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Freitag, 23.05.2014

Freitag, 23.05.2014 - Nachdem wir 2011 zuletzt in der Bretagne waren, soll es in diesem Jahr mal wieder in diese schöne Ecke unseres liebsten Reiselandes gehen. Vor drei Jahren hatten wir eine Schleife um die Bretagne gezogen, indem wir im Süden angefangen hatten. An der Nordküste hatten wir uns selber drängen lassen, weil wir noch in die Normandie wollten. Daher hatten wir damals große Teile der nördlichen Felsenküste ausgelassen. Diesen Fehler wollen wir in diesem Jahr wieder gut machen. Für Saint-Malo und auch für die Cote Granite-Rose wollen wir uns diesmal die nötige Zeit nehmen. Und vielleicht bleibt am Ende dann noch etwas Zeit, um über das Tal der Loire wieder in Richtung Heimat zu fahren.

Doch heute Morgen ist das alles noch Zukunftsmusik. Emil steht seit anderthalb Wochen in der Werkstatt in Witten, um den Unfallschaden zu beheben und um eine Solaranlage einzubauen. Darüber kann man übrigens in den gesonderten Artikeln nachlesen.


Großes
Landkarten Verzeichnis auf stepmap.de


Ich habe mir heute schon auf der Arbeit frei genommen und fahre direkt morgens nach Witten, um Emil abzuholen und diesen auch direkt voll zu tanken. Am späten Vormittag bin ich wieder zu Hause und beginne auch direkt mit dem Packen, Fahrräder aufladen, Wasser auffüllen und all den kleinen Vorbereitungen, die vor so einer zweiwöchigen Reise nun einmal nötig sind.

Tina muss bis Mittags arbeiten und fährt direkt zum Einkaufen der frischen Lebensmittel, die wir mitnehmen möchten. Nach unserer Abfahrt von zu Hause fahren wir dann noch schnell zum Discounter und kaufen noch einige Lager-Lebensmittel.

Dann geht es auch schon los. Natürlich gibt es auf dem Kölner Ring den üblichen Stau, was denn auch sonst. Aber wenn man Köln erst einmal hinter sich gelassen hat, wird es deutlich besser. Über Aachen und Lüttich geht es zügig durch Belgien und bis nach Frankreich rein.

In Cambrai machen wir für heute Schluss. Der große Parkplatz des Auchan-Einkaufzentrums bietet viel Platz und garantiert morgen Früh den leichten Einkauf unseres Frühstückbaguettes.

1. Nacht
Cambrai-Escaudeuvres
Parkplatz Auchan
56 m NN
Tageskilometer: 338

Samstag, 24.05.2014

Samstag, 24.05.2014 - Einige Minuten vor Öffnung des Einkaufzentrums um halb neun geht der Rummel der Einkäufer los. Auch wir beenden die Nacht und stehen auf. Wie geplant zieht Tina lost, um das Baguette zu holen.

Nach dem Frühstück düsen wir dann auch direkt wieder los. Als Tagesziel haben wir uns die Bucht des Mont-St.-Michel ausgesucht. In den letzten Jahren sind wir unserem Navi gefolgt und haben die Seine auf der Pont-de-Normandie überquert. Heute versuchen wir mal die Strecke über Rouen und dann südlich weiter über die A13.

Die Durchfahrt in Rouen ist etwas chaotisch, weil die Hauptstrecke gesperrt ist und man einer Umleitung folgen muss. Die einheimischen Pkw-Fahrer schaffen es, auf einer zweispurigen Abbiegespur zu viert nebeneinander abzubiegen, um auf die Umleitung zu gelangen. Doch noch sind wir auf dem nördlichen Ufer der Seine. Es dauert eine Zeit, aber dann kommen wir an eine Brücke und gelangen auf die andere Seite des Flusses. Von hier aus sind wir schnell wieder auf der Autobahn und weiter geht es durch die Normandie.

An verschiedenen Mautstellen mussten wir heute unsere Autobahngebühren entrichten und stellen am Ende fest, dass wir auf der heutigen Route mit 31,50 Euro deutlich weniger als in den letzten Jahren auf der anderen Route bezahlt haben. Natürlich wissen wir nicht, was die Strecke über die Pont-de-Normandie aktuell kostet, aber in den Vorjahren waren es rund 47 Euro.

Im Stellplatzführer finden wir einen Platz in Avranches, der Stadt auf den Hügeln direkt östlich der Bucht von Mont-St.-Michel. Laut Normandie-Führer gibt es von dort oben eine tolle Aussicht auf die Bucht und den im Meer gelegenen Klosterberg.

Also fahren wir dort hinauf. Die Lage des Stellplatzes selber ist ziemlich bescheiden. Er liegt nicht besonders schön und hat ein starkes, lästiges Gefälle. Aber von hier sind es nur ein paar Schritte in die Altstadt und in den vorgelagerten Park Jardin-de-Plants mit seinem Aussichtspunkt.

Wir essen zunächst einmal und machen uns dann auf den Spaziergang. Dabei fängt es ziemlich doll an zu regnen. Am Aussichtspunkt angekommen sehen wir zunächst den Klosterberg noch nicht einmal. Nur eine Orientierungstafel zeigt uns die Richtung, in der die Insel zu finden wäre.

Enttäuscht gehen wir weiter. Doch die Regenwolken ziehen schnell durch und als wir auf dem Rückweg wieder durch den Park gehen, ist die Sicht zumindest so frei, dass man den Umriss des Klosters erkennen kann. Das versöhnt ein wenig und wir gehen zurück zu Emil, um aus dem Regen raus zu kommen.

2. Nacht
Avranches
Stellplatz
78 m NN
Tageskilometer: 456

Sonntag, 25.05.2014

Sonntag, 25.05.2014 - In der Nacht hört der Regen dann auf und am Morgen haben wir strahlend blauen Himmel. Auf dem Weg zum Bäcker gehe ich nochmal durch den Park und habe nun beste Sicht auf die Insel. Zumal die Sonne nun aus östlicher Richtung scheint und uns sozusagen im Rücken steht. Aus dem Grau-in-Grau von gestern Abend ist damit eine schöne bunte Landschaft geworden.

Nach dem Frühstück fahren wir nur eine kurze Strecke. Wir wollen heute nur bis zum Mont-St.-Michel. Was wir nicht ahnen, ist, dass hier heute auf dem Deich eine Marathon-Laufveranstaltung stattfindet. Später sehen wir Startnummern hoch bis in die 5000er.

Jedenfalls ist es dementsprechend voll hier. Wir hatten gelesen, dass es einen neuen Stellplatz geben soll und steuern diesen direkt an. Er ist nur in Teilen belegt und wir beschließen weiter in Richtung der Insel durchzufahren. Vor drei Jahren gab es kurz vor dem Deich einen Campingplatz mit abgeteiltem Stellplatz für Wohnmobile. Da wollen wir eigentlich wieder hin.

Doch wir haben keine Chance. Nicht nur die unglaublichen Menschenmassen im Zusammenhang mit dem Marathon verstopfen alle Straßen und Wege, nein wir werden auch immer wieder von unserer Route abgeleitet.

Alle Wege führen nur noch zum offiziellen Parkplatz, mit dem angeschlossenen Shuttlebus-Abfahrtbahnhof. Wir werden durchgewunken zum P8, wo auch Reisemobile übernachten dürfen. Doch eine Übernachtung soll hier über 20 Euro kosten, was uns entschieden zu teuer ist.

Also kämpfen wir uns noch einmal durch den Stau, nur diesmal in die Gegenrichtung, und checken auf dem neuen Stellplatz ein. Alles ist hier über Geldautomaten und Ein- bzw. Ausfahrtschranken geregelt, so dass ein Platzwart nicht benötigt wird.

Die Anlage des Geländes ist wirklich sehr schön, bzw. geradezu vorbildlich. So fällt die Entscheidung gar nicht so leicht, welchen Platz wir denn nun belegen wollen. Danach gibt es zum ersten Mal in diesem Urlaub unsere bevorzugte Nascherei, die leckeren Erdbeertörtchen Tartes-aux-Fraises.

Später nehmen wir die Fahrräder vom Träger und machen uns auf den Weg zur Insel. Es herrscht immer noch unbeschreibliches Gedränge, weil mittlerweile ein Großteil der Läufer ins Ziel gekommen ist. Und dort ist schließlich üblicherweise immer Party angesagt.

Wir stellen fest, dass es den alten Camping- und Wohnmobil-Stellplatz, auf dem wir vor drei Jahren gestanden hatten, gar nicht mehr gibt. Anscheinend sich immer noch nicht alle Umbaumaßnahmen abgeschlossen und auf dem Gelände wird irgendetwas neues Tolles entstehen.

Auf dem Deich zur Insel selber ist dann aber deutlich weniger Betrieb. Aber sehr viele Menschen unterschätzen die Entfernung vom Festland über den Deich bis zur Insel und machen sich zu Fuß auf den Weg anstatt die Shuttle-Busse zu nutzen. Doch es sind immerhin rund vier Kilometer und manch ungeübter Geher sieht beim Eintreffen am Fuß der Insel schon total erschöpft aus. Und dann folgen ja erst noch die vielen Treppen auf der Insel selber.

Wir dagegen können die Steigungen auf der Insel nach der Anfahrt per Rad locker angehen. Am Ende der Grand-Rue folgt der Eingang zur alten Abtei. Wir zahlen brav unseren Eintritt und klettern weitere Treppen hinauf. Die Aussicht von hier oben auf die Bucht ist wirklich toll.

Dann geht es kreuz und quer durch die Gemäuer, die anscheinend alle irgendwie miteinander verbunden zu sein scheinen. Im Grunde ist das hier oben ein großes Labyrinth. Die Besucherinformationen sind spärlich, ebenso wie fast überall in Frankreich die Ausstellungstücke, die samt und sonders der Revolution zum Opfer fielen und zerstört wurden.

So kann man also auch hier, wie wir es schon in so vielen alten Französischen Gemäuern erlebten, wieder nur die alten Steine bewundern. Nur der Audioguide, den sich Tina die ganze Zeit an Ohr hält, so als würde sie permanent mit dem Handy telefonieren, bringt zusätzliche Informationen.

Nach der Besichtigung machen wir uns auf die Rückfahrt zum Stellplatz und probieren heute erstmals unseren neuen kleinen Gasgrill aus. Nachdem im letzten Jahr der Elektrogrill defekt auf dem Müll gelandet war, hatten wir lange über einen Nachfolger nachgedacht. Letztlich blieben nur zwei Modelle übrige, die in die nähere Auswahl kamen.

Naja, und der Gasgrill war schließlich im Sonderangebot von 89 auf 69 Euro heruntergesetzt worden, so dass wir die Chance genutzt haben, um dort zuzuschlagen. Mittels eines 5m-Anschlussschlauches vom Gaskasten auf der linken Fahrzeugseite wird der Grill nun wie gewohnt vor dem Küchenfenster betrieben.

Vom Grillgut her waren wir nicht wirklich optimal vorbereitet, aber der erste Versuch war schon gelungen. Erst als sich am späten Nachmittag Wolken vor die Sonne schieben, setzen wir uns ins Fahrzeug und verbringen den Rest des Tages mit Lesen und z. B. mit dem Schreiben dieses Berichtes.

3. Nacht
Beauvois / Mont-St.-Michel
Stellplatz
18 m NN
Tageskilometer: 37

Montag, 26.05.2014

Montag, 26.05.2014 - Nach dem Frühstück schockeln wir gemütlich die schöne und heute wenig befahrene Straße Route-de-Baie immer am Wasser entlang. Auf diesem Teilstück gibt es viele Möglichkeiten, sich mit dem Wohnmobil hinzustellen. Wir bleiben einige Male stehen, um die Aussicht zu genießen, fahren aber auch immer relativ schnell wieder weiter.

So gelangen wir schließlich nach St.-Malo, wo wir vor drei Jahren keinen Parkplatz gefunden hatten. Heute dagegen ist viel, viel weniger Betrieb hier, ohne dass wir heute noch den genauen Grund für das Chaos von vor drei Jahren nennen könnten. Jedenfalls bekommen wir heute einen Parkplatz direkt am Hafen und sind so in ein paar Minuten in der Altstadt.

Wir folgen der Empfehlung des Reiseführers und umrunden die Altstadt auf der Stadtmauer. In jeder Richtung bieten sich interessante Ausblicke. Nach Nord-West gelegen befindet sich die Ile-Bé, die bei Ebbe zu Fuß zu erreichen ist.

Auf dem Weg steht ein Feuerwehrmann und versucht die Touristen zu animieren, die Insel so langsam zu verlassen, weil die Flut eingesetzt hat und den Weg in Kürze überspülen wird. Und tatsächlich wird der sicher aussehende Weg innerhalb einer Viertelstunde, in der wir zuschauen können, vom Meer überspült.


Die letzten Touristen werden mit einer Sirene alarmiert und müssen sich schließlich ganz schön beeilen, damit sie mit nassen Füßen das Festland wieder erreichen.

Auch wir setzen unsere Runde auf der Stadtmauer fort und schlendern schließlich noch etwas durch die Gassen. Doch im Gegensatz zur Stadtmauer sind die Gebäude nicht mehr original erhalten, sondern im letzten Weltkrieg zerstört und in einem vollkommen unmittelalterlichen Stil wieder aufgebaut worden. Immerhin bekommen wir aber einen Pin von St.-Malo für unsere Sammlung.

Wir fahren weiter und landen schließlich auf der Halbinsel von St.-Cast-le-Guildo. Der 18-Loch-Golfplatz mit Meeresblick ist nicht unser Fall. Der Parkplatz auf der Steilküste dafür aber schon. Hier werden wir heute übernachten.

Es handelt sich um einen kostenlosen Parkplatz mit offiziellen Wohnmobil-Stellplätzen, von denen aus man einen weiten Blick über die unten liegende Bucht hat. Und sonderlich voll ist es hier auch nicht. Nur zwei weitere Mobile bevölkern bei unserem Eintreffen die rund 40 Stellplätze.

4. Nacht
St.-Cast-le-Guildo
Stellplatz
58 m NN
Tageskilometer: 99

Dienstag, 27.05.2014

Dienstag, 27.05.2014  - Wir sind mittlerweile so weit im Westen, dass es trotz gleicher Zeitzone wie zu Hause erst eine Stunde später dunkel wird. Dadurch verschiebt sich natürlich auch unser Schlafrhythmus und wir gehen für unsere Verhältnisse erst spät um 23 Uhr ins Bett. Dafür schlafen wir Morgen dann auch etwas länger.

Das wiederum passt ganz gut, weil wir ohne Frühstück aufbrechen und der Supermarkt im nächsten Ort Gelegenheit bekommt, auch schon geöffnet zu haben. Eigentlich schmecken die Baguettes aus einer richtigen Boulangerie ja doch besser, aber so ein Supermarkt ist eben doch praktischer und vor allem viel leichter zu finden.

Wir fahren weiter in Richtung Cap-Frehel, wo es uns schon vor drei Jahren sehr gut gefallen hatte. Am Weg liegt eine Entsorgungsstation für Wohnmobile, so dass wir das auch schnell erledigen. Auf der Frehel-Halbinsel fahren wir aber nicht zum Cap und auch nicht zum Fort-la-Latte. Uns hatte es der Strand in der Bucht von Plevenon-Plage angetan.

Wie erhofft ist der Platz immer noch für Wohnmobile zu erreichen und auch fast leer. Wir genießen unser Frühstück bei toller Aussicht über die Bucht mit dem Meer auf das Cap. Dazu kommt, dass die Sonne so richtig rauskommt und die verschiedenen Farbtöne allesamt so richtig schön leuchten. Tina macht ein Handyfoto und schickt es direkt per Whats-App an die Kinder.

Da erfahren wir, dass es zu Hause gerade monsunartigen Regen gibt. Das tut uns natürlich sehr leid, aber wir genießen unseren Sonnenschein hier trotzdem. Wer weiß, wie lange das schöne Wetter hier anhält. Wie war das noch gleich? In der Bretagne scheint jeden Tag die Sonne - meisten so ca. fünfmal.

Nach dem Frühstück bleibt das Wetter erstklassig und wir machen einen langen Standspaziergang bis in die nächste Bucht. Es ist Ebbe und das Wasser läuft immer mehr ab. Mit dem Handy mache ich eine GPS-Aufzeichnung unseres Weges. Nach der Rückkehr verläuft die Linie auf der Karte mitten durch das Wasser.

Zurück am Mobil setzten wir uns noch etwas in die Campingstühle, sonnen uns und genießen die Aussicht. Das ist hier nämlich besser als Kino.

Nach unserem Aufbruch entschließen wir uns zu einem größeren Sprung bis zur Cote-de-Granite-Rose. Das sind 120 Kilometer, die wir überwiegend auf der schnurgeraden und langweiligen Nationalstraße abspulen.

Dann gelangen wir nach Tregastel, wo wir direkt auf den Stellplatz fahren. Zugang gibt es nur mit EC- oder Kreditkarte. Es wird unsere Maestro-Karte akzeptiert. Der Platz liegt vielleicht etwas nah an der Hauptstraße, aber so viel Verkehr wird es hier heute Nacht wohl auch nicht geben. Lauter ist es da im Moment auf der anderen Seite, wo sich die örtliche Tennisanlage befindet.

Wir drehen noch eine kleine Runde mit den Fahrrädern und gelangen zu einem Aussichtspunkt mit schöner Rundumsicht über die Küstenregion. Auffällig sind hier die vielen riesigen Granitsteine, die oft kurios aneinander lehnen oder aufeinander liegen. Einen Stein sehen wir, der so aussieht, als würde er jeden Moment abstürzen. Aber er hält. Wer hat die Steine bloß so aufwändig gestapelt?


Zurück am Stellplatz schmeißen wir wieder unseren kleinen Grill an. Es gibt die kleinen Berner Würstchen am Spieß. Das hat einfach den Vorteil, dass man nicht jedes Würstchen einzeln wenden muss, sondern einfach den ganzen Spieß drehen kann.

Die Dame des Nachbarmobils schmeißt entrüstet ihr Fenster zu, als sie unseren Grill bemerkt. Dabei ist ihr wohl nicht aufgefallen, dass es sich um einen praktisch nicht rauchenden Gasgrill handelt. Uns soll es egal sein. Die Würstchen schmecken trotzdem.

5. Nacht
Tregastel
Stellplatz am Tennisplatz
9 m NN
Tageskilometer: 151

Mittwoch, 28.05.2014

Mittwoch, 28.05.2014  - Der Stellplatz hier in Tregastel ist ja technisch perfekt angelegt und auch sehr funktional, aber er bietet keinerlei Aussicht und ist damit eigentlich nicht die Art Stellplatz, die wir sonst so bevorzugen. Also hält es uns am Morgen auch nicht sonderlich lange hier.

Im Einkaufszentrum gegenüber geht Tina schnell einkaufen und besorgt auch direkt die Sachen für den morgigen Feiertag. Dabei haben wir allerdings die Hoffnung morgen Vormittag auch wieder einen geöffneten Laden, zumindest für das Frühstücks-Baguette zu finden.

Wir folgen der Küstenstraße nach Süden und kommen an einigen schönen Aussichtspunkten vorbei. Immer bieten sich tolle Blicke über die Buchten dieser Küste und bei dem schönen Wetter leuchtet das Meer wunderbar blau.

Als wir die Küste verlassen, fahren wir zum Parc-du-Randome. Hier gibt es Frankreichs ältestes Radioteleskop, dass mit einer riesigen, weißen, kugelförmigen Schutzhülle umgeben ist, die zudem durch leichten Überdruck im Innern schön prall aussieht. Das Ganze sieht sehr futuristisch aus und der Größenvergleich mit Emil macht deutlich, wie groß das Teil ist.

Der Park beinhaltet auch noch ein Planetarium und eine Art Abenteuerspielplatz für Kinder, der sich als Gallisches Dorf präsentiert. Wir machen einen kleinen Spaziergang aber ersparen uns ausführliche Besichtigungen.

Stattdessen fahren wir weiter und ab Lannion wieder an der Küste entlang. Schon früh erreichen wir per Zufall unseren heutigen Übernachtungsplatz. Er bietet eine wirklich richtig tolle Aussicht über die Bucht von Locquirec. Es gibt hier zwar nichts außer dieser Aussicht und die Stellplätze haben so viel Gefälle, dass wir das Mobil trotz der Unterlegkeile in der höchsten Position nicht gerade bekommen. Aber diese kleine Unannehmlichkeit ist die Aussicht wohl wert.

Wir laufen runter zum Strand und wundern uns mal wieder darüber wie schnell hierzulande die Flut einsetzt. Man kann wirklich dabei zuschauen, wie das Wasser immer weiter steigt und steigt. Am Ende schließlich ist der komplette Strand überflutet und all die schönen Sandburgen, die die Kinder am Nachmittag erbaut hatten, sind Opfer des Wassers geworden.

6. Nacht
Plestin-les-Greves
Stellplatz
31 m NN
Tageskilometer: 52

Donnerstag (Himmelfahrt), 29.05.2014

Donnerstag (Himmelfahrt), 29.05.2014 - Als erstes suchen wir uns am heutigen Feiertag eine geöffnete Bäckerei, dann einen schönen Frühstücksplatz und dann wird gefrühstückt. Die Bucht in der wir stehen, war offenbar vor kurzem Ort einer Katastrophe. Die ersten Häuser stehen hier auf einer kleinen Anhöhe ziemlich nah am Meer. Ganz offensichtlich hat es vor noch nicht allzulanger Zeit eine ziemliche Sturmflut gegeben, bei der sich das Meer ein ganzes Stück weit ins das Land hineingefressen hat. Nun sind nicht nur die Gärten weg, sondern die Häuser stehen nun auch ganz nah an der Klippe und drohen anscheinend beim nächsten Sturm dort hinabzustürzen.

Während wir so also zunächst nichtsahnend unser Frühstück genießen, kommen immer wieder Einheimische auf den Parkplatz in der Bucht und begutachten die Situation mit sorgenvollen Blicken.

Wir fühlen uns etwas unwohl im Angesicht dieser schlimmen Situation für die Anwohner und machen uns nach dem Frühstück auch schnell wieder auf den Weg. Helfen können wir nicht, und gaffen wollen wir nicht.

Wir folgen weiter der Küstenstraße mal mehr mal weniger in der Nähe und auf der Höhe des Meeres. An der Nordspitze der Halbinsel gibt es einen weiteren Aussichtspunkt, doch keine Parkplätze für Wohnmobile.

So gelangen wir schließlich in den „Fjord“ von Morlaix. Es handelt sich dabei aber nur um den Fluss, der über viele Kilometer fjordähnlich durch das Tal verläuft. Vor drei Jahren waren wir auf der anderen Flussseite gefahren, als wir auf dem Weg nach Osten waren. Heute sind wir in der anderen Richtung unterwegs und nehmen demzufolge auch die andere Flussseite.

Da wir aber heute den ganzen Tag nur bewölkten Himmel haben, sieht der Fluss durch die Ebbe und den nun sichtbaren Schlammboden ziemlich hässlich aus.

Per Zufall entdecken wir in Morlaix eine VE-Station, die zu einem Intermarche gehört. Das kommt uns gerade recht und wir nutzen diese Möglichkeit.

Als nächstes fahren wir nach St.-Thegonnec, das laut unserem Bretagne-Führer zu den Top-Ten Sehenswürdigkeiten der Bretagne zählen soll. Und zwar gibt es in weiten Teilen des Landes umfriedete Pfarrbezirke, also Bereiche direkt um die Kirchen herum, die mit einer Mauer umschlossen sind und unter anderem dann auch die Friedhöfe und Krypten mit einschließen.

Unter den Bretonischen Dörfern und Städten entstand im Mittelalter eine Art Wettstreit, wer denn nur die schönste Umfriedung hatte. Dabei soll St.-Thegonnec angeblich die Nase ganz weit vorn haben.

Bei unserem Eintreffen stellen wir fest, dass der Ort immerhin schon einmal einen vorbildlichen Stellplatz für Wohnmobile hat, der obendrein auch noch kostenlos zu benutzen ist. Wir parken dort und gehen in den Ort. Die Kirche ist ja immer leicht zu finden. Als wir vor der Umfriedung stehen, fragen wir uns dann aber schon, wie der Autor des Reiseführers dazu kommt, diesen Ort in die Top-Ten zu heben.

Vermutlich besitzen wir zu wenig Kunstverstand, um die großartige Dimension dieser Anlage zu erfassen. Und vermutlich sind wir dabei aber auch nicht die einzigen Kunstbanausen, da die touristische Infrastruktur des Ortes ansonsten nur auf wenige Besucher schließen lässt. Das kann auch der tolle Stellplatz nicht mehr rausreißen.

Wir wenden uns etwas dem Landesinneren zu und fahren weiter in das Zentrum des Finistere. Der Ort Huelgoat soll sehr schön liegen und auf dem Weg liegen die beiden höchsten Berge der Bretagne. Mit 384 Metern darf man aber nicht zu viel erwarten. Wir sind hier nicht höher als bei uns zu Hause im Bergischen Land.

Allerdings hat der jahrhundertelange Raubbau an den Wäldern seine Spuren hinterlassen. Während das Bergische Land noch Wälder hat, ist hier alles kahl und eine Tundra ähnliche Landschaft tut sich auf. Die hat auch ihren Reiz, haut uns aber nicht vom Hocker.

Ganz anders dann aber unser nächstes Ziel. Nur etwas niedriger als die höchsten Berge ist der Menez-Hom mit seinen 330 Metern. Er ist genauso kahl wie die anderen Berge. Aber er liegt schon so nah am Meer, dass sich eine super Aussicht über die ganze Bucht von Douarnenez bietet. Außerdem ist der Berg sozusagen die Wasserkuppe der Bretagne, zumindest was die Modell-Segelflieger angeht.

Am heutigen Feiertag ist dort oben eine Menge los. Gigantisch anmutende Modellsegler werden in die Luft gebracht und gleiten dort am Hang. Das hat nur noch wenig mit meinen kleinen Modellfliegern zu tun, die ich als Jugendlicher gebaut und gesteuert hatte. Die damaligen drei Meter Spannweite würde man hier in der Luft vermutlich glatt übersehen.

Beim Blick von Oben kommt uns die Erinnerung an einen schönen Stellplatz in der Bucht vor Douarnenez, den wir vor drei Jahren für uns entdeckt hatten. Im Logbuch hatte ich die Koordinaten notiert und wir beschließen heute wieder dorthin zu fahren.

Tatsächlich existiert der Stellplatz noch immer und ist auch nur wenig belegt, so dass wir hier für heute unsere Fahrt beenden.

7. Nacht
Plovenez-Porzay
Stellplatz Kervel
18 m NN
Tageskilometer: 171

Freitag, 30.05.2014

Freitag, 30.05.2014 - In der Nacht hatte es angefangen zu regnen. Und auch am Morgen regnet es weiter. Das sieht nach einem total trüben Tag heute aus. Wir beschließen daher, heute Sachen zu erledigen, bei denen das Wetter keine Rolle spielt. Zum Beispiel haben wir in der Woche einige Schmutzwäsche angesammelt.

Das nächstgelegene Einkaufszentrum Super-U verfügt neben einer VE-Station auch über Waschmaschinen und Trockner. Also holen wir dort nicht nur das obligatorische Baguette, sondern erledigen auch gleich alles rund ums Fahrzeug und schmeißen die Wäsche erst in die Waschmaschine und von dort direkt weiter in den Trockner. Die Wartezeit überbrücken wir mit Frühstücken.

Nachdem die trockene Wäsche direkt wieder in die Schränke sortiert wurde, geht es weiter. Von unserer letzten Bretagnereise kennen wir noch den MC Donald in Douarnenez. Bei dem schlechten Wetter wollen wir das dortige kostenlose WLan nutzen und einmal in Ruhe und ohne den Druck von Roaminggebühren die Mails und Infos der letzten Woche durchgehen. Auf dem Weg dorthin finden wir noch die Tankstelle mit dem bisher niedrigsten Dieselpreis auf dieser Reise: 1,279 €/Liter kostet er am Intermarche.

Nach unserem MCD-Besuch, setzt sich auch wieder die Sonne gegen den Regen durch. Aus diesem Grund fahren wir nun doch noch weiter zum westlichsten Kap Frankreichs. Es gibt im Prinzip zwei Felsen, die sich hier ganz weit nach Westen ins Meer schieben. Von vielen wird der Pointe-du-Raz als der westlichste Punkt des französischen Festlandes bezeichnet.

Wir nähern uns von Norden und dort liegt kurz vor dem Pointe-du-Raz der Pointe-du-Van. Der Vorteil dieses Aussichtsfelsens ist, dass man hier noch kostenlos parken kann und gleichzeitig den Blick auf den Pointe-du-Raz hat. Dort ist inzwischen alles sehr kommerzialisiert und wir hatten den dortigen Rummel bereits vor drei Jahren gemieden. Und da wir für uns nicht unbedingt sagen müssen, auf dem westlichsten Punkt Frankreichs gestanden zu haben, fällt der Verzicht relativ leicht.

Wir machen stattdessen einen ausgiebigen Spaziergang über den Felsrücken des Pointe-du-Van. Hier oben ist es aber tatsächlich immer noch nicht so richtig sonnig. Die sonst übliche farbliche Intensität dieses Ortes fehlt noch. Teilweise sieht der Himmel noch richtig bleiern aus.


Auf der Weiterfahrt gelangen wir nach Audierne. Diese kleine Hafenstadt kennen wir natürlich auch noch von unserer letzten Reise. Damals hatten wir aber nur die Entsorgung genutzt und waren dann direkt weitergefahren. Dabei gibt es hier am Hafenbecken einen relativ großen Stellplatz. Der ist auch fast komplett belegt, aber wir finden noch einen schönen Platz und beschließen, für heute hier zu bleiben. Nur eine Spazierrunde durch den Ort werden wir noch unternehmen.

8. Nacht
Audierne
Stellplatz am Hafen
4 m NN
Tageskilometer: 78

Samstag, 31.05.2014

Samstag, 31.05.2014 - Für den heutigen Tag kündigt meteo.fr schon seit Tagen sonniges Wetter bei 20 Grad an. Und so wie es aussieht, haben sich die Meteorologen diesmal nicht geirrt. Direkt von heute Morgen an scheint die Sonne und es wird immer wärmer.

Tina ist heute mit dem Einkaufen des Baguettes unterwegs und stellt fest, dass in Audierne heute Markttag ist. Wir wollen zwar nichts kaufen, aber es ist immer schon über die lebendigen und bunten Märkte zu bummeln, so dass dies nach dem Frühstück für heute unsere erste Unternehmung wird.

Danach steuern wir in Richtung Pointe-de-Penmarc’h, wo wir den Leuchtturm Phare-de-Eckmühl bereits kennen.

Kurz vor Penmarc’h biegen wir nach rechts ab in Richtung Meer. Am Pointe-de-la-Torche gibt es ein Surferparadies und einen Aussichtpunkt. Am Aussichtspunkt steht ein altes steinzeitliches Dolmen-Grab. Außerdem blickt man auf die Leuchttürme nur etwas südlich, während im Westen bis Amerika nichts mehr kommt. Das ist wohl auch der Grund, warum hier in der Gegend das atlantische Tiefsee-Telefonkabel, das Amerika und Europa verbindet, aus den Fluten auftaucht.

In den Buchten südlich und nördlich des Pointe-de-la-Torche gibt es zwar Surferwellen, in denen sich an diesem sonnigen Samstag sehr viele Surfer versuchen, aber nach unserer Reise zur Französischen Atlantikküste vor zwei Jahren, sind wir doch noch etwas andere Wellen gewohnt, so dass wir nicht wirklich beeindruckt sind.

Das ist natürlich unfair, denn die hiesigen Surfer haben offensichtlich auch ihren Spaß. Wir selber begnügen uns damit, einmal mit den Füßen ins Wasser zu gehen. Ohne Neopren möchten wir hier sicher nicht ins Wasser, auch wenn andere hier schon am baden sind.

Weiter geht es zum Leuchtturm Eckmühl, bei dem wir praktisch nur eine Stippvisite machen. Danach fahren wir noch ein paar Kilometerchen weiter zum Stellplatz von Penmarc’h-Kerity. Er liegt auf der einen Seite zwar direkt an der Straße, ist auf der anderen Seite aber nur 50 Meter vom Badestrand entfernt.

Auch hier teste ich nochmal die Wassertemperatur und entscheide mich gegen ein Bad. Wir begnügen uns damit, uns auf der Picknickdecke etwas in die Sonne zu legen. Zumindest so lange bis sich plötzlich erste Wolken vor die Sonne schieben. Für eine gewisse Zeit sieht es so aus, als sollte es heute noch Gewitter geben.

Als sich die Wolken wieder auflösen sind wir bereits am Grillen und genießen unsere Abendessen. Während des Essens kommt auch ein Mitarbeiter der Gemeinde vorbei und kassiert die Stellplatzgebühr. Vor drei Jahren hatten wir die Nacht hier dagegen kostenlos verbracht, weil niemand kassiert hatte. Wir brauchen heute aber auch nicht nachzahlen. ;-)

9. Nacht
Penmarc’h-Kerity
Stellplatz
1 m NN
Tageskilometer: 56

Sonntag, 01.06.2014

Sonntag, 01.06.2014 - Heute folgen wir so gut es geht dem Verlauf der südlichen Küste der Bretagne in östlicher Richtung. Als erstes suchen wir einen Platz mit schöner Aussicht, wo wir frühstücken können. Schon kurz nach dem Start werden wir fündig. Es gibt eine flache Düne und dahinter erstreckt sich das Meer.

Vom Wohnzimmer unserer rollenden Villa aus schauen wir über die Düne hinweg. Eine Besichtigung zeigt aber, dass der Blick über die Düne schöner ist, als der Bereich der sich direkt dahinter verbirgt. Es gibt nur einen winzigen Sandstrand und ins Wasser müssen Schwimmer über glitschige Steine klettern. Kurz hatte ich ja die Idee, hier eine Runde schwimmen zu gehen, lasse es dann aber auch gerne wieder sein.

Auf der folgenden Strecke kommen wir an einigen „Pointe“ vorbei. Manche sind sogar recht schön, einige laden zum Baden ein aber keiner bietet Stellplätze für Wohnmobile, legale Stellplätze versteht sich.

Später am Tag wird die Sache durch die einheimischen Sonntagsausflügler erschwert. Wegen des schönen Wetters scheint heute die halbe Bretagne unterwegs ans Meer zu sein. An den schönsten Punkten ist es daher brechend voll.

Wir eiern eine ganze Zeit kreuz und quer herum auf der Suche nach einem schönen Standplatz. Pont-l’Abbe und Benodet lassen wir auf diese Weise hinter uns. Doch kurz vor Concarneau werden wir auch mit unserem großen Fahrzeug fündig. Am Cap-Coz gibt es einen schönen Sandstrand und direkt anschließend an der Straße finden wir einen Parkplatz.

So kommen wir dann doch noch dazu, heute eine Zeit lang am Strand herumzuliegen. Weiter als bis zu den Knien geht es aber auch heute noch nicht ins kalte Meereswasser.

Den Stellplatz in Concarneau kennen wir noch von vor drei Jahren. Wir haben ihn als äußerst unattraktiv in Erinnerung und stellen uns für die Nacht daher lieber auf dem Parkplatz eines Intermarche.

Unterwegs suchen wir dann noch einen MC Donald auf. An diesem Wochenende findet zu Hause ein Bezirks-Ranglistenturnier statt. Ein begeisterter Vater hatte schöne Fotos von den Kindern und den gestrigen Siegerehrungen geschickt.

Insgesamt aber leider fast 100MB, die mir in kürzester Zeit meinen Roamingtarif auf dem Handy ausgebremst hatten. Daher war ich heute zunächst nicht online. Dabei wollte ich doch gerne wissen, wie die heutigen Spiele ausgegangen sind. Also mussten wir dann doch mal wieder bei MCD einen Zwischenstopp einlegen, wo es ja in ganz Frankreich kostenloses WLan-Internet gibt.

Morgen geht es dann nach Corcarneau. Die Altstadt auf der Insel ist sicherlich nochmal eine Besichtigung wert. Außerdem hat Tina die in der Bretagne spielenden Kriminalromane von Jean-Luc Bannalec entdeckt. Kommissar Dupin ist in Concarneau stationiert. Er stammt aus Paris und wurde hierher zwangsversetzt. In die Erzählungen fließt auch immer viel von der Sichtweise der Franzosen und der Bretonen selber mit ein. Da müssen wir morgen doch selber einmal schauen, ob das alles so stimmt.

10. Nacht
Concarneau
Parplatz Intermarché
21 m NN
Tageskilometer: 97

Montag, 02.06.2014

Montag, 02.06.2014 - Gesagt getan, wir fahren direkt nach dem Frühstück rein nach Concarneau und parken am dortigen Bahnhof. Dabei handelt es sich auch um einen Stellplatz, aber die Gegend ist nicht wirklich Vertrauens einflößend, so dass wir dort nicht übernachten wollten.

Bis in Zentrum sind es nur ein paar Schritte. Am Hafen fallen uns einige Lkw und Wohnmobile von deutschen Verleihfirmen auf. Die letzten haben ihre Klappen geöffnet und das Equipment eines Kamerateams wird sichtbar.


Dann an der Ecke zum Marktplatz stehen wir direkt vor dem Cafe l’Amiral. Dieses Cafe spielt in den Kriminalromanen eine zentrale Rolle, weil Kommissar Dupin sich dort vorzugsweise aufhält. Und genau dort ist auch das Kamerateam unterwegs und dreht im Cafe. Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Die Dupin-Bücher werden gerade verfilmt. Na da sind wir ja schon auf die Erstausstrahlung im Fernsehen gespannt.

Kurz nach unserem Eintreffen ist der Dreh aber auch schon beendet und das Kamerateam verschwindet recht schnell.

Wir dagegen bleiben noch etwas und besichtigen die Ville-Close, die Altstadt von Concarneau, die innerhalb einer Vauban-Festungsmauer auf einer kleinen Insel der heutigen Stadt vorgelagert liegt.

Wir sind erstaunt, wie wenig Touristen hier heute unterwegs sind. Gut, es ist noch früh am Tage, aber bei unserem letzten Besuch, wurden wir regelrecht in einer Menschenmasse durch die engen Gassen gespült. Der Unterschied ist gewaltig, aber auch nicht schlecht. So kann man wenigstens mal in Ruhe stehen bleiben und schauen.

Natürlich gibt es hier nur Cafes, Restaurants und die üblichen Touristenläden. Schön bunt und nett anzuschauen ist das aber auf jeden Fall.

Leider haben wir heute etwas Pech mit dem Wetter. Schon die Meteorologen hatten für heute bedeckten Himmel, Regen und praktisch keine Sonne vorhergesagt. Und ich hasse es, wenn die Meteorologen mit solchen Vorhersagen auch noch Recht behalten.

Von Concarneau geht es dann weiter nach Pont-Aven. Hier geschah der Mord in Dupins erstem Roman. Den Tatort, das Hotel Central, gibt es zwar nicht, aber das größte Hotel am Platz kommt den Beschreibungen im Roman schon recht nahe.

Pont-Aven sonnt auch heute noch in der Popularität der Malerschule rund um Paul Gaugin, die dort um 1880 entstanden ist. Alle paar Meter gibt es eine Galerie, in der mehr oder wenige gelungene Bilder ausgestellt werden, die allesamt aber Fußnoten zu den alten Malern darstellen. Dazwischen liegen dann noch jede Menge Restaurants, denn die Reisbusladungen mit den Touristen wollen ja auch schließlich versorgt werden.

Wir fahren weiter ostwärts und mit der Brücke über den Fluß Anse verlassen wir auch wieder das Finistere und gelangen in das Departement Morbihan.

Weiter geht es entlang der Küstenstraße und wir erkennen einiges von unserer Fahrt von vor drei Jahren wieder. So finden wir auch wieder einen versteckten Stellplatz direkt am Meer mit Blick auf die Ile-de-Groix, wo wir unsere Fahrt für heute beenden und den Nieselregen aussitzen werden.


Und tatsächlich reißt am Abend die Wolkendecke erstmals wieder auf. Zwischendurch war noch nicht einmal mehr die vor uns liegende Insel im Dunst zu erkennen. Für die nächsten Tage soll das Wetter wieder besser werden, so dass wir uns nun auf die Halbinsel Quiberon, die Steinreihen von Carnac und den Golfe-du-Morbihan freuen.

11. Nacht
Ploemeur-Kerroc‘h
Stellplatz
12 m NN
Tageskilometer: 64

Dienstag, 30.06.2014

Dienstag, 30.06.2014 - Frühstück gibt es heute erst wieder nach der ersten Einkaufsmöglichkeit, die aber nicht lange auf sich warten lässt. Danach müssen wir erst einmal die Stadt der ehemaligen Ostindien-Kompanie, Lorient, umfahren. Auf Großstadt haben wir keine Lust.

Stattdessen verschlägt es uns zunächst einmal auf die schmale Halbinsel Quiberon. Hier gibt es eine Stelle, die so schmal ist, dass nur die Straße und die Bahnlinie nebeneinander geführt werden können.

Die Westküste mit ihrer zerklüfteten Cote-Sauvage kennen wir schon, wollen sie uns aber gerne nochmal anschauen, weil sie wirklich sehr beeindruckend ist. Leider ist es mit den Halteverboten an der Straße noch schlimmer geworden und mit dem Reisemobil kommt man kaum zum Stehen.

Trotzdem legen wir im mittleren Abschnitt einen Fotostopp ein. Gestern scheint es auf dem Meer einen Sturm gegeben zu haben. Es rollen recht große Wellen heran, die an den Steinklippen brechen und sich mit lautem Getöse in weißen Schaum auflösen.


Am Ende der Halbinsel liegt die Stadt Quiberon. Hier finden wir einen Parkplatz und drehen eine Runde zu Fuß durch den Ort. Offenbar hat auch hier vor kurzem ein Sturm gewütet und Teile der Strandpromenade weggerissen. Mehrere Bautrupps sind damit beschäftigt, die Schäden zu reparieren. Dabei werden sie vermutlich etwas Zeitdruck haben, weil am Wochenende die französische Pfingst-Reisewelle droht. Und die ist bekanntlich nicht ohne, weil wirklich fast ganz Frankreich unterwegs ist.

In einem Zeitschriftenladen sehen wir einen Ständer voll mit Zeitschriften über den bevorstehenden 70. Jahrestag des D-Day. Auch der Spiegel hatte dieses Jubiläum zum Anlass genommen noch einmal auf die historische Bedeutung dieses Tages hinzuweisen, wenn auch sicherlich aus etwas anderem Blickwinkel als das die französischen Zeitschriften tun. In drei Tagen ist es soweit. Wir sind schon gespannt, wie der Tag laufen wird. Wir freuen uns ja mit ganz Europa über diesen Befreiungstag, aber wie gehen die Franzosen uns gegenüber damit um?

Nach der Quiberonrunde fahren wir wieder Richtung Inselausgang. Im nördlichen Teil hatten wir auf der Anfahrt an der Ostküste einen Reisemobilstellplatz gesehen, den wir recht verlockend fanden. In diesem Bereich gibt es kilometerlange weiße Sandstrände.

Als wir an dem Stellplatz ankommen, stellt sich leider heraus, dass der Zufahrtsautomat defekt ist und ohne den gibt es keine Zufahrt. Ein Platzwart ist verzweifelt bemüht, mit einem Handy am Ohr, den Defekt anhand der telefonischen Anweisungen wieder zu beheben. Wir warten ein paar Minuten und als er immer wieder die gleichen erfolglosen Handgriffe vollführt, entschließen wir uns dann doch zur Weiterfahrt. Das Ganze wirkt so unprofessionell, dass wir heute nicht mehr mit einer Reparatur rechnen.

Durch Carnac hindurch, nur mit einem kurzen Blick auf die eingezäunten Steinreihen, fahren wir weiter zum Golfe-du-Morbihan. Wie vor drei Jahren quartieren wir uns auf dem Campingplatz in Locmariaquer ein. Hier gibt es mittlerweile sogar kostenlosen WLan-Zugang, so dass wir nach grillen, Essen und Duschen sicherlich noch eine Zeitlang beschäftigt sein werden.

12. Nacht
Locmariaquer
Camping La Falaise **
11 m NN
Tageskilometer: 124

Mittwoch, 04.06.2014

Mittwoch, 04.06.2014 - Mensch, hat das geregnet heute Nacht! Für die nächsten Tage ist ja schönes Wetter angesagt, aber zum Abschied wollte das Tiefdruckgebiet wohl nochmal so richtig zeigen, was es drauf hat. Wir sind froh, dass unser Auto dicht ist.

Als wir dann am Morgen aufstehen ist es kühl, ein starker Wind hat eingesetzt, aber es gibt schon mehr blauen Himmel als Wolken. Wir hatten gestern in der Camping-Rezeption Prospekte mitgenommen, um uns über Bootsrundfahrten im Golfe-du-Morbihan zu informieren. Heute Morgen dann ist uns die Sache in Anbetracht des Wetters doch zu unsicher und wir entschließen uns zur Weiterfahrt.

Ohne Umschweife geht es heute einmal rund um den Golfe-du-Morbihan. Wir streifen die Städte Auray und Vannes, ziehen aber einfach daran vorbei. Unser Tagesziel ist das Ende der Halbinsel Presqu’ille-de-Rhuys mit dem Ort Arzon.

Dieser liegt gegenüber von Locmariaquer unserer gestrigen Station an der Einfahrt zum Golfe-du-Morbihan. Luftlinie ist das vermutlich weniger als zwei Kilometer von unserem gestrigen Camping-Übernachtungsplatz entfernt, mit dem Auto über die Straßen sind es jedoch rund 65 Kilometer zu fahren.

Kurz vor Arzon machen wir dann aber doch noch zwei Zwischenstopps. Zum einen interessiert uns das Chateau-de-Suscino, das lange Zeit Sitz der Herzöge der Bretagne war und seit 30 Jahren aufwändig restauriert wird. In einem der Säle ist ein kleines „Kino“ eingerichtet, wo in einer Endlosschleife ein Filmbericht über die Restaurierungsarbeiten läuft. Alles natürlich auf Französische, so dass wir nur einen Teil davon verstehen, aber die Bilder sprechen eigentlich auch für sich.

In den 1970er-Jahren war das Schloss nur noch eine Ruine. Doch dann begannen die Arbeiten und etliche Handwerker, Steinmetze, Zimmerleute und andere stellten das Schloss wieder im ehemaligen Zustand her, soweit er sich nachvollziehen ließ.

So kamen die Steine aus den gleichen Steinbrüchen wie die Originale ebenso wie die Dachschindeln aus Schiefer. Die Dachstühle wurden originalgetreu neu gebaut. Allerdings mit heutigen modernen Maschinen und nicht als Experiment mit historischen Werkzeugen.

Trotzdem besichtigen wir wieder mal ein historisches französisches Gemäuer, wo es keine Inneneinrichtung gibt. Wo bei uns in ähnlichen Anlagen auch die Räume originalgetreu wiederhergestellt wurden, bleibt es in Frankreich nackt und man blickt auf die Steine.

Trotzdem sortieren wir die Besichtigung in die Kategorie der lohnenswerten ein. Aus vielen Perspektiven bietet das Schloss eine prima Kulisse.

Rund zwei Stunden brauchen wir für die Besichtigung, bevor wir weiterfahren. Am Weg, kurz vor Arzon, liegt noch ein steinzeitlicher Grabhügel mit dem Namen Tumiac. Er soll 20 Meter hoch sein und eine tolle Rundumsicht auf das Meer und den Golfe-du-Morbihan bieten.

Die Rundsicht soll so toll sein, dass der Legende nach Julius Cäsar persönlich schon dort oben gestanden hat, um die Seeschlacht seiner Galeeren gegen die Veneter zu beobachten. Naja, bei der Legende, müssen wir natürlich auch dort hinauf klettern. Aber ehrlich gesagt, nachdem wir dort oben waren, hege ich doch einige Zweifel an der Geschichte mit Julius Cäsar.

Nach dem Grabhügel sind es nur noch ein paar hundert Meter und wir erreichen den Stellplatz von Arzon. Es handelt sich um ein extra Gelände nur für Reisemobile mit Computer gesteuerter Zufahrt. Die Zahlung der Stellplatzgebühr muss per EC-Karte entrichtet werden, dann öffnet sich das Einfahrttor. Schön ist hier, dass nicht nur der Stromanschluss, sondern auch wieder WLan inklusive sind.

Wir machen uns erst einmal einen Kaffee und gehen dann noch eine Runde in den Ort zum Hafen Port-du-Crouesty, wo es eine lange Hafenpromenade gibt. und die Boote so dicht stehen, dass man fast wie vor eine Wand schaut.

13. Nacht
Arzon
Stellplatz
16 m NN
Tageskilometer: 78

Donnerstag, 05.06.2014

Donnerstag, 05.06.2014 - Während gestern Abend noch ein heftiger Sturm wehte, vor allem am Yachthafen, wo wir ja noch waren, hat sich der Wind über Nacht gelegt. Zunächst ist es noch etwas kühl, aber im Laufe des Tages wird es immer wärmer.

Wegen der Kühle lassen wir eine eventuell vorgesehene Fahrradtour heute auch ausfallen. Statt dessen muss Emil innen mal wieder etwas gründlicher sauber gemacht werden. Und hier auf dem Stellplatz haben wir ja auch den erforderlichen Stromanschluss für unseren kleinen Staubsauger. Also beginnt der Tag nach dem Frühstück mit Teppichklopfen, Staubsaugen und ähnlichem.

Danach fahren wir noch ganz durch auf der Landspitze der Halbinsel. Dort gibt es noch einen weiteren Hafen ganz am Ende. Es handelt sich nicht um einen weiteren Yachthafen, sondern den „Arbeitshafen“ mit Fähranlegern und Fischerbooten. Es gibt hier auch keine Flaniermeile sondern nur zwei Restaurants, die allerdings einen recht guten Eindruck von außen machen.

Wir spazieren über die Landzunge mit dem Leuchtturm, den man auf einem schönen Fußweg in großem Bogen umrunden kann. In jeder Richtung hat man hier schöne Ausblicke aufs Meer und vor allem auf die Einfahrt zum Golfe-du-Morbihan, die hier wohl kaum einen Kilometer breit sein kann. Wie schon gestern geschrieben, die Stelle auf der anderen Seite, die dort zum Greifen nahe liegt, ist immerhin rund 65 Kilometer weit „entfernt“, wenn man über Straßen dort hingelangen will.

Wieder in Gegenrichtung fahrend, biegen wir noch kurz nach St.-Gildas-de Rhuys ab. Dort hatte der Heilige im Jahre 530 die älteste Abtei der Bretagne gegründet. Von der alten Abteikirche sollen noch Reste übrig sein und sich nun in der jetzigen Pfarrkirche befinden. Doch leider weißt in dem kleinen Ort nichts auf die eigentlich recht bedeutende Stelle hin. Laut Reiseführer kann dies daran liegen, dass der Heilige hier zwar gewirkt hat, aber in seiner Autobiographie darüber geschrieben hat, wie sehr er das Land und seine Bevölkerung hasst. Anscheinend sind Bretonen doch nachtragend.

Wir beschließen, jetzt nicht mehr jede Bucht auszukurven, sondern einen Sprung auf die letzte Halbinsel im Südosten der Bretagne zu machen. Dort hoffen wir auf eine schöne Badebucht mit einen für Reisemobile passenden Parkplatz, vielleicht sogar zur Übernachtung.

Hinter dem kleinen Hauptort der Halbinsel, Penestin, beginnt die Detailsuche. In den ersten Buchten finden wir zwar Sandstrände, aber immer auch Einfahrtbalken quer über den Zufahrten, so dass wir mit Emil nicht darunter durch passen.

Es dauert eine ganze Zeit, dann kommen wir aber doch an einen schönen Platz, der uns gut passt. Es gibt keinen Einfahrtbalken, weil das hier von der Anlage der Parkflächen nicht geht. Also bleiben wir hier erst einmal stehen und gehen an den Strand.

Es ist gerade Ebbe und ich muss weit laufen, um zumindest mal wieder mit den Füßen im Meer zu stehen. Im Prinzip hätte ich das schöne Wetter gerne genutzt, um doch noch mal eine Runde zu schwimmen, aber durch den niedrigen Wasserstand schauen überall Felsen aus dem Wasser. Hier zu schwimmen könnte recht schmerzhaft werden.

Also sitzen, liegen, lesen und/oder dösen wir einfach nur ein wenig auf unserer Picknickdecke, die wir im Sand ausgebreitet haben. Für unsere Verhältnisse halten wir es sogar recht lange in der Sonne aus, weil es durch den ständigen Wind vom Meer her sehr angenehm ist. Als wir die direkte Sonne verlassen wird es wohl auch Zeit dafür, damit wir hier ohne Sonnenbrand wieder wegkommen.

Ansonsten haben wir beschlossen, tatsächlich hier zu übernachten, sofern nicht noch ein Ordnungshüter auftaucht und uns zur Abreise auffordert.

14. Nacht
Penestin
Stellplatz am Pointe-de-Loscolo
5 m NN
Tageskilometer: 80

Freitag, 06.06.2014 (70 Jahre D-Day)

Freitag, 06.06.2014 (70 Jahre D-Day) - Zum Frühstücken fahren wir nochmal zur Barrage-d’Arzal, wo die Straße über den Staudamm verläuft. Gleichzeitig hat die Staumauer aber auch eine Schleuse, um den Booten des Flusses Vilaine bei Ebbe oder Flut die Fahrt zum Meer zu ermöglichen. Und damit die Boote dann auch in die Schleuse fahren können, handelt es sich bei der Brücke über der Schleuse um eine Hebebrücke.

Einerseits haben wir also bei unserem letzten Frühstück in der Bretagne einen schönen Blick sowohl auf den Stausee wie auch die Bucht, in der sich Ebbe und Flut betätigen. Andererseits wird auch noch ein gewisses Spektakel geboten, wenn die Hebebrücke hoch- und die Boote darunter hindurch fahren.

Danach erreichen wir nach kurzer Zeit die „Grenze“ und verlassen die Region Bretagne. Nun befinden wir uns in der Region Pays-de-la-Loire. Konkret wechseln wir vom Departement Morbihan in Departement Loire-Atlantique. Oder auch vom Departement 56 in die Nummer 44, wie man unschwer an den Nummern auf den Autokennzeichen erkennen kann.

Dabei gibt es im Departement 44 durchaus noch eine Menge Menschen, die sich als Bretonen fühlen und ihr Department lieber an die Region Bretagne angeschlossen hätten. Ob die aktuell in Frankreich auf politischer Ebene geführte Diskussion über die Zusammenlegung verschiedener Regionen und Reduzierung auf nur noch 14 statt der bisherigen 22 dem Wunsch dieser Bretonen entgegen kommt, weiß ich natürlich nicht.

Aber einige scheinen ihren Wunsch auch auf den Autokennzeichen zum Ausdruck bringen zu wollen. Sie haben sich Aufkleber auf ihre Kennzeichen geklebt, die sowohl die Departementnummer 44 wie auch die Flagge der Bretagne tragen. In Deutschland würde man das Überkleben der offiziellen Siegel wohl als Urkundenfälschung oder zumindest Kennzeichenmissbrauch ansehen. Hier aber fahren so viele Autos damit rum, dass es wohl eine nicht zu schaffende Arbeit wäre, das durch die Polizei verfolgen zu lassen.

Für uns geht es jetzt darum, auf dem Weg an die Loire um die Großstädte St.-Nazaire, Nantes und Angers herumzukurven. Tina findet dank der Michelinkarten den richtigen Weg und wir stoßen bei Ancenis auf die Loire und wechseln auch direkt an südliche Ufer.

Dann fahren wir nur noch bis Chalonnes-sur-Loire, wo wir uns auf dem Stellplatz einquartieren. Dieser gar nicht mal so kleine Ort zeichnet sich dadurch aus, dass es hier außer dem Stellplatz direkt am Loireufer für uns nichts Interessantes gibt.

Ja ehrlich, eigentlich hat hier doch jedes Dorf eine Burg, ein Schloss oder eine alte Kirche. Aber dieser Ort hier hat nichts davon. Auch keinen Yachthafen, keine Cafes oder besondere Einkaufsmöglichkeiten und schon gar keine regionalen Spezialitäten. Kaum zu fassen, ein Ort, der eigentlich gar keinen Tourismus bräuchte, wenn er nicht am großen Fluss liegen würde.

15. Nacht
Chalonnes-sur-Loire
Stellplatz Pontes-de-la-Loire
10 m NN
Tageskilometer: 170

Samstag, 07.06.2014 (Pfingstsamstag)

Samstag, 07.06.2014 (Pfingstsamstag) - Für den Resturlaub haben wir nun einen kleinen Plan gemacht. Wir wollen so fahren, dass wir am Montag wieder zu Hause sind. Da wir beide den Dienstag noch frei haben, können wir die notwendigen Aufräumarbeiten mit größerer Ruhe durchführen.

Das bedeutet, dass wir noch den Samstag und den Sonntag haben, um die Loire zu erforschen. Das ist natürlich viel zu wenig, so dass wir uns den Reiseführer schnappen und unsere Prioritäten festlegen. Heute soll es zuerst zur Abbaye-de-Fontevraud und dann zum Schlossgarten von Chateau-Villandry gehen.

Nachdem es in der Nacht stark geregnet hat, geben wir unseren Stellplatz unter den Bäumen auf und fahren direkt zum Super-U, kaufen unsere Baguettes und frühstücken direkt dort. Dann noch schnell zur Entsorgung und los geht’s.

Ich würde gerne die Straße so nah wie möglich immer am Fluss entlang nehmen. Aber meine Vorstellung von der Loire stimmt mit der Realität nicht überein. Nur relativ selten kann man von der Straße aus den Fluss sehen. Erst die letzten Kilometer vor Samur entsprechen meiner Vorstellung.

Die Loire ist hier sehr breit und fließt über viele Sandbänke und um viele Inseln herum. Auf Schlösser und Burgen wartet man hier direkt am Fluss allerdings vergeblich.

In Samur wird der Verkehr umgeleitet und wir gelangen zur Burg, die auf einer Anhöhe oberhalb der Stadt liegt. Es gibt hier einen Reisemobilstellplatz, wo wir parken. Bis zum Aussichtspunkt hinunter auf den Fluss sind es nur ein paar Schritte. Ich mache nur schnell ein paar Fotos, dann fahren wir weiter. Samur stand schließlich nicht auf unserer Liste für heute.

Die Abbaye-Fontevraud erreichen wir über kleine Nebenstraßen. Irgendwie ist der ganze Ort mit der Abtei verwachsen. Für Reisemobile gibt es Ableitungen zu einem speziellen Stellplatz. Er scheint weit außerhalb zu liegen, aber als wir losgehen, bemerken wir einen kleinen Fußweg, der uns direkt und auf kurzem Weg zur Abtei führt.

Es ist heute so heiß, dass ich eigentlich gar keine richtige Lust auf eine Besichtigung habe. Aber Tina lässt sich nicht beirren. Wir kaufen die Tickets und natürlich nimmt Tina auch wieder einen Audioguide, womit sie dann wieder „telefonierend“ durch die Abtei läuft.

In der Abteikirche gibt es vier Grabmale, allesamt bekannte Königsgräber. Vor allem Richard Löwenherz dürft vielen bekannt sein. Aber auch Heinrich II von England, Eleonore von Aquitanien und Isabelle von Angouleme sind ja nicht ganz unbekannt.

Wie üblich, ist hier fast alles in der französischen Revolution zerstört worden, was vielleicht einmal an Kunstschätzen vorhanden war. Ich wundere mich immer wieder darüber wie viel Wut und Hass die damalige Bevölkerung aufbringen konnte, dass sie derart zerstörerisch vorgegangen ist. Hier in dieser Abtei sind so wenige Stücke erhalten geblieben, dass ein einziger kleiner Raum ausreicht, um sie auszustellen.

Der „Tresor“ beinhaltet ein paar wenig beeindruckende Originale, die den Raum kaum zu füllen vermögen. Überhaupt blieb die Abtei nur aus einem Grund vor der totalen Zerstörung bewahrt. Sie wurde nach der Revolution nämlich zu einem großen Gefängnis umgebaut, was sie bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts auch blieb. Erst danach begann man so langsam mit den Restaurierungen, die auch immer noch andauern. Anscheinend werden sich auch die Franzosen erst so langsam bewusst, welche Schätze sie doch eigentlich hätten.

Wir jedenfalls reisen nach unserer Besichtigung weiter zum nächsten Ziel. Das Schloss Villandry ist vor allem durch seine nach französischer Art angelegten Gärten berühmt und sehenswert. Es gibt verschiedene Gartenthemen, die alle geometrisch in besonderer Form aufgearbeitet wurden.

Wir spazieren durch die Gärten, suchen die Blickachsen und machen ein paar Fotos. Aber hier ist alles so grün, dass die Kamera total irritiert wird und die Fotos mit einem starken Gelbstich aufzeichnet. Aber liebe Kamera, es stimmt, es war wirklich alles so unglaublich grün. Und natürlich auch bunt, wo immer die entsprechenden Pflanzen hingesetzt wurden.


Als wir mit unserer zweiten Besichtigung fertig sind, müssen wir uns nun aber wirklich nach einem Übernachtungs-Stellplatz umschauen. Der Stellplatzführer kennt einen Platz hinter Tours, aber als wir dort eintreffen ist der bereits überbelegt.

Also fahren wir weiter und haben auf einmal die Stadt Amboise mit ihrem ehemaligen Königsschloss vor uns. Über den Fluss hinweg schauen wir mit der tiefstehenden Sonne im Rücken, so dass die Gebäude herrlich leuchten.

Nach den notwenigen Fotos fahren wir zum Stellplatz, der praktisch mitten in der Stadt liegt. Wir finden ihn in einer Art Hinterhof, der uns normalerweise sicher nicht ganz geheuer wäre. Aber es sind schon viele Mobile hier und nur noch zwei Plätze frei. Also schnell eingeparkt und schon sind wir am Ziel.

Fast habe ich ein kleines bisschen ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht mehr ins Stadtzentrum aufbrechen und dadurch bestimmt auch Sehenswertes verpassen. Aber wir sind heute lange unterwegs gewesen und haben Hunger. Also nur noch schnell etwas Leckeres gekocht und ansonsten nichts mehr unternommen. Im Reiseführer lesen wir uns noch etwas an, was es so über Amboise zu wissen gibt. Zum Beispiel, dass hier Leonardo da Vinci seine letzten Lebensjahre verbracht hat.

16. Nacht
Amboise
Stellplatz Av.-Leonardo-da-Vinci
68 m NN
Tageskilometer: 176

Sonntag, 08.06.2014 (Pfingstsonntag)

Sonntag, 08.06.2014 (Pfingstsonntag) - Heute Nacht haben schon wieder kräftige Regenschauer für Abkühlung gesorgt. Als dann die Sonne aufgeht, ist noch alles feucht und direkt liegt wieder eine drückende, hohe Luftfeuchtigkeit in der Luft.

Wie geplant, fahren wir heute also zunächst nach Blois. Der für uns interessante Teil, nämlich die Burg bzw. das Schloss, liegt umgeben von relativ engen Straßen auf einem Hügel neben der Loire. Einen richtigen Parkplatz für Reisemobile gibt es hier oben nicht. Wir fahren einmal rund um den Hügel und können dabei einen eigentlich ganz guten Parkplatz sehen, finden aber die Zufahrt nicht. Allerdings gibt es auch eine Ausfahrt, durch die ich „aus Versehen“ auf den Parkplatz drauf fahre.

Wir parken im Schatten und müssen nur noch ein Parkticket ziehen. Für 2 Euro dürfen wir bis 14 Uhr bleiben.

Am Schloss kaufen wir relativ schnell die nötigen Tickets. Zu unserer Überraschung ist das Schloss diesmal sogar etwas eingerichtet. Okay, die meisten Wände wurden einfach nur mit bunter Tapete beklebt, die uns Vertäfelungen und Wandteppiche vorgaukeln soll. Aber es gibt auch Räume mit echter Vertäfelung und einigen Ausstellungsmöbeln. Sicherlich nicht original, sondern nur zusammen gesucht und hier ausgestellt. Aber immerhin, viel besser als die üblichen nackten Steinwände.

Wir brauchen fast zwei Stunden für unseren Rundgang durch das Schloss und auch außen herum. Leider mache ich am Abend beim Kopieren der Fotos auf das Notebook einen schweren Fehler und lösche aus Versehen sämtliche Fotos aus Blois. Sie sind weg und sie bleiben weg - so ein Mist!

Jedenfalls fahren wir von Blois weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Schloss Chambord. Dieses Schloss liegt in einem riesigen Parkgelände. Die Außenmauer soll laut Reiseführer rund 32 Kilometer lang sein. Aus diesem Grund fährt man zunächst durch den Park, bevor man in der Nähe des Schlosses auf einen Parkplatz geleitet wird. Hier kostet das Parken mit dem Mobil zwar 7 Euro, aber was macht man nicht alles, wenn man schon so weit gefahren ist.

Ich möchte mir zunächst das Schloss nur von außen anschauen. Dazu wollen wir eine Runde um das Schloss drehen. Doch auch diese Runde wird um einiges größer als wir vorher gedacht hatten. Wir gehen ewig an einem Wassergraben entlang, bevor wir ihn über eine Brücke überqueren und auf der anderen Seite wieder zurück gehen können. Auf diese Art sind wir über eine Stunde mit der Umrundung beschäftigt.

Danach möchte Tina das Schloss trotzdem auch noch von innen besichtigen. Die doppelte Wendeltreppe, deren Entwurf von Meister Leonardo stammen soll, ist eben eine Attraktion. Mir steht der Sinn nicht nach der Besichtigung, aber ich schließe mich dann an. Mein persönlicher Höhepunkt dieser Besichtigung ist der Tisch für Skatspieler - super Idee :-)

Unsere Einschätzungen dieser Besichtigung sind durchaus unterschiedlich. Tina ist zufrieden, während ich meine Befürchtungen erfüllt gesehen habe. Immerhin gibt es von dieser Besichtigung nun auch wieder ein paar Fotos.

Als wir zu Emil zurückkommen, ist es im Fahrzeug brüllend heiß. Wir reißen alle Öffnungen auf und versuchen die Hitze aus dem Wagen zu vertreiben.

Nachdem wir aufbrechen, geht es heute nur noch darum, schon mal einen Teil des Weges nach Hause zu fahren, damit es morgen etwas schneller geht. Wir nehmen uns vor, bis ca. 19 Uhr zu fahren und dann nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen.

Weil es heute so heiß war, wollen wir uns eine richtige Dusche auf einem Campingplatz gönnen. Außerdem sind 220 Volt für den Betrieb des Kühlschrankes mal ganz angenehm. Vor allem da unser Gasvorrat langsam aber sicher zu Ende geht. Und mit 220 Volt ist die Kühlleistung eben um einiges besser als mit Gas oder über Lichtmaschine während der Fahrt.

17. Nacht
Montargis
Camping Rives-du-Loing **
81 m NN
Tageskilometer: 191

Montag, 09.06.2014 (Pfingsmontag)

Montag, 09.06.2014 (Pfingsmontag) - So, heute „nur“ noch die Heimreise. Aber welche Route? Das Navi schlägt als schnellste Route den Weg über den Autobahnring von Paris vor. Uns ist das zu riskant. Wann sonst, wenn nicht am heutigen Feiertag sollte dort der Verkehr zusammenbrechen?

Etwas weiter von der Strecke her, aber mit anderen Vorteilen behaftet, scheint uns die Route über Metz zu sein. Denn von dort können wir über Luxemburg fahren und direkt nochmal billig nachtanken.

Also nehmen wir diese Strecke. Die Autobahnen sind wirklich gut zu befahren heute. Besonders am Morgen sind wir fast alleine auf der Autobahn in Richtung Osten unterwegs. Das ist also sehr entspanntes Fahren.

Die Rechnung dafür bekommen wir dann an der Zahlstelle kurz vor Metz: 49 Euro hat uns der Spaß gekostet. Andererseits, die Route über Paris wäre vermutlich auch nicht billiger gewesen. Und für die Nationalstraßen haben wir nunmal keine Zeit heute.

Bei jeder Pause müssen wir heute die Windschutzscheibe von der Kruste der Insektenleichen befreien. Außerdem läuft den ganzen Tag über die Klimaanlage im Führerhaus. Wenn wir dann für die Pausen aussteigen, trifft uns jedesmal fast der Schlag. Was für ein tolles Wetter heute. Und unser Urlaub ist zu Ende.

Fazit:

Nach diesen zwei Wochen noch ein kleines Fazit dieser Reise. Bedingt durch die neue Solaranlage konnten wir auf den Anschluss von Landstrom überwiegend verzichten. Das hat diesmal unsere ganze Art zu Reisen verändert. Bei keiner Fahrt bisher haben wir so oft frei gestanden. Damit haben wir natürlich auch viele Stellplatzgebühren eingespart.

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass wir durch den ständigen Betrieb des Kühlschrankes und der Heißwasser-Erzeugung, da wir ja auch im Mobil geduscht haben, sehr viel Gas verbracht haben. Da wir nicht mit komplettem Vorrat gestartet waren, wurde der Gasvorrat am Ende dieser Reise doch schon knapp. Da müssen wir nun in Zukunft überlegen, wie wir unterwegs, auch außerhalb von Deutschland unseren Gasvorrat wieder auffüllen können.

Tageskilometer nochmal: 698

Trip-Info:

Abfahrt Km-Stand: 39.974
Rückkehr Km-Stand: 40.672
gefahrene Km: 3116
Ø-Verbrauch: 11,2 l / 100 km
Ø-Geschwindigkeit: 57 km/h
Fahrzeit: 53 h 54 m

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