecke wird auf einer alten Eisenbahnstrecke geführt. Die Steigung soll gleichmäßig und relativ angenehm sein.

suedtirol gardasee toskana 29 20150610 1703944659Doch ich bin wirklich nicht mehr in Form für Ausdauersportarten. Mir kommt die alte Bahntrasse eher wie die Trasse einer Zahnradbahn vor. Außerdem tut auch mir mittlerweile der Hintern so weh, dass ich kaum noch im Sattel sitzen kann. Beides zusammen machen die Fahrt zu einer kleinen Quälerei auch wenn es unterwegs schöne Aussichtspunkte und sogar zwei alte Bahntunnel zu durchfahren gibt.

Oben angekommen fühle ich mich so schlapp, dass meine persönliche Diagnose sofort auf Hungerast lautet. Das Flachstück Richtung Kaltern schleiche ich nur noch voran. Endlich erreiche ich Kaltern und jetzt kommt nur noch die schnelle Schussfahrt runter zum See, die ich nun wieder genießen kann.

Am Wohnmobil falle ich in den Camping-Sessel und habe keine Lust mehr, heute noch etwas anderes zu unternehmen.

201505174. Nacht
Kalterer See
Reisemobil-Stellplatz
223 m NN
Tageskilometer: 0

 

Montag, 18.05.2015 - Heute verlassen wir den Kalterer See. Wir müssen dringend mal wieder einkaufen und unsere Vorräte auffüllen und hoffen auf eine Einkaufsmöglichkeit unterwegs. Letztlich müssen wir feststellen, dass es in Südtirol mit dem Einkaufen nicht so einfach geht wie in Frankreich.

Die Südtiroler sind da etwas eigen und pflegen ihre Abneigung gegen Supermärkte und Discounterketten. Dafür sind Lebensmittel halt auch deutlich teurer als bei uns zu Hause oder eben in Frankreich. Und man muss bisweilen ganz schön suchen, um als Tourist eine Einkaufsmöglichkeit zu finden.

suedtirol gardasee toskana 34 20150610 1130256404Noch haben wir dieses Problem aber nicht erkannt und fahren zunächst nach Salurn, dem südlichsten Ort in Südtirol, direkt an der Grenze zu Italien, wie manche Südtiroler die Region Trentino nennen. Die Salurner Klause ist eine Engstelle im Tal der Etsch, die früher leicht zu verteidigen war. Unter anderem aus der über Salurn liegenden Haderburg heraus.

Wir schauen uns nur kurz in Salurn um, das zwar über eine kleine Altstadt verfügt aber touristisch irgendwie nicht so richtig toll rüber kommt.

suedtirol gardasee toskana 41 20150610 1195863803Weiter geht es nach Neumarkt, wieder ein paar Kilometer nördlich. Hier finden wir einen Supermarkt mit überteuerten Preisen und machen eine weitere kleine Stadtbesichtigung. Wie wir es bereits aus Meran und Bozen kennen, gibt es in der Altstadt die sogenannten Lauben, also überdachte Einkaufspassagen. Viele Geschäfte sind hier aber nicht angesiedelt. Trotzdem sieht es ganz schön aus. Wir kaufen ein Eis auf der Hand und schlendern durch die wenigen Gassen.

Anscheinend wurde der Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer hier auf dem Weg zu seiner Hinrichtung in Mantua kurzfristig im hiesigen Gefängnis untergebracht. An dieses Ereignis erinnern ein kleines Museum, eine Gedenktafel und viele Hotels und Restaurants, die den Namen Hofers tragen.

Tina war mit unseren Einkäufen im Supermarkt nicht zufrieden. Ich finde über eine App eine Discounter-Filiale im übernächsten Ort. Wir fahren hin und Tina vervollständigt unsere Vorräte.

suedtirol gardasee toskana 52 20150610 1052410703Nun geht es wieder ein Stück zurück und dann den Berg hinauf. Oberhalb des Ortes Auer liegt Castelfeder, ein Hügel mit zahlreichen Ruinen aus verschiedenen Epochen von der Steinzeit über die Römer bis zum Mittelalter. Der Hügel war offenbar durch seine Lage strategisch von Bedeutung und wurde immer wieder besiedelt.

Die kleine Wanderung, die mit der Besichtigung verbunden ist, war genau richtig. Wir genießen die Aussicht ins Etschtal und machen einige Fotos.

Zurück am Mobil stellt sich so langsam die Frage, wo wir heute eigentlich übernachten wollen. Schön wäre ja ein Campingplatz mit einer richtigen Dusche, da sind wir uns einig. Der einzige Platz in der Nähe liegt in Auer. Also wiederum zurück.

Was hier so eine Übernachtung auf einem Campingplatz kostet, haut uns um. Da denke ich fast sehnsüchtig an unsere geliebten Municipal-Campings in Frankreich. Aber auch in dieser Hinsicht ist Südtirol eben etwas anders. Die Campingplätze werden privat betrieben und die Betreiber haben immer auch politischen Einfluss, der günstigere Konkurrenz verhindert.

Aber egal, wir wollen heute noch etwas Ruhe und Entspannung und bleiben trotz der Preise hier auf dem Platz. Die Nutzung des Swimmingpools ist inklusive, was wir ausnutzen, letztlich aber auch keine vernünftige Gegenleistung zum Übernachtungspreis darstellt.

Ach ja, durch das viele hin und her haben wir heute zwar 64 km gefahren, sind aber letztlich kaum mehr als fünf Kilometer vom letzten Übernachtungsort am Kalterer See entfernt.

201505185. Nacht
Auer / Ora
Camping Markushof
260 m NN
Tageskilometer: 64

 

Dienstag, 19.05.2015 - Entgegen der optimistischen Wettervorhersagen, die wir gestern Abend im Internet abgerufen hatten, fängt es am Morgen zuerst leicht, dann immer kräftiger an zu regnen. Ich muss, lange bevor wir eigentlich aufstehen wollten, raus und schnell die Stühle und den Tisch in die Heckgarage räumen.

Später erkennen wir, dass es nicht nur mal ein kurzer Schauer war, sondern, dass der gesamte Himmel über Südtirol mit Wolken zugezogen ist. Das schlecht Wetter kommt offenbar von Süden und bleibt hier an den Bergen hängen, nicht anders als wir es auch auf der Nordseite der Alpen in der umgekehrten Richtung kennen.

Unsere geplante Wanderung zur Bletterbachschlucht muss somit ausfallen. Weder haben wir Lust bei Regen zu wandern noch können wir wirklich das Risiko einschätzen, wenn wir dort über die nassen Steine laufen. Wie groß ist in solchen Situationen die Gefahr des Ausrutschens oder von Steinschlägen? Keine Ahnung, aber wir wollen es auch nicht ausprobieren.

Wir treffen mal wieder eine spontane Entscheidung und verlassen Südtirol fürs erste. Und zwar in Richtung des südlichen Endes des Gardasees. In Sirmione waren wir vor drei Jahren schon einmal. Die Lage des Stellplatzes hatte uns sehr gefallen, so dass wir ihn jetzt wieder ansteuern.

Und tatsächlich herrscht hier immer noch schönes warmes Sommerwetter. Nach Norden hin können wir die Berge zwar nicht sehen, weil es so diesig ist, doch hier am Südende ziehen die Wolken noch über uns hinweg.

suedtirol gardasee toskana 57 20150610 1635841098Am Nachmittag machen wir noch einen kleinen Radausflug in die Altstadt von Sirmione. Auch das hatten wir vor drei Jahren schon einmal getan, aber die Tour lohnt sich trotzdem nochmal. Auch heute herrscht wieder ziemliches Gedränge in der Altstadt. Wegen der Menschenmassen müssen Fahrräder vor dem alten Stadttor mit seiner Zugbrücke abgestellt werden. Normale Touristen dürfen die Stadt nur zu Fuß betreten.

Wir drehen eine ausgiebige Runde durch die alten Gassen und auf das nördliche Ende der Halbinsel, wo es archäologische Fundstätten gibt.

Am Stellplatz herrscht eine Invasion der Pappelsamen. Alles ist voll mit den weißen Flocken. Bei unserer Ankunft wehte der Wind vom See her und die Flocken hatten sich auf den Stellplätzen hinter uns angesammelt.

Während unserer Tour hatte der Wind gedreht und das ganze angesammelte Zeug kommt nun wieder bei uns vorbei. Die Dachluken hatte wir gar nicht erst geöffnet, weil wir aus Erfahrung wissen, dass es ewig dauert, bis man alles, was von oben reinkommt, wieder los ist.

Eine Zeitlang bleiben wir noch vor dem Mobil draußen im Pappelsamenregen sitzen, doch zum Essen verkrümeln wir uns lieber ins Mobil. Später kündigt sich mit lautem Grollen ein Gewitter an. Wir räumen alles schnell nach drinnen, als es auch schon anfängt zu regnen. Die Nässe dürfte für alle Allergiker eine Wohltat sein, weil sie nun die Flocken bindet und am Boden „festklebt“.

Jetzt warten wir also auf das Wetter, wie es sich morgen präsentieren wird. Sollte sich auch hier der Regen festsetzen, könnten wir noch weiter nach Süden ausweichen. Die Toskana und die Riviera sollen ja auch ganz nett sein.

201505196. Nacht
Sirmione / Columbare
Stellplatz
73 m NN
Tageskilometer: 137

 

Mittwoch, 20.05.2015 - Mit dem Fahrrad zum Brötchen holen, das ging noch ohne Regen. Doch kurz drauf fängt es wieder an zu tröpfeln. Der Himmel scheint alle negativen Vorhersagen zu bestätigen. Er sieht aus, als würde es wirklich die nächsten vier oder fünf Tage nicht mehr aufhören zu regnen.

Für uns ist es das Signal, dass wir nun auch noch den Gardasee verlasen und noch weiter nach Süden ausweichen. Natürlich kann es auch dort regnen, aber gelegentliche Regenschauer sind etwas anderes als so ein Dauerregen am Alpenrand.

Die Autobahn ist überraschend leer. Vor allem Lkw und Camper sind unterwegs. Pkw bilden hier irgendwie die Ausnahme. Aber so kommen wir auch gut voran. Dabei wissen noch nicht einmal genau, wohin es gehen soll. Für Italien südlich des Trentino haben wir keinerlei Reiseführer dabei.

Mit Hilfe der Straßenkarten orientieren wir uns und suchen dann im Campingführer einen Platz raus, der sich ganz vielversprechend anhört. Er akzeptiert die ADAC Camping-Card, so dass wir für 16 Euro die Nacht unterkommen. Mir hat ein Foto im Campingführer gefallen, das ein richtiges Schwimmbecken und nicht nur eines der üblichen Planschbecken zeigt.

Die Strecke unterwegs führt uns über einen Gebirgszug, von dem ich bisher noch nicht einmal wusste, dass es so etwas hier überhaupt gibt. In meiner Vorstellung war ganz Norditalien immer eine riesige flache Ebene, die Po-Ebene halt.

Den Po überqueren wir dann auch, doch kurz hinter Parma geht es dann so richtig bergauf. Die Autobahn ist steil, schmal und kurvig, so dass eine vorsichtige Fahrweise angezeigt ist. Es geht eine Zeitlang bergauf und schließlich direkt wieder bergab. Schließlich müssen wir jetzt wieder auf Meereshöhe hinunter.

Vor La Spezia biegen wir nach Süden auf die Küstenautobahn ab und passieren die gigantischen Marmorbrüche von Carrara. Anscheinend werden hier ganze Berge abgebaut. Beiderseitig der Autobahn liegen zahlreiche Marmor verarbeitende Betriebe wo unzählige riesige Marmorblöcke in unterschiedlichen Farben lagern.

Bis Viareggio geht unsere Fahrt noch, dann müssen durch das Kassenhäuschen für die Autobahnmaut. Das gute Vorankommen hatte seinen Preis: Rund 26 Euro werden fällig.

Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Campingplatz. Unser erster Eindruck ist schon befremdlich. Offenbar hat es vor nicht einmal einer Stunde hier noch ein heftiges Gewitter gegeben. Aus diesem Grund wirkt alles etwas trist. Die Pfützen auf den Wegen und der aufgeweichte Boden sind etwas, was wir eigentlich mit unserer heutigen Fahrt hinter uns lassen wollten.

So ganz normal scheint dieses Wetter hier dann tatsächlich nicht zu sein. Der Platz ist dicht mit Bäumen bepflanzt, so dass man fast überall nur im Schatten stehen kann. Den hiesigen Dauercampern scheint dieses Schattenangebot aber noch nicht auszureichen. Sie haben alle Stellplätze komplett, also über die gesamte Grundfläche, überdacht. Unter diesen Dächern stehen dann die Wohnwagen und die Zelte im Dauerschatten. Schön sieht das jetzt wirklich nicht aus.

Wir parken Emil auf einer Stellfläche ohne Dach und setzen uns erst einmal zum Kaffeetrinken raus. Noch ist der Himmel bewölkt, doch später ziehen die Wolken ab und wir haben blauen Himmel.

suedtirol gardasee toskana 65 20150610 1965234979Nun haben wir die Wahl: Wollen wir mit den Fahrrädern ans Meer fahren? Oder gehen wir noch eine Runde Schwimmen im hiesigen Pool? Beides wird Tina zu viel und würde wegen des Abendessens wohl auch zu lange dauern. So entschließen wir uns für die Variante mit dem Schwimmen. Schließlich war das Foto mit dem Schwimmbecken ja ein Grund überhaupt auf diesen Platz zu fahren.

Es handelt sich um ein 25m Becken in dem Tina schließlich unermüdlich ihre Bahnen zieht. Das geht heute wunderbar, da alle anderen Camper noch durch den Gewitterschauer so geschockt sind, dass niemand außer uns im Becken ist. Vielleicht sind die es hier auch nicht gewohnt, dass man auch ohne vollen Sonnenschein Schwimmen kann.

201505207. Nacht
Viareggio
Camping La Pineta **
0 m NN
Tageskilometer: 293

 

Donnerstag, 21.05.2015 - In dem kleinen „Market“ des Campingplatzes gibt es frisches Baguette, das uns deutlich besser schmeckt, als die hierzulange üblichen sonstigen Brotsorten. Wir frühstücken ausgiebig und brechen dann auf.

Als Zwischenziel haben wir uns Pisa ausgesucht. Es gibt einen Wohnmobilstellplatz rund 20 Gehminuten von der Altstadt entfernt. Wir ziehen ein Parkticket für 5 Stunden, das wir notfalls auch durch Zuzahlung für eine Übernachtung verlängern könnten und machen uns auf den Weg in die Altstadt, an der wir auf der Anfahrt bereits vorbeigekommen sind.

suedtirol gardasee toskana 67 20150610 1174815594Wir sind natürlich immer noch ohne Reiseführer oder andere vorbereitete Unterlagen und orientieren uns auf dem Weg in die Stadt an einem alten Aquädukt, dessen Verlauf wir folgen. Wir passieren die Stadtmauer und gehen weiter in Richtung Zentrum.

Die Orientierung fällt nicht ganz leicht, aber wir finden den Weg zum Schiefen Turm, von dem wir nur wissen, dass er sich etwas nördlich des Zentrums befinden soll.

suedtirol gardasee toskana 68 20150610 1386963172Wir nähern uns von Osten und als wir den ersten Blick auf den Turm werfen können, sind wir überrascht, wie schief der Turm tatsächlich ist. Da ist nicht nur leicht schief, sondern die Turmspitze befindet sich weit außerhalb der Grundfläche das Turms. Kaum zu glauben, dass ein so schiefes Gebäude nicht sofort einstürzt.

Auf dem großen Platz befinden sich neben dem Turm noch der Dom und der Kuppelturm des sogenannten Baptisteriums. Alle zusammen ergeben ein sehr schönes Gesamtbild.

Dieser Meinung sind natürlich auch die paar Tausend Touristen aus aller Welt, die sich außer uns hier auch noch aufhalten. Überall werden die Handys gezückt und Fotos ohne Ende gemacht. Ganz am Anfang versuchen wir noch anderen Fotografen nicht ins Bild zu laufen. Doch das gebe ich bald auf, da es schier unmöglich ist, weil immer und überall gerade fotografiert wird.

suedtirol gardasee toskana 74 20150610 2061520116Vermutlich wird man, wenn man einmal über den Platz läuft direkt mehrfach im Hintergrund auf allen möglichen Fotos bei Facebook & Co gepostet. Die meisten Leute versuchen auch Fotos zu machen, bei denen sich einer verrenkt, so als würde er den Turm abstützen oder wahlweise auch zur Seite drücken. Es ist ein wunderliches Schauspiel, das zu beobachten mindestens genauso interessant ist, wie die historischen Gebäude selber.

Vom großen Piazza del Duomo mit seinen drei Hauptsehenswürdigkeiten wenden wir uns den Gassen der Altstadt zu. Mein Geschmack ist das jetzt nicht wirklich. Natürlich sind alle Gemäuer irgendwie alt, weil sie sich ja schließlich auch in der Altstadt befinden. Aber irgendwie wirkt alles auch etwas heruntergekommen und nicht so gut gepflegt.

Zurück am Parkplatz machen wir uns dann auch bald wieder auf den Weg. Wir haben uns wieder einen günstigen Campingplatz ausgesucht, der über ein 25m-Schwimmbecken verfügt. Der Platz ist schön angelegt und bietet den Comfort, den wir gerne hätten. Wir bezahlen direkt für zwei Nächte und überlegen, ob wir vielleicht sogar nochmal verlängern.

201505218. Nacht
Marina di Cecina
Camping Le Tamerici ***
0 m NN
Tageskilometer: 106

 

Freitag, 22.05.2015 - In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter und am Morgen ist der Himmel auch hier so weit südlich total bewölkt. Nur draußen über dem Meer ist etwas blauer Himmel zu sehen.

suedtirol gardasee toskana 82 20150610 1436986057Wir machen einen Spaziergang rüber an den Strand und müssen dafür einen Streifen Küstenwald durchqueren. Es handelt sich um Pinien, die von weitem aussehen wie Broccoli. Kahle hohe Stämme und oben total dicht, so dass es aussieht als würden die Bäume ein richtiges Dach bilden.

Wir blicken über das Meer und wissen noch nicht einmal, ob das jetzt immer noch das Ligurische Meer ist oder ob wir hier schon am Tyrrhenischen Meer stehen. Wir sehen jedenfalls ganz weit im Westen die Berge von Korsika aus dem Wasser ragen. Südwestlich von uns liegt die Insel Elba, deren Gipfel auch eine Höhe von rund 1.000 Meter erreichen.

Auf dem Rückweg von unserem Spaziergang beginnt es zu tröpfeln und beim Eintreffen am Wohnmobil fängt es richtig an zu regnen. Das sieht jetzt sehr nach einem Lese-Nachmittag aus. Unsere Idee, hier auf dem Platz mal einen Schwung Wäsche zu waschen, lassen wir bei dem Wetter wieder fallen.

201505229. Nacht
Marina di Cecina
Camping Le Tamerici ***
0 m NN
Tageskilometer: 0

 

Pfingstsamstag, 23.05.2015 - Auch heute haben wir einen Tag mit geschlossener Wolkendecke. Trotzdem verlängern wir unseren Aufenthalt auf diesem Campingplatz noch einmal um zwei weitere Nächte. Denn letztlich ist das Wetter überall in Italien schlecht. Und wenn wir uns heute so den Verlauf des Giro d’Italia anschauen, der gerade in Norditalien unterwegs ist, haben wir es mit unserem Wetter noch gar nicht einmal so schlecht getroffen. Die Radprofis plagen sich heute nämlich die ganze Zeit im Dauerregen ab.

Nach dem Frühstück machen wir Emil trotzdem kurz mal fahrbereit. Wir müssen zur Entsorgung des Abwassertanks und zum Einkaufen fahren. Der Campingplatz selber hat keinen Bodeneinlass und wir fahren zu einer Entsorgungsstation in den Ort Cecina.

Außerdem machen wir ein paar Lebensmitteleinkäufe für das Wochenende bei einem deutschen Discounter. Damit kommen wir über die nächsten beiden Tage und brauchen im Camping-Shop nur unser Brot zu holen.

suedtirol gardasee toskana 81 20150610 2088725154Nach der Rückkehr und dem schnellen Wiederaufbau unseres Campingzustandes geht Tina dann im Pool des Campingplatzes zum Schwimmen. Es gibt auch hier ein 25m Becken und Tina zieht eine Bahn nach der anderen und wird dabei von den anderen Campern nur ungläubig bestaunt. Die halten es mehr wie ich und bleiben bei dem aktuellen Wetter lieber außerhalb des Schwimmbeckens.

Nach einem anschließenden Tässchen Kaffee und einem Stückchen Kuchen machen wir uns nochmal auf den Weg - diesmal mit den Fahrrädern. Und zwar radeln wir zur See-Promenade von Marina di Cecina.

Es gibt viele Restaurants und Bars, von denen die meisten auch einen Liegestuhlverleih auf einem von ihnen exklusiv gepachteten Strandabschnitt betreiben. Die Liegestühle und Sonnenschirme sind bereit, doch bei dem Wetter ist kein einziger davon belegt.

Überhaupt ist so gut wie nichts los an dieser Promenade. Bei diesem Wetter bleiben die Touristen halt aus und es gibt keine großen Geschäfte zu machen. Dass es hier auch ganz anderes zu gehen kann, das machen die Kapazitäten deutlich, die hier an Parkplätzen, Liegestühlen, Kinderspielplätzen, Kirmesattraktionen und ähnlichem bereit stehen.

Wir bringen den Tag letztendlich ruhig zu Ende. Im Grunde nicht viel anders als wenn hier heute Sommerwetter geherrscht hätte. Außer dass wir halt nicht in Badesachen, sondern in wärmeren Sachen rumlaufen.

2015052310. Nacht
Marina di Cecina
Camping Le Tamerici ***
0 m NN
Tageskilometer: 12

 

Pfingstsonntag, 24.05.2015 - Heute gibt es dann auch mal wieder Sonne. Zwar gibt es noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit von Regenschauern, aber zumindest der Himmel zeigt auch endlich wieder sein Blau.

Am Morgen machen wir erst einmal eine Maschine Wäsche. Immerhin sind wir jetzt schon wieder seit anderthalb Wochen unterwegs. Die Wäscheleine spannen wir zwischen den Fahrrädern, weil es keine passenden Bäume gibt.

Ansonsten gehen wir schwimmen und faulenzen nur rum. Etwas lästig ist heute, dass auch hier die Luft voll ist mit Pappelsamen. Durch den leichten Wind werden die weißen Flocken aufgewirbelt und schaffen es wirklich überallhin.

2015052411. Nacht
Marina di Cecina
Camping Le Tamerici ***
0 m NN
Tageskilometer: 0

 

Pfingstmontag, 25.05.2015 - Heute verlassen wir unseren Pfingst-Campingplatz. Zunächst geht es ein Stück weiter die Küste runter. In Piombino fahren wir zum Hafen und schauen den Fähren nach Sardinien, Elba, Korsika, Sizilien und wer weiß wohin noch bei der Ankunft und Abfahrt zu.

Östlich von uns über den Bergen hängen dicke Wolken, während es hier an der Küste nur strahlend blauen Himmel gibt. Wir nehmen das zum Anlass heute noch nicht ins Landesinnere zu fahren sondern noch an der Küste zu bleiben.

Unter anderem besichtigen wir einen Stellplatz für Reisemobile. Aber irgendwie hausen die Camper dort alle so, dass es aussieht wie in einem Lager von Landfahrern. Das ist nicht unser Geschmack, auch wenn man von solch einem Stellplatz oft einen sehr kurzen Weg ans Meer hat.

Stattdessen suchen wir uns wieder einen guten Campingplatz aus, wo wir uns einchecken. Der erste Platz, den wir uns ausgesucht haben, liegt unter dichten Pinien, die vor über hundert Jahren hier als Schattenspender angepflanzt wurden. Der Eingangsbereich ist so dunkel, dass wir abgeschreckt werden. Im Hochsommer ist der Schatten unter den Pinien sicherlich eine Wohltat, doch im Moment möchten wir doch etwas sonniger stehen.

Für den zweiten Platz müssen wir nochmal ein kleines Stück zurück fahren. Auch hier gibt es diesen dichten und alten Pinienwald, aber doch irgendwie etwas aufgelockerter. Wir checken ein und werden zunächst auf einen größeren Spaziergang über das weitläufige Platzgelände geschickt, um uns einen Platz auszusuchen.

Für morgen nehmen wir uns vor vielleicht auch mal etwas im Meer schwimmen zu gehen und eine kleine Radtour in den naheliegenden Ort zu machen, in dem es eine mittelalterliche Burg oberhalb des Hafens gibt. Das verspricht eine schöne und sehenswerte Aussicht von dort oben über die große Bucht.

2015052512. Nacht
Castiglione delle Pescaia
Camping Maremma Sanssouci ***
10 m NN
Tageskilometer: 142

 

Dienstag, 26.05.2015 - Am Morgen haben uns die Wolken mal wieder eingeholt. Also lassen wir uns Zeit und brechen erst spät zu der kleinen Radtour nach Castiglione auf. Meine Kamera packe ich gar nicht erst aus, weil es wie immer ohne Sonne nur viele Grautöne und wenig kräftige Farben gibt.

Trotzdem machen wir auch einen Bummel durch die Gässchen der kleinen Stadt. Oberhalb des heutigen Zentrums und des kleinen Hafenbeckens liegt die Altstadt innerhalb einer Stadtmauer. Die Gassen sind steil und eng. Wir folgen dem Weg nach oben bis wir nur noch über Treppen weiter könnten. Hier drehen wir um und beschließen, es morgen noch einmal zu versuchen, ohne Fahrräder und dann hoffentlich mit Sonnenschein.

Vor zwei Wochen war Castiglione Etappenankunfts-Stadt beim Giro d’Italia. Davon zeugen immer noch viele Schilder und Banner, die an den Straßen hängen. Auch einige Souvenirs gibt es immer noch zu kaufen. Schon gestern hatten wir beim Einkaufen einen speziellen Giro-Sekt gesehen, in weißen Flaschen mit Rosa-Etiketten, den Farben des Giro eben.

suedtirol gardasee toskana 90 20150610 1675643548Nachdem wir am Campingplatz zurück sind dauert es noch, doch dann reißt der Himmel doch noch auf. Wir spazieren zum Strand, verzichten aber auf das Schwimmen. Denn östlich von uns braut sich ein ordentliches Gewitter zusammen. Wir können nicht abschätzen, ob es auch bei uns ankommen wird.

Letztendlich zeigt sich, dass wir nur von ein paar ganz vereinzelten Regentropfen gestreift werden. Trotzdem machen wir uns jetzt nicht noch einmal auf den Weg ans Meer sondern verbringen den weiteren Nachmittag mit Lesen.

Morgen würde ich dann gerne mehr ins Landesinnere fahren und damit das Meer verlassen. Der Wetterbericht sieht für morgen noch vereinzelte Gewitter vor, aber im Grunde soll ab Morgen die Sonne lachen.

2015052613. Nacht
Castiglione delle Pescaia
Camping Maremma Sanssouci ***
10 m NN
Tageskilometer: 0

 

Mittwoch, 27.05.2015 - So wie wir es uns vorgenommen haben, fahren wir nun also ins Landesinnere, sprich in die Hügel und Berge des Apennins. Auf der Straßenkarte fällt ein Bereich rund um den Monte Amiata ins Auge.

Wikipedia weiß darüber, dass er die zweithöchste Erhebung der Toskana darstellt. Damit verspricht er doch eine schöne Rundum-Aussicht. Als wir uns immer mehr dem Berg nähern, werden die Straßen immer schlechter.

Im letzten Ort vor dem Berg ist „Vetta Amiata“ ausgeschildert. Tina findet heraus, dass damit wohl die Bergspitze gemeint ist. Damit scheint sie auch tatsächlich Recht zu haben, denn ab jetzt geht es richtig steil und in vielen Kurven und Kehren bergan. Der Gipfel des Berges liegt irgendwo bei 1.700 m und ein paar Gequetschten.

Bei ca. 1.500 m legen wir eine kleine Pause auf einem Parkplatz ein. Bei dieser Gelegenheit ändert sich unser geplanter Tagesverlauf komplett. Tina stellt nämlich fest, dass die Toilette „irgendwie nicht richtig funktioniert“.

Tatsächlich ist es so, dass wohl durch das ganze extreme Gerüttel und Geschüttel auf den grottenschlechten Straßen die Mechanik des Toilettenschiebers beschädigt wurde. Der Defekt erinnert sehr stark an den defekt, den wir auf unserer Nord-Ostsee-Tour vor anderthalb Jahren hatten. Damals mussten wir in Kiel in eine Werkstatt, wo die Mechanik wieder zusammengebaut wurde.

Heute sind die Symptome denen von damals sehr ähnlich. Vor allem ist es nicht möglich die Kassette herauszuziehen, weil sie von innen blockiert wird.

Zum Glück hat Tina mit ihrem Handy guten Empfang. Sie sucht nach einem Thetford-Servicebetrieb in der Nähe. In rund 120 km Entfernung gibt es einen solchen. Wir beenden unsere Fahrt zum Gipfel und machen uns direkt auf den Weg.

suedtirol gardasee toskana 91 20150610 2062283945In dem kleinen Ort Viciomaggio in der Nähe von Arezzo gibt es den Reisemobilhandel. Wir kurven also nun wieder nach unten und nehmen auch ein Stück auf der Autostrada, um möglichst schnell und vor allem vor Ladenschluss noch dort anzukommen.

Wir schaffen es und während wir auf den Mechaniker warten, gelingt es mir die Kassette mit dosierter Gewalt aus der Halterung zu entfernen. Als der Mechaniker eintrifft steht für mich schon fest, dass der Defekt diesmal gar nicht an der Toilette, sondern an der Kassette liegt. Denn unsere Zweitkassette funktioniert einwandfrei als ich sie testweise in die Halterung schiebe.

Dagegen ist der Verschlussdeckel der Kassette irgendwie ausgehakt. Wir sind schon ein wenig erleichtert. Mit der Ersatz-Kassette können wir auf jeden Fall die Reise fortsetzen, auch wenn die andere Kassette nicht zu reparieren wäre.

Eine geschäftstüchtige Verkäuferin des Zubehörhandels versucht uns einen der üblichen Auffrischungs-Sets mit einer neuen Kassette zu verkaufen. Sie gibt jedoch sofort wieder auf, als sie sieht, dass wir bereits eine Zweitkassette haben.

Stattdessen nimmt der Mechaniker die Kassette mit in seine Werkstatt. Dort schafft er es irgendwie, die Mechanik des Verschlusses wieder einzuhaken und gängig zu machen. Wir bezahlen 15 Euro für die eingesetzte Arbeitszeit und können weiterfahren.

Doch irgendwie hat unsere Erkundungslust gelitten. Wir überlegen, wie wir jetzt weitermachen sollen und bedauern, dass wir ohne Womo-tauglichen Reiseführer hier unterwegs sind. Jedenfalls haben wir keine richtige Lust mehr auf gut Glück die Gegend zu erkunden.

suedtirol gardasee toskana 93 20150610 1683234309Wir switchen also noch einmal um und fahren jetzt durch bis Florenz, wo wir ja auf jeden Fall noch hinwollten. Nach dem Einchecken auf dem Stellplatz machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt, um dort etwas zu essen. Wir haben nämlich keine Lust mehr, heute noch selber zu kochen.

In ca. anderthalb Kilometer Entfernung liegt die das „römische“ Stadttor und damit der Eingang in die Altstadt. Erst kurz vor der Stadtmitte finden wir eine Pizzeria, die uns zusagt, wo wir uns dann niederlassen.

suedtirol gardasee toskana 95 20150610 1167474492Nach dem Essen gehen wir noch zur Ponte Vecchio, wo die Juweliere gerade ihre Läden schließen und viele Touristen offenbar auf den Sonnenuntergang warten. Im Westen steht die Sonne schon knapp über dem Arno und taucht alles in ein goldenes Licht.

In der Dämmerung machen wir uns dann wieder auf den Rückweg zum Stellplatz. Wir sitzen nur noch ein paar Minuten in der lauen Abendluft bevor wir uns zum Schlafen verkriechen. Für heute ist wirklich genug passiert.

2015052714. Nacht
Florenz
Stellplatz „Via del Gelsomino“
101 m NN
Tageskilometer: 286

 

Donnerstag, 28.05.2015 - Tina macht sich auf den Weg, um Brot für unser Frühstück zu finden und entdeckt tatsächlich einen unscheinbaren Lebensmittelladen in der Nähe des Stellplatzes.

Nach dem Frühstück machen wir uns erneut auf den Weg in die Stadt. Auf der Ponte Vecchio sind nun alle Geschäfte geöffnet. Für ein Foto sind die glitzernden Auslagen okay, aber kaufen wollen wir dort trotzdem nichts.

Auf der Piazza della Signoria steht Michelangelos David, bzw. die Kopie desselben, noch im Schatten. Wir gehen daher zunächst weiter zum Dom und nehmen uns vor, später nochmal hier vorbei zu kommen.

suedtirol gardasee toskana 107 20150610 1507893005Der Dom und vor allem seine bekannte Kuppel wären etwas gewesen, was mich sehr interessiert hätte. Aber für eine Besichtigung muss man sich gleich dreimal in langen Warteschlangen anstellen. Einmal für die Dombesichtigung selber, dann für den Campanille, also den Turm, und dann nochmal für die Besichtigung der Kuppel.

Bei aller Neugier und Interesse ist mir das die Wartezeit aber nicht wert. Also begnügen wir uns mal wieder damit, die Bauwerke von außen zu betrachten. Letztlich sind sie natürlich auch von außen beeindruckend.

suedtirol gardasee toskana 112 20150610 1778647824Wir schlängeln uns durch die Gassen der Stadt und landen irgendwann wieder auf der Piazza della Signoria. In einer Eisdiele lassen wir uns nieder und beobachten das Treiben auf dem Platz.

suedtirol gardasee toskana 113 20150610 1713106910Als David endlich in der Sonne steht, setzen wir unsere Besichtigung fort. Wie die meisten anderen Touristen auch, müssen auch wie ein „Selfie“ vor der Statue machen.

Wir laufen noch etwas kreuz und quer, doch die Motive wiederholen sich nun so langsam. Also beenden wir unsere Besichtigung und laufen zurück zum Stellplatz. Als Fazit für Florenz würde ich festhalten, dass sich eine ausführlichere Besichtigung als unsere auf jeden Fall lohnen würde.

suedtirol gardasee toskana 114 20150610 1537201531Allerdings sollte man nicht so unvorbereitet damit beginnen, sondern sich vorher etwas einlesen. Vor allem wäre dann die Gesamt-Eintrittskarte für alle Museen interessant. Sie ist einerseits nicht ganz billig und benötigt mehr als nur unseren halben Tag, also sicherlich zwei oder drei Tage, hat andererseits aber den Vorteil, dass man sich dann vielleicht auch eher in die langen Schlangen stellt, um seine Besichtigungen zu machen.

Beim Kaffeetrinken am Nachmittag auf dem Stellplatz fragen wir uns, wie wir nun unsere Reise fortsetzen sollen. Noch haben wir eine Woche Zeit und eigentlich würden wir auch gerne nochmal am Gardasee und in Südtirol Station machen.

Also treffen wir mal wieder einen spontanen Entschluss, packen unsere Siebensachen und fahren Richtung Gardasee.

Hier kommen wir kurz vor acht Uhr an, also kurz bevor die Rezeption des von ausgewählten Campingplatzes schließt. Wir bekommen einen Platz für eine Nacht, weil der Stellplatz ab morgen bereits reserviert ist. Aber es ist der einzige freie Platz überhaupt. Alle Stellflächen sind belegt - in Süddeutschland sind halt Pfingstferien.

2015052815. Nacht
Moniga del Garda
Camping Piantelle ***
81 m NN
Tageskilometer: 279

 

Freitag, 29.05.2015 - Gerne würden wir noch ein oder zwei Nächte hier auf dem Campingplatz bleiben. Wir fragen in der Rezeption nach und bekommen tatsächlich einen anderen, gerade frei gewordenen Platz in der gleichen Reihe wie letzte Nacht.

Doch zunächst müssen wir mal wieder dringend einkaufen fahren. Das Wochenende steht vor der Tür und unsere Vorräte sind so gut wie aufgebraucht. Tina hat im Internet die Adresse eines ihrer Lieblings-Supermärkte gefunden. Dort fahren wir erstmal hin.

Am Nachmittag testen wir die Wassertemperatur im See, aber es ist uns zu frisch, um dort eine Runde baden zu gehen. Das Wasser im Swimmingpool, das wir anschließend testen, ist ein paar Grad wärmer. Hier bleiben wir eine Zeitlang. Doch hellhäutig wie wir sind, bleiben wir nicht allzulange.

Den Nachmittag verbringen wir gemütlich unter anderem mit kleinen Erdbeertörtchen, wie wir sie gerne mögen und die wir zum ersten Mal auf dieser Reise gefunden haben.

2015052916. Nacht
Moniga del Garda
Camping Piantelle ***
81 m NN
Tageskilometer: 21

 

Samstag, 30.05.2015 - Heute werden wir nur etwas Schwimmen, Baden und vielleicht etwas spazieren gehen. Ich versuche herauszufinden, ob es einen Radweg am See entlang gibt. Gibt es aber nicht. Und über die normalen Straßen zu radeln habe ich keine Lust, da ich gestern ja bereits erleben konnte, wie viel Verkehr dort herrscht.

suedtirol gardasee toskana 124 20150610 1740034360Am Nachmittag machen wir dann einen Spaziergang nach Moniga del Garda. Zunächst am See entlang und dann vom Hafen aus zu der alten Stadtmauer mit Turm neben der Kirche. Das Ganze liegt oberhalb des Ortes und verspricht eine schöne Aussicht.

Beim Anstieg kommen wir in der prallen Sonne ganz schön ins Schwitzen, werden aber tatsächlich mit einer Aussicht über den See belohnt. Leider ist es ziemlich diesig, so dass man den gegenüberliegenden Monte Baldo fast nicht erkennen kann.

suedtirol gardasee toskana 126 20150610 1022243539Der Turm in der Stadtmauer ist gleichzeitig auch das Stadttor. Und er beherbergt auch gleich die Glocken der nebenan stehenden Kirche. Innerhalb der Stadtmauer gibt es ungefähr vier Häuserreihen. Alle Häuser werden auch noch bewohnt und sind schön hergerichtet.

Das alles ist schnell besichtigt, weil es nun wirklich nicht sonderlich groß ist. Danach machen wir uns wieder auf den Rückweg zu Campingplatz.

2015053017. Nacht
Moniga del Garda
Camping Piantelle ***
81 m NN
Tageskilometer: 0

 

Sonntag, 31.05.2015 - Heute verlassen wir den Gardasee. Doch zunächst gibt es Probleme bei der Entsorgungsstation. Ein holländischer Camper steht auf dem Bodeneinlass und kommt dort auch gerade nicht mehr weg, weil ihm genau dort der Anlasser an seinem Fahrzeug kaputt gegangen ist.

Es wird viel ausprobiert und diskutiert aber letztendlich ruft er seinen Automobilclub an, wo man verspricht, ihm Hilfe zu schicken.

suedtirol gardasee toskana 128 20150610 1099701574So lange können wir aber nicht mehr warten. Daher fahren wir mit gefülltem Abwassertank los und nehmen uns vor, die nächste Entsorgungsstation auf der Strecke anzusteuern. Die liegt in Arco am Nordende des Gardameeres, wie die Holländer zu sagen pflegen.

Wir nehmen nun die westliche Route am See entlang, die wir uns vor vier Jahren noch verkniffen hatten. Zu erschreckend waren die Schilderungen von Felsen, die angeblich in die Fahrbahn hineinragen und immer wieder die Wohnmobildächer demolieren.

Unterwegs gibt es jedoch kaum Probleme. Lediglich ein paar Tunnel sind etwas eng und man kann schon ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn man den Gegenverkehr vorbei lässt und dabei ganz weit nach rechts steuern muss. Letztlich ist unser Aufbau aber so flach, dass alles gut geht.

Das Wetter wird unterwegs nicht besser, sondern irgendwie immer diesiger. In Limone gibt es sogar ein paar Regentropfen. Tina hatte extra die Kamera „schussbereit“ mit nach vorne genommen, doch es gibt nicht viel zu fotografieren. Das meiste liegt im Dunst verborgen. Vor allem die leuchtenden Farben des Sees und der Berge.

In Arco erledigen wir dann, wie wir uns vorgenommen hatten, die Entsorgung. Dann geht es um die Frage wohin wir jetzt eigentlich weiter fahren sollen. Wir entschließen uns für Meran, das zwar viel nördlicher liegt als wir heute eigentlich fahren wollten, das wir aber morgen auch bei weniger gutem Wetter besichtigen können.

Den Campingplatz kennen wir schon von unserer Tour von vor vier Jahren. Es ist alles beim alten geblieben. Heute unternehmen wir nichts mehr und heben uns unsere Aktivitäten für morgen auf.

2015053118. Nacht
Meran
Camping Meran ***
299 m NN
Tageskilometer: 182

 

Montag, 01.06.2015 - Wir beginnen unseren Aufenthalt in Meran mit einem Besuch eines der beiden großen Einkaufszentren, nämlich dem Interspar an der Via Roma. Der Einkauf ist limitiert durch das Packvolumen der beiden großen Fahrradtaschen an meinem Fahrrad. Trotzdem brauchen wir lange zur Orientierung, um alles in dem großen Laden zu finden, und der Vormittag geht dabei schon mal drauf.

Nach einer Kaffeepause zurück am Wohnmobil setzen wir mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und über die Kurpromenade an der Passer entlang fort. Die Lauben sind immer schön anzusehen. In den Cafés sind fast alle Plätze belegt. Einkaufen brauchen wir nichts, auch wenn die verschiedenen Geschäfte (vor allem die Sportgeschäfte!) echt verlockend aussehen.

Das Meraner Stadtmuseum ist seit unserem letzten Aufenthalt endlich in sein neues Zuhause am oberen Pfarrplatz umgezogen. Doch das Palais Memming hat natürlich gerade heute geschlossen.

suedtirol gardasee toskana 137 20150610 2054957719Gehen wir halt weiter durch das Bozener Tor zur Steinachbrücke über die Passer. Etwas oberhalb gibt es eine abgesteckte Kanu-Slalomstrecke, wo auch einige recht gute Paddler unterwegs sind. Kurz Zeit später erkennen wir auch den Grund dafür. Am kommenden Wochenende wird hier ein Weltranglisten-Lauf im Kanu-Slalom stattfinden. Und für die ersten Teilnehmer ist offizielles Training, um sich mit der Strecke vertraut zu machen.

suedtirol gardasee toskana 140 20150610 1739001758Am südlichen Ufer der Passer folgen wir dem Weg der Kurpromenade wieder zurück zum zentralen Platz an der Therme. Dabei passieren wir den Sissi-Park mit einer Statue der selbigen. Doch auch diese Sissi-Statue hat keine Ähnlichkeit mit Romy Schneider. Das Gesicht der Kaiserin ist wie immer fast schon erschreckend streng.

Noch eine Runde durch die Innenstadt und dann wieder zurück zum Campingplatz, das war es für heute.

Am Abend probiere ich ob der DVB-T Empfänger im Navi etwas empfängt und wir bekommen tatsächlich auch deutsche Sender rein. Im Ersten läuft gerade das Relegations-Rückspiel, das Hamburg zum Schluss dann doch noch gewinnt.

2015060119. Nacht
Meran
Camping Meran ***
299 m NN
Tageskilometer: 0

 

Dienstag, 02.06.2015 (Italienischer Nationalfeiertag) - Weil heute die Läden wegen dem Feiertag geschlossen sind, hatten wir uns gestern schon ein Brot für den heutigen Tag gekauft. Beim Frühstück schauen wir vielen Campern beim Rangieren zu, da alle vor ihrer Abreise natürlich noch auf den Bodeneinlass müssen. Und weil am liebsten alle gleichzeitg dahin wollen, gibt es viel zu schauen. Mehr sag‘ ich nicht.

Am späten Nachmittag mache ich mich zu einer Fahrradtour auf, während Tina lieber auf dem Platz bleibt, Unerledigtes erledigt und den kleinen Campingpool besucht, dessen Wasser immerhin eine Temperatur von 24 Grad hat. Aber auch so wird es heute richtig warm. In der Redaktion von Radio Südtirol wartet man den ganzen Tag auf das Knacken der 30 Grad-Marke.

suedtirol gardasee toskana 144 20150610 1778485786Währenddessen nehme ich den Radweg entlang der Passer nach St. Leonard unter die Räder. Der Ort liegt sozusagen am Ende des Untertales, dort wo die Straßen aufs Timmelsjoch und den Jaufenpass beginnen.

Von Meran aus sind es fast genau 20 km, die der Radweg immer eng am Fluss entlang läuft. Am Ende wird angezeigt, dass ich 400 Höhenmeter gemacht habe. Allerdings waren diese Höhenmeter viel angenehmer als bei der Tour von Bozen nach Eppan. Die Steigung ist viel gleichmäßiger und vor allem auch viel moderater.

Der Fluss ist ein tolles Wildwasser auf der gesamten Strecke. Als ehemaliger Kajakfahrer bin ich natürlich begeistert und frage mich, warum hier eigentlich so wenige Kajaks unterwegs sind. Auch wir waren in unserer Kajakzeit nicht auf diesem Fluss, was mich nun ein wenig ärgert. Im mittleren Bereich sehe ich nur zwei Rafts, die sich gerade abfahrbereit machen.

suedtirol gardasee toskana 145 20150610 1463207711Nach einer (Netto-) Fahrzeit von anderthalb Stunden ist St. Leonard erreicht. Ich kaufe mir erstmal einen eisgekühlten Eistee mit ganz viel Zucker.

Der Ort selber hat eine ganz andere Ausstrahlung als Meran, das ja nur die paar Kilometer südlicher liegt. Man hat hier deutlich das Gefühl, dass man sich bereits in einem Bergdorf befindet. Bei der Rückfahrt verstärkt sich der Eindruck, dass man sozusagen schon in einer anderen Klimazone war. Irgendwann fällt mir nämlich auf, dass es im oberen Bereich gar keine Apfelplantagen mehr gab, denn auf einmal sind die wieder links und rechts neben mir.

Die Rückfahrt nach Meran geht deutlich schneller als die Hintour, auch wenn ich auf den geschotterten Strecken bewusst etwas langsamer und vorsichtiger fahre. Zumindest vorsichtiger als die vielen Mountainbiker und noch gefährlicher die vielen E-Biker. Dank des Elektroantriebs kommen hier auch Fahrradfahrer hin, die man hier sonst sicher nicht sehen würde. Auf der Abfahrt fehlen dann oft Reaktionsvermögen und vor allem Fahrtechnik sowie Fahrzeugbeherrschung auf dem Schotter.

suedtirol gardasee toskana 148 20150610 1581869700Bei der Bergauffahrt kam mir so mancher entgegen, der eine unübersichtliche Kurve einfach geschnitten hatte und dann beim Anblick von Gegenverkehr Probleme bekam. Wie gesagt, da ich auch nicht besser Fahrradfahren kann, fahre ich zumindest vorsichtiger.

Tina hat sich am Pool einen schönen Sonnenbrand geholt. Nachdem ich im Anschluss an meine Rückkehr auch eine Runde Schwimmen, bzw. eher Baden war, verlassen wir den Poolbereich und machen uns ans Kochen.

Tina hatte schon alles vorbereitet. Heute gibt es unseren „Meraner Teller“, nämlich frischen Spargel mit Kartoffeln und panierten Schnitzeln. Vor vier Jahren hatten wir uns Gleiches an gleicher Stelle gegönnt.

2015060220. Nacht
Meran
Camping Meran ***
299 m NN
Tageskilometer: 0

 

Mittwoch, 03.06.2015 - Nach spätem Aufstehen und ausgiebigem Frühstück mache ich mich auf eine Wanderung zum Schloss Tirol. Tina möchte lieber auf dem Campingplatz bleiben und schwimmt wieder ihre anderthalb Kilometer in dem kleinen Campingpool. Über Mittag ist dort nur wenig los. Der Betrieb setzt erst am frühen Nachmittag ein, wenn die Leute wieder von ihren Unternehmungen zum Platz zurück kommen.

suedtirol gardasee toskana 150 20150610 1096762270Ich muss für meine Wanderung erst einmal quer durch die Stadt. Dort gibt es einen Sessellift auf den Segenbühel, den Hügelzug, nördlich von Meran, auf dem auch Dorf und Schloss Tirol weiter oberhalb liegen.

Bei der Suche nach der Talstation überlege ich kurz, ob ich nicht vielleicht doch den Aufstieg zu Fuß machen soll. Doch irgendwie finde ich den Einstieg nicht. Auf dem Rückweg stelle ich dann fest, dass ich auch an völlig falscher Stelle gesucht hatte.

Aber zunächst zahle ich meine 4 Euro und lasse mich zur Bergstation fahren. Von hier aus geht eine Straße immer gerade aus und, wie alle Wege hier oben in südhangmäßiger, praller Sonne immer leicht bergauf.

Kurz vor dem Dorfzentrum biege ich nach links auf einen Panoramaweg ab. Die Aussicht nach Süden durch das Etschtal in Richtung Bozen ist durch die Sonne etwas diesig, doch nach Nordwest, ins Vintschgau und auf das Ortlermassiv ist Sicht recht gut. In diese Richtung wollen wir morgen dann auch unsere Fahrt fortsetzen.

suedtirol gardasee toskana 155 20150610 1074089926Über den Panoramaweg geht es bis zum Schloss. Auf dem Weg bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Also gönne ich mir eine kleine Eispause mache mich anschließend wieder auf den Rückweg und laufen zunächst zurück zum Dorf Tirol, wo ich diesmal den Weg durch das Dorfzentrum nehme.

Ich würde gerne zu Fuß nach Meran runtergehen, doch die Beschilderung hier oben ist ziemlich verwirrend und ich werde in die falsche Richtung geschickt und mache etliche unnötige Höhenmeter.

Schließlich finde ich den Einstieg in den Abstieg. Es geht richtig steil runter und ich bin froh, dass ich mich hier nicht herauf gequält hatte. Irgendwann erreiche in den Panoramaweg Tappeinerweg, der ohne große Steigung oder Gefälle oberhalb von Meran verläuft. Dann geht es über den Tirolersteig direkt runter in die Innenstadt von Meran.

Hier komme ich am Pfarrplatz, leicht versteckt hinter Kirche und Kapelle heraus. Mit diesem Platz hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Kein Wunder, dass ich am Morgen ganz woanders gesucht hatte. Jetzt muss ich jedenfalls nur nochmal quer durch die Innenstadt, dann bin ich zurück am Campingplatz. Meine Tracking-App hat eine Strecke von rund 12 Kilometern aufgezeichnet.

Es tut sehr gut, die dicken Wanderschuhe wieder ausziehen zu können. Ich brauche ein paar Minuten, ziehe mir auch die Badehose an und gehe zu Tina an den Pool. Diese Erfrischung tut sehr gut.

Als wir am späten Nachmittag nochmal in die Stadt aufbrechen, plädiere ich sehr für die Benutzung der Fahrräder. Es sind zwar kaum anderthalb Kilometer, aber ich möchte mir wirklich diese Strecke zu Fuß ersparen.

Das Bummeln durch die Laubengasse finde ich jetzt ausreichend anstrengend. Außerdem stelle ich fest, dass ich mir eine kleine Blase gelaufen habe. Natürlich an einer Stelle, die nun auch an der Sandale scheuert.

Es ist heute richtig heiß und bei immer noch über 30 Grad setzen wir uns für eine Eisschokolade, bzw. einen Eiskaffee in eine Eisdiele. Natürlich gehen wir auch noch eine Runde Bummel-Shoppen, auch wenn wir eigentlich gar nichts außer einem kleinen Mitbringsel kaufen wollen.

2015060321. Nacht
Meran
Camping Meran ***
299 m NN
Tageskilometer: 0

 

Donnerstag, 04.06.2015 (Fronleichnam) - In Italien ist heute kein Feiertag und wir bekommen unsere Frühstücksbrötchen ganz normal.

Anschließend geht es wie geplant ins Vinschgau, immer in Richtung Reschenpass. Erste Station machen wir in Rabland. Hier hatten wir vor vier Jahren schon einmal die Modelleisenbahn besucht. Es handelt sich um einen alten Stall neben einem Hotel, der komplett renoviert und für die Aufnahme Modellbahnanlage umgebaut wurde.

suedtirol gardasee toskana 171 20150610 1905850005Die Hauptattraktion ist die Darstellung der Südtiroler Landschaften im Modell. Schon vor vier Jahren hatten wir viele Details wiedererkannt, die wir zuvor in echt gesehen hatten. Diesmal haben wir ja weitere Teile Südtirols bereist und erkennen demzufolge auch mehr Details auf der Anlage wieder.

Insgesamt hat die Modellbahnausstellung aber nicht verändert. Allem Anschein nach gilt die Anlage als „fertig“, so dass nicht mehr weitergebaut wird. Im Grunde braucht man also nur einmal hierher zu kommen, weil man sowieso nichts Neues zu sehen bekommen wird. Ich hoffe, dass dieses Konzept nicht zu kurz gegriffen ist und nicht irgendwann die Besucher in der notwendigen Anzahl ausbleiben.

Unsere zweite Station ist heute die kleine Stadt Glurns. Auch sie kennen wir von unserer Fahrt von vor vier Jahren. Das mittelalterliche Flair lockt unzählige Touristen an. Die Altstadt kann nur durch die originalen Stadttore betreten werden. Vor vier Jahren hatte Tina ein Foto davon gemacht, dass unser Emil nur so gerade eben durch diese Tore passt. Im Euramobil Fotowettbewerb hatte sie damit den 3. Platz errungen.

Genauso eng ist aber auch die Zufahrt zum Camping- und Stellplatz der Stadt, der etwas außerhalb direkt am Flussufer liegt. Es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten, so dass man immer darum zittert, dass einem niemand entgegen kommt.

Auf dem Stellplatz angekommen stellen wir fest, dass hier auf knapp 1.000 m Höhe aktuell gerade die Pappelsamen fliegen. Das hatten wir in diesem Urlaub ja schon und da haben wir nicht nochmal Lust drauf.

Also verlassen wir den Platz direkt wieder und fahren noch ein Stück weiter in Richtung Reschenpass. Und wer weiß wofür das gut war, denn ab morgen beginnt hier in Glurns der „Ortler Bike Marathon“, während dem es schwer werden könnte, sich mit einem Wohnmobil frei zu bewegen und mal eben locker den Platz wieder zu verlassen.

suedtirol gardasee toskana 178 20150610 1397739491Wir quartieren uns wieder auf dem Camping Thöni ein, wo wir auch vor vier Jahren schon einmal gut gestanden hatten. Als erstes werfen wir den Grill an und machen ein leicht verspätetes Mittagsessen.

Danach nehmen wir die Fahrräder und machen uns auf den Weg, um den Reschensee zu umrunden. Vor vier Jahren hatten wir das wegen des damals kalten Wetters nicht gemacht, obwohl wir das eigentlich vorhatten. Somit holen wir nun also unseren Plan von damals nach.

suedtirol gardasee toskana 180 20150610 1151359948Die Strecke verläuft relativ flach immer sehr nahe am See entlang und es bieten sich immer wieder schöne Ausblicke in alle Richtungen. Das Ortlermassiv liegt talabwärts und ist am Anfang auch noch frei von Wolken, so dass man die Schnee- und Gletscherflächen in der Sonne leuchten sieht.

Doch während unserer Runde ziehen die Wolken immer mehr zu. Fast genau mit unserer Rückkehr am Campingplatz fängt es an zu regnen. Erst leicht, dann immer stärker und schließlich auch mit Gewitter. Doch das scheint nur eine Übergangsphase zu sein, um die aufgestaute Tageshitze abzubauen.

Später wird es wieder trocken doch von ursprünglich 28 Grad sind nur noch 16 übrig geblieben. Da werden wir heute Nacht wohl seit langem mal wieder mit geschlossenen Fenstern schlafen können.

2015060422. Nacht
St. Valentin a. d. Haide
Camping Thöni
1485 m NN
Tageskilometer: 76

 

Freitag, 05.06.2015 - Der Morgen beginnt mit blauem Himmel und mit einem Frühstück in der Sonne. Danach fängt im Prinzip heute unsere Heimfahrt an. Lediglich eine Unterbrechung in Wertheim am großen Camping-Zubehörladen samt Übernachtung ist noch vorgesehen.

Die Fahrt den Reschenpass hinunter nach Landeck ist landschaftlich, zumal bei dem tollen Sonnenwetter, richtig schön. Der Verkehr hält sich trotz des Brückentages in Deutschland und Österreich in Grenzen. Es fällt nur auf, dass unglaublich viele Motorradfahrer, einzeln und in Gruppen, unterwegs sind.

Am Fernpass wollten wir eigentlich an der dortigen Tankstelle unseren Tank auffüllen, weil sich im Laufe der Jahre gezeigt hat, dass dort oben immer der niedrigste Literpreis für den Sprit genommen wird. Anscheinend haben das viele andere inzwischen aber auch gemerkt und so gibt es eine lange Schlange vor den Zapfsäulen, als wir dort oben ankommen. Die Schlange ist so lang, dass wir mit dem Wohnmobil nach hinten in die Straße hineingeragt hätten, wenn wir uns dort angestellt hätten.

Das tun wir also nicht, sondern fahren weiter und tanken wie schon auf dem Hinweg an der Tankstelle in Reutte. Letztlich machen die paar Cent pro Liter unsere Urlaubskasse auch nicht spürbar schmäler.

Hinter dem Grenztunnel bei Füssen wird die Strecke dann überraschen einspurig geführt. An der nächsten Ausfahrt hat die Bundespolizei eine große Kontrollstelle für die G7-Demonstranten eingerichtet. Es ist aber noch nicht viel los und die Kontrollen scheinen eher symbolisch zu sein.

Auf der weiteren Strecke, kurz hinter Memmingen, hatte es einen Unfall gegeben. Ein kleiner Lieferwagen war von der Fahrbahn abgekommen und auf der Seite liegend im Graben gelandet. Wegen dieses Unfalls bildete sich sofort ein Rückstau.

Der Unfall war sicherlich zwei Kilometer vor uns passiert, doch der Verkehr hatte sich bereits so weit zurück gestaut. Doch die Strecke ist gerade und wir erkennen schon von weitem, dass der Verkehr ins Stocken gerät. Die Fahrzeuge vor uns schalten ihre Warnblinker ein, was wir natürlich auch tun.

Insgesamt ist die Situation aber entspannt und wir rollen eigentlich nur aus. Meine Konzentration geht natürlich nach vorne, falls doch noch jemand vor mir hart bremsen sollte, während Tina wie immer den Verkehr hinter uns im Auge hält.

Plötzlich höre ich nur von Tina das Kommando, dass ich schneller fahren soll, da rast von hinten ein Lkw heran. Dann höre ich auch schon den Knall.

suedtirol gardasee toskana 191 20150610 1093609689Der bulgarische Sattelzug war auf einen hinter uns fahrenden Smart aufgefahren und hatte diesen auf den Überholstreifen gegen einen Passat geschleudert. Immerhin wurde der Lkw-Fahrer durch den Aufprall wieder wach und führte eine Vollbremsung durch. Viel Platz war nämlich nach vorne für mich zum Ausweichen nicht mehr.

Auf dem Standstreifen konnten wir dann natürlich anhalten, während die Fahrstreifen hinter uns nun durch den Unfall blockiert waren und sich sofort ein weiterer Stau hinter dem Stau bildete.

Der Fahrer des Smart hatte eine blutende Platzwunde am Kopf. Der bulgarische Lkw-Fahrer stand nur kurz mal unter Schock und hatte sich dann schnell wieder gefangen und die Familie im Passat war unverletzt geblieben.

Gefühlt dauert es ewig, bis die ersten Hilfskräfte und die Polizei eintreffen. Dabei war der erste Unfall noch frisch vor dem zweiten passiert, dass die ersten Einsatzkräfte erst einmal an uns vorbeifahren, um zu dem im Graben liegenden Transporter zu gelangen. Doch irgendwann sind wir dann auch an der Reihe. Tina gibt ihre Personalien als Zeugin bei den Polizisten an und wir dürfen weiterfahren.

Erst später wird uns bewusst, wie knapp das für uns war. Wenn der Smart nicht zwischen uns und dem Sattelzug gewesen wäre, dann wäre der Fahrer vielleicht erst wach geworden, nachdem er uns getroffen hätte.

Da wir nun vom Reschenpass eine ganze Zeit unterwegs sind, machen wir am nächsten Parkplatz noch eine Pause, bevor es dann wieder weiter geht.

Es ist erstaunlich wenig Verkehr auf der A7 unterwegs und wir kommen extrem gut durch. Im Verkehrsfunk hören wir, dass es auf unserem letzten Teilstück der A3 vor der Ausfahrt in Wertheim einen Unfall gegeben hat, bei dem im Baustellenbereich ein Fahrzeug die Baustellen-Mittelleitplanke losgerissen und in die Gegenfahrbahn geschoben hat.

Später wird die Meldung geändert und es heißt plötzlich, dass dort ein Riesenstau wegen einer Baustelle ist - klar, wenn da die Leitplanke wieder neu gesetzt werden muss.

suedtirol gardasee toskana 192 20150610 1798095457Wir fahren daher eine Ausfahrt früher von der Bahn und nehmen die letzten 15 Kilometer über Landstraßen. Kurz vor Ladenschluss erreichen wir den Campinghändler. Im Laden finden wir sofort, was wir schon seit langem suchen: Unseren neuen Campingtisch nämlich. Schon seit über einem Jahr suchten wir vergeblich danach. Doch nun gibt es ein nochmal verbessertes Nachfolgemodell und wir schlagen sofort zu. Der Tisch wird noch beim Abendessen zum ersten Mal eingesetzt.

2015060523. Nacht
Wertheim
Stellplatz Expo-Camp
181 m NN
Tageskilometer: 485

 

Samstag, 06.06.2015 - Nachdem es gestern Abend noch lange sehr warm war und wir mal wieder eine tropische Nacht mit Temperaturen über 25 Grad vor uns hatten, fing es am Morgen dann leicht an zu regnen. Das brachte dann auch endlich eine leichte Abkühlung.

Als wir aufstehen, ist der Himmel immer noch bedeckt, aber es zeigen sich auch schon wieder die ersten Wolkenlücken.

Leider kommt heute der Bäckerwagen, der den Stellplatz sonst jeden Tag beliefert aus einem unerfindlichen Grund nicht vorbei. Daher fahren wir kurz zum Autohof an der Autobahnabfahrt. In der Tankstelle bekommen wir frische, noch warme, Brötchen.

Zum Frühstück fahren wir dann nochmal zum Stellplatz zurück, weil wir auch noch einmal durch den Laden bummeln wollen. Erst danach geht es auf die Heimfahrt. Durch einen Stau müssen wir durch, doch den letzten auf dem Kölner Ring umfahren wir durch die Stadt. Wofür kennt man sich hier sonst auch aus.

Tageskilometer nochmal: 289

 Trip-Info:

Abfahrt Km-Stand: 46.489
Rückkehr Km-Stand: 49.752
gefahrene Km: 3.263
Ø-Verbrauch: 11,2 l / 100 km
Ø-Geschwindigkeit: 66 km/h
Fahrzeit: 48h 49 m

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